So wird das Jahr 2016 für UX-Professionals

Der erste Monat des Jahres 2016 ist fast rum und es ist an der Zeit die Glaskugel anzuwerfen und über die Trendthemen im Bereich UX in den kommenden Monaten zu spekulieren:

img_2540-1

Innovativ & Kreativ

Zwischen den prominenten Schlagzeilen der letzten Monate, waren immer wieder auch solche, die einen Schatten über Deutschlands wirtschaftlicher Zukunft prophezeiten – nicht etwa wegen unserer Solidarität zu anderen Völkern, sondern wegen der mangelnden Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen. Da war zu lesen: „Mangelnde Innovationsfähigkeit bedroht deutsche Unternehmen“, „Innovationsvergleich: Mittelständler geben zu wenig für Forschung aus“, „Innovationen im Mittelstand stocken“ oder „Deutschland muss innovativer werden.“. Gleichzeitig habe ich in den letzten Monaten Unternehmen erlebt, die damit begonnen haben, sich der Fähigkeiten und Methoden der Disziplin „User Experience“ zu bedienen, um genau an dieser bemängelten Innovationsfähigkeit zu arbeiten. Oft geht es dabei um mehr als nur ein bisschen mehr an Innovationsfreude oder Gewinn. Es geht auch darum, Teile des Geschäfts oder ganze Unternehmen neu zu erfinden. Mit Ideen, die aus Kundensicht gedacht, das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich machen sollen. Nachdem das Gedankengut von User Experience & Co. in vielen deutschen Unternehmen angekommen ist, wird es nun zukünftig weniger um die Optimierung oder den Ausbau klassischer UX-Methoden, wie z.B. Usability Testing oder Fokusgruppen, gehen. Ich erwarte, dass in den kommenden Monaten die Nachfrage nach kreativen Methoden zur Ideenfindung oder Ideenvisualisierung, welche die benötigte Innovationsfähigkeit von Unternehmen fördern, steigen wird.

Beschleunigend

Ich gehe davon aus, dass sich die Agilisierung der Produktentwicklung weiter fortsetzen wird. Die kontinuierlich steigende Komplexität von Produkten und ihren Ökosystemen lässt vielen Unternehmen einfach keine andere Wahl. Diese Entwicklung beschäftigt die UX-Community ja schon seit längerer Zeit und hat dazu geführt, dass UX-Methoden an die Anforderungen der agilen Softwareentwicklung angepasst wurden. Durch die Beschleunigung der Durchführung und Optimierung der Planung lassen sich aktuelle UX-Methoden immer besser in agile Softwareprojekte integrieren … leider noch nicht in jedem Fall nahtlos. Es wird daher auch in den kommenden Monaten um die Verkürzung der Durchlaufzeiten von UX-Methoden und um die bessere Integration in agile Entwicklungsteams gehen … insbesondere im Bereich der Evaluation. Das wird interne und externe UX-Dienstleister vor die Herausforderung stellen, weniger der pünktliche Zulieferer zu sein, sondern mehr das flexible Teammitglied zu werden. Außerdem werden die zeitraubenden Tätigkeiten, wie z.B. Rekrutierung oder die technische Bereitstellung von Testgegenständen, soweit wie irgendwie möglich automatisieren werden.

Anleitend

Das Gleiche gilt für den Bereich der Anforderungsanalyse. Anstelle dem Entwicklungsteam einen Bericht über die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Anwender zu liefern und gemeinsam aus diesen Erkenntnissen Anforderungen zu definieren, wird es mehr darum gehen agilen Entwicklungsteams diesen „Übersetzungsschritt“ vom Bericht zum Verständnis zu ersparen. Damit das Verständnis über die Anwender und ihre Anforderungen schneller entstehen kann, müssen die agilen Entwicklungsteams direkt selbst vor Ort zum Anwender. Sie müssen selbst beobachten, fühlen und hören was Anwender bewegt. Dafür sollten wir Methoden erfinden, die so robust sind, dass auch User Research-Laien nach geringer Anleitung rausgehen, von Anwendern lernen und die gewonnenen Erkenntnisse in großartige Produkte umsetzen können. Natürlich müssen die Methoden dabei so konstruiert sein, dass sie die Grundanforderungen der Markt- und Sozialforschung hinsichtlich Objektivität, Validität, Repräsentativität und Reliabilität erfüllen … aber eben nur die Grund-Anforderungen.

Sorgfältig & Erfolgreich

Bei allen Kreativmethoden, Beschleunigung, Agilisierung und Hilfe zur Selbsthilfe wird es UX-Professionals auch in den kommenden Monaten letztendlich darum gehen, mit Sorgfalt und Liebe zum Detail schöne Produkte zu gestalten, die im Markt erfolgreich sind.

Ein Gedanke zu „So wird das Jahr 2016 für UX-Professionals

  1. Pingback: Mein Blick auf User Experience in 2017 | User Experience Blog

Kommentare sind geschlossen.