Politik in Unternehmen spielt für Design Leadership eine wichtige Rolle. Dabei hat Politik ein sehr negatives Image. Politik wird oft als eines der größten Hindernisse erlebt, welches gutes Design verhindert. Dabei ist Politik allgegenwärtig. Immer, wenn mehr als zwei Menschen mit begrenzten Ressourcen ein Ziel erreichen wollen, gibt es unterschiedliche Auffassungen und einen Kampf darum, wie dieses Ziel am besten erreicht werden kann.

Politics are everywhere people are.

Scott Berkun versuchte in seinem Beitrag das Bild von Politik und dessen Rolle für Design Leadership gerade zu rücken. Politik ist für Design Manager ein wichtiges Instrument für die Erreichung ihrer Ziele.

Work politics is just another kind of problem-solving: people problems.

Er betrachtet Organisationen bzw. Unternehmen wie lebendige Landschaften. Kein Manager ist allein in der Lage diese Landschaft zu verändern. Gute Manager beobachten sie und versuchen die Mechanismen zu identifizieren nach denen sie funktionieren. Sie finden Wege durch diese Landschaften, die zu mehr Erfolg führen. Er empfiehlt Design Managern genau zu beobachten: Wer tut sich schwer? Wer ist erfolgreich? Wer ist unsichtbar? Welche Taktiken werden angewendet? Wer hat Fähigkeiten und Ressourcen, die „Design“ braucht? Wer verfolgt welche Ziele?

Er räumte mit der Idealvorstellung von „UX Champions“ auf. Die Rolle des „UX Champion“, der kommt und die Organisation mit UX beseelt und rettet, ist für Scott Berkun nur ein romantisches Ideal. Es hilft nicht sich mit einer UX-Fahne hinzustellen und laut die Evangelien von „User Experience“ und „Design“ zu verkünden. Das macht es der Organisation leicht diese „UX Champions“ anzugreifen oder zu ignorieren. Anstatt als „UX Champion“ die Organisation retten zu wollen, ist es wichtig zu verstehen, wie „UX“ und „Design“ dem Unternehmen helfen kann erfolgreicher zu sein. Auch er hob die Wichtigkeit hervor, dass Design Manager verstehen müssen, womit das Unternehmen sein Geld verdient. Design ist kein Selbstzweck. Design muss Unternehmen dabei helfen Ziele zu erreichen bzw. Geld zu verdienen.

Design Manager sollten sich daher als Teil des Systems verstehen und eine entsprechende Rolle einnehmen, in der sie einem Unternehmen bzw. den einflussreichen Personen im Unternehmen genau diese Wege aufzeigen. Am besten tuen sie dies in kleinen Meetings oder direkten Gesprächen. Große Meetings sind kein guter Platz für diese Überzeungsarbeit, da meist zu viele – teilweise unsichtbare – Zielkonflikte zwischen den Beteiligten bestehen und viele Dinge unausgesprochen bleiben.

Design Manager sollten akzeptieren, dass sie – wie Führungskräfte aus anderen Fachrichtungen auch – immer aus einer Minderheit heraus argumentieren und führen müssen. Sie sollten daher eher wie Botschafter agieren. Dabei sind die Suche nach den richtigen Verbündeten und das Sammeln der relevanten Informationen über die Ziele und Ansichten der Beteiligten wesentliche Aufgaben.

Für das Gelingen dieser Aufgabe sollten sich Design Manager intensiv darum kümmern, wie sie und ihr Team in der Organisation gesehen und bewertet werden. Ihr Image ist ihre Positionierung in der Organisation und damit einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Allianzen.

Design Manager müssen verstehen, wie sie Entwickler bzw. andere Rollen, die für die Realisierung der Visionen des Unternehmens relevant sind, in die richtige Richtung bewegen können. Alles beginnt mit gegenseitiger Wertschätzung. Das dadurch entstehende Vertrauensverhältnis ist eine wesentliche Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Zum Abschluss gab er noch den guten Rat, dass die Arbeit von Design Managern bei der Führung des eigenen Chef beginnt. 😉

Außerdem möchte ich Euch auch diesen Rat an „neu ernannte“ Design Manager nicht vorenthalten:

„Do all the worst things you need to do on the first day so later everyone can say ‚well, he is not as bad as he used to be.“ – Salmon Rushdie

Die kompletten Folien zu seinem sehr spannenden Vortrag sind hier verfügbar:

Folien zum Vortrag von Scott Berkun


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.