Ich hatte kürzlich die großartige Gelegenheit das UX Live Center der BMW Group IT in natura zu erleben. Die BMW Group IT ist mit mehr als 5.000 Mitarbeitern nicht nur die treibende Kraft hinter allen Fahrzeuginnovationen und digitalen Dienstleistungen, sondern bildet auch die Basis für die Digitalisierung aller Geschäftsprozesse der BMW Group. Im UX Live Center wird insbesondere Business Software für den internen Gebrauch entwickelt. Unter dem Slogan „Enjoy IT“ werden hier Business Applikationen auf die Bedürfnisse der BMW Mitarbeiter zugeschnitten.

Eingang zum UX Live Center

Die BMW Group IT hat in den letzten Jahren, wie viele IT-Unternehmen, eine große Veränderung in Richtung agile Softwareentwicklung durchgemacht. Dabei wurde von Anfang an Kundenorientierung und Human Centered Design als zentrale Bestandteil gesehen. Also „Agile ❤ UX“ von Anfang an. 🙂

Das UX Live Center ist eines der Ergebnisse dieses Transformationsprozesses. Es ist interne UX Agentur, Design Thinking Space, Coworking Area und Teststudio in einem. Der Leiter des UX Live Center Ralf Kellner brachte es bei der Vorstellung schön auf den Punkt: „Wir wollen, dass es den Product Teams leicht fällt, Human Centered Design in der agilen Produktentwicklung zu nutzen. Human Centered Design soll so einfach zugänglich sein, wie Burger bestellen in einem Fast Food-Restaurant.“ Über diese Analogie berät das UX Live Center Team interne Kollegen am Service Desk, der tatsächlich der typischen Theke eines Fast Food Restaurants nachempfunden ist.

Eingangsbereich mit Lageplan

Entwicklungsteams können das UX Live Center nutzen, um darin Kundenbedürfnisse zu identifizieren, Ideen zu entwickeln oder Prototypen zu entwickeln sowie zu testen.

Die Fläche des UX Live Center ist in vier Abschnitte unterteilt, die von den Teams im Rahmen des Human Centered Design-Prozesses Schritt für Schritt durchlaufen werden. Im ersten Abschnitt geht es darum die Anwender zu verstehen. Hierfür stehen Persona-Pappkameraden, eine Interview-Kabine und viel Platz für Diskussionen zur Verfügung.

Anwender verstehen

Danach geht es weiter zum „Verständnis der Bedürfnisse der Anwender“. In diesem Bereich ist sehr viel Platz für Customer Journeys und Post-It-Schlachten. Im dritten Bereich ist Raum für’s Prototyping. Hier stehen große Tische, die geradezu dazu einladen im Team loszulegen.

Arbeitsfläche für’s Prototyping

Am Ende landen die Teams dann in einem Bereich, in dem sie ihre Ideen und Prototypen gemeinsam mit Testpersonen ausprobieren und evaluieren können.

Zur Orientierung der Teams waren die UX Prinzipien der BMW Group IT gut sichtbar im Eingangsbereich aufgehängt.

Das UX Live Center ist für mich ein weiteres beeindruckendes Beispiel dafür, welchen Stellenwert User Experience und Human Centered Design mittlerweile in IT-Unternehmen erhalten hat. Es ist ein klares Statement der BMW Group für Customer Centricity.

Aber auch hier kam diese Erkenntnis nicht über Nacht. Es braucht Menschen, wie Ralf Kellner und Jan Pohlmann, die sich mit all ihrem Engagement dafür einsetzen und zur richtigen Zeit einer Organisation den richtigen Weg weisen. Ralf erzählte, dass auch bei der BMW Group IT das Thema UX klein angefangen hatte. Die ersten Entwicklungsteams begleiteten Ralf und Jan noch in einem hemdsärmelig umgebauten Büro. Immerhin war das Büro zum Gang hin verglast, so dass mit der Zeit immer mehr Kollegen Interesse an dem bunten Treiben im Büro gewinnen konnten. Erst als dann das Interesses im Haus stark angestiegen war und eine Fläche im Gebäude für agile Nutzung eingerichtet wurde, konnten die beiden ihre Idee vom UX Live Center in die Tat umsetzen.

Irgendwie habe ich jetzt so ein „Das will ich auch“-Gefühl 🙂


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.