Kategorie-Archiv: Aktuelle Nachrichten

Zwei Tage UX Strategy in Amsterdam #uxstrat


Ich bin in den nächsten zwei Tagen auf der ausverkauften UXSTRAT in Amsterdam. Ich freue mich auf 2 Tage vollgepackt mit spannenden Vorträgen zu UX Strategy, Organisationsveränderung, Innovation und Best Practices. Das Programm klingt in diesem Jahr sehr praxisnah. Im Gegensatz zu letztem Jahr habe ich das Gefühl, dass deutlich mehr Praktiker aus Unternehmen von ihren Erfahrungen berichten werden. 

Wie immer werde ich an dieser Stelle versuchen, die interessanten Beiträge einzufangen und möglichst live zu bloggen. Stay tuned 🙂

Conversational UX – Von Chat bis Bot, von GUI bis VUI #bitkom #uux

Die heutige Sitzung des BITKOM AK Usability und User Experience fand in den schön gelegenen Räumlichkeiten von Microsoft am Rheinufer in Köln statt. Thematisch ging es um eines der Trendthemen des Jahres 2017 – Conversational User Interfaces. Wie immer will ich an dieser Stelle versuchen Euch einen Eindruck von der Veranstaltung zu geben und die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen. 

Chatty Devices – Sascha Wolter, Deutsche Telekom

Sascha eröffnete den Tag mit einer amüsanten Einleitung zum Thema Conversational UX. Wie üblich bediente er sich dabei seiner persönlichen Dauerfokusgruppe (n=3) um Erfahrungen mit sprachlichen User Interfaces zu sammeln. Die Beobachtung seiner familiären Testgruppe ergab, dass sich Menschen trotz anfänglicher Skepsis so schnell an die Konversation mit Maschinen und an die Steuerung mittels Sprache bedienen, dass sie sich mit der alten Welt der manuellen Schalter schwer tun. Dieser Umstand macht sich auch in der zunehmenden Menge an verfügbaren Geräten bemerkbar. Immer mehr Hersteller drängen mit Sprachassistenten auf den Markt, um so ihre Ökosysteme näher in die Alltagswelt der Anwender zu integrieren.


Aus seinen bisherigen Erfahrungen schloss er, dass sich Unternehmen, die sich jetzt nicht mit sprachlichen User Interfaces beschäftigen, mit hoher Wahrscheinlichkeit einen wichtigen Zugangskanal zu Ihren Kunden verlieren werden. Es wird dabei aber nicht so sein, dass sprachliche User Interfaces graphische User Interfaces komplett ersetzen. Vielmehr werden sie je nach Kontext eine Ergänzung bieten. Wir werden in naher Zukunft multimodale Ein- und Ausgabemedien nutzen, um mit Maschinen zu interagieren.

Does mouse and monitor soon become a thing of the past?

Das schöne an Saschas Vorträgen ist, dass er es vor aller Begeisterung für die neue Technologie und Möglichkeiten immer auch versteht eine kritische und differenzierte Sicht auf neue Dinge zu werfen. So beschäftigte er sich natürlich auch mit den Schattenseiten von Sprachassistenten wie Cortana, Alexa und Google Home. Auch wenn oft behauptet wird, dass diese Sprachassistenten das Leben der Nutzer ausspionieren, gibt es zumindest in Deutschland klare rechtliche Grenzen um dies zu verhindern. (Siehe §90 Telekommunikationsgesetz) So ist der Besitz und Betrieb von Geräten, die ohne des Wissens der Anwender aufnehmen und senden verboten. Alle am Markt verfügbaren Geräte dürfen sich daher nur nach dem Sagen eines Wake Words (z.B. „Alexa“) oder einem expliziten Knopfdruck mit den dahinterliegenden Cloudservice verbinden. Entwickler, die sich mit sprachlichen User Interfaces befassen, dürfen nicht nur den technischen Fortschritt im Auge behalten, sondern sie müssen sich auch intensiv damit beschäftigen was die Verwendung dieser Technologie für seine Anwender aus ethischer und moralischer Sicht bedeuten kann. Eltern stehen heute vor der Herausforderung den Umgang mit sprachlichen UIs und künstlicher Intelligenz ihren Kindern zu vermitteln. (Siehe moralmachine.mit)

Auch wenn sich sprachliche User Interfaces in einer atemberaubenden Geschwindigkeit im Monatsrythmus weiterentwickeln, so ist die Thematik nicht neu. Für die Gestaltung von Conversational UIs verwies auf Grundlagenliteratur aus dem Jahr 1975, wie z.B. Grice’s Maxims. Eine der großen Herausforderungen bei der Gestaltung ist die Persönlichkeit von sprachlichen Interfaces. Wenn es nicht gelingt die Persönlichkeit eines Sprachassistenten authentisch und natürlich zu gestalten, landet man schnell im Uncanny Valley. Der Persönlichkeit von Sprachassistenten sollte daher eine hohe Aufmerksamkeit zu teil werden. (Siehe Cortana vs. Siri) Außerdem empfahl er die Gestaltung an den Richtlinien der Hersteller zu orientieren (z.B. Design Checklist von Google)

Create more personal computing – Malte Lantin, Microsoft

Malte Lantin gab in seinem Vortrag einen Einblick in die Sichtweise von Microsoft auf sprachliche User Interfaces. Microsoft versteht Konversationen als eine neue Plattform für die Mensch-Maschine-Interaktion. Sie unterscheiden dabei zwischen digitalen Assistenten, wie z.B. Cortana und Bots. Bots sind nach Microsoft-Sichtweise wie Apps, in denen die Funktionen angeboten werden. Digitale Assistenten sind Meta-Apss, die lediglich eine natürliche Brücke zwischen Mensch und Bot schlagen.

Human language is the new UI.

Microsoft-typisch ging er in einer kleinen Tech-Demo auf die techn. Möglichkeiten des Microsoft Bot Framework, der Cognitive Services und Microsofts Luis.ai ein. Außerdem stellte er den QnA-Maker vor mit dem sich aus FAQ einfache Chatbots erzeugen lassen.

Wer Bequemlichkeit beim Einkaufen schätzt, der wird den Amazon Echo lieben. – Thorsten Wilhelm, eResult

Thorsten Wilhelm stellte die Ergebnisse einer Studie (n=5) vor, in der das Nutzungserlebnis mit Amazon Echo untersucht wurde. Die Studie wurde durchgeführt, weil er durch die 300 Mio aktiven Amazon-Kunden und schon heute über 400.000 Echo-Geräten in Deutschland großes Potential für Amazon Echo sieht. Er sieht es als den Weg für Unternehmen ihre Dienste enger in den Alltag der Anwender zu integrieren. Aber auch bei dieser Technologie gilt: „Nicht irgendwas machen, nur um auch dabei zu sein.“. Um erfolgreich zu sein, gilt es herauszufinden, welchen echten Nutzen diese Interaktion stiften kann.

„Wir stellten fest, dass Amazon Echo („Alexa“) recht schnell in den Alltag integriert wird, neue Rituale entstehen und sich der Umgang mit anderen Geräten und auch die Kommunikation mit dem Partner und der Familie verändern.

Die Studie ist kostenlos auf der eResult-Webseite verfügbar.

Alexa Development: einmal API und zurück, bitte – Christoph Jerolimov


Wie der Titel des Beitrags schon andeut, führte Christoph Jerolimov die Teilnehmer anhand der beiden Alexa-Skills mobilecologne und Kino Bonn an die Implementierung von Alexa-Skills mit dem Alexa Skills Kit heran. Er erläuterte die technischen Grundprinzipien und zeigte Ausschnitte aus dem Programmcode der beiden Skills.

Es könnte aber alles so einfach sein, isses aber nich – Ulrich Leschak, Peter Behrens School of Art Düsseldorf


Ulrich Leschak – seines Zeichens Lehrbeauftragte für Kommunikationsdesign der Peter Behrens School of Art Düsseldorf – beschäftigte sich in seinem Beitrag mit dem Thema Einfachheit. Er betrachtet die Entwicklung der Sprachassistenten eingangs recht kritisch. Aus seiner Sicht führen sie dazu, dass die Menschen nicht mehr zu sich selbst finden. Die zahlreichen Geräte lenken sehr vom Leben ab und stören, wenn sie schlecht gestaltet sind. 

Wenn man weiß wie es geht, ist alles einfach. – Ulrich Leschak

Zu Einfachheit sagte er: Einfachheit ist eine Illusion, die schwer zu erzeugen ist. Einfachheit hängt immer vom Betrachter ab. Einfachheit ist eine Kunst und erfordert manchmal Besessenheit bei der Suche nach der einfachsten Lösung. Natürlich zitierte er in diesem Zusammhang auch die Laws of simplicity von Maeda.

Mit Blick auf die sprachliche User Interfaces plädierte er für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie. Entwickler müssen sich bewusst sein, welche emotionale Kraft  dieser Technologie innewohnt und welche Auswirkungen ein unbedachter Einsatz auf die Menschen haben kann.

Prototyping Conversations – Johannes Baeck, usability.de

Im letzten Vortrag des Tages ging Johannes Baeck auf die nutzerzentrierte Gestaltung von Conversational UI ein. Er berichtete aus einem Praxisprojekt mit welchen Methoden usability.de in den unterschiedlichen Projektphasen arbeitetet, um Konversationen zu konzipieren. 


So setzten sie in der Forschungsphase des Projektes beispielsweise auf Contextual Interviews in den Räumlichkeiten der Anwender, um den Kontext besser zu verstehen, in dem die Konversation stattfindet. Weiterhin erhoben sie Fragen, die Anwender in der Konversation mit der Maschine stellen wollen und welcher Modus (Screen, Sprache oder beides) für die Konversation am besten geeignet ist. In der Strategiephase verwendeten sie Experience Maps, um die Konversation im Gesamtkontext des Use Cases einordnen zu können und gemeinsames Verständnis im Team für den Umfang des Use Cases zu entwickeln. 

Personality allows people to know how to behave towards others and what to expect in return. – Wired for Speech, Clifford Nass & Scott Brave

Die Persönlichkeit des Bots gestalteten sie anhand von Bot-Personas. In diesen speziellen Personas wurden insbesondere Wertversprechen, Interaktionsprinzipien und Persönlichkeiten definiert. Auf diese Weise entstanden die Richtlinien für das Verhalten des Bots. In der Designphase bauten sie mittels Papier oder Sayspring – einem Prototyping-Tool für Alexa Skills – Prototypen und evaluierten Konversationen mit der Wizard-of-Oz-Methode.

Neues aus dem AK UUX

Neben der Ankündigung, dass der nächste AK UUX im Oktober bei DATEV in Nürnberg stattfinden wird, gab es auch erfreuliche Nachrichten. Der bitkom-Leitfaden „Usability & User Experience – Software näher zum Nutzer bringen“ ist endlich verfügbar. Der Leitfaden zeigt Best Practices aus dem Bereich User Experience für Unternehmen auf und gibt Entscheidungshilfen zur Auswahl und zum Einsatz von Methoden sowie Vorgehensweisen.

CHI 2017 in Denver – Mein Fazit #chi2017 @sigchi

Das war sie wieder die CHI. Das Motto „Explore, Innovate, Inspire“ hat sich für mich voll und ganz erfüllt. Die Woche war sehr inspirierend, erkenntnisreich und hat sich für mich wie Goldwaschen angefühlt. Die Hauptthemen der Konferenz waren in diesem Jahr Human Computer Integration, Interaktion mit Bots, Autonomous Driving, Displays aus Nebel, Biologisches Produktdesign und die politische Beschäftigung damit, wie Trump passieren konnte. Der letzte Punkt war interessant, da einige Redner den Gewinn von Trump auf die Fehler der Algorithmen der sozialen Medien zurückführten. Mein könnte meinen, dass Silicon Valley hat den Amerikanern Trump eingebrockt.

Die Konferenz war gefühlt etwas kleiner als im letzten Jahr, wenn man das bei 2.898 Teilnehmer (davon einige Teilnehmer über 14 Telepräsenz-Roboter) aus 53 Ländern und hunderten Beiträge in 19 parallelen Sessions überhaupt so sagen kann.

Die Online Proceedings sind für eine kurze Zeit unter ACM Digital Library öffentlich erreichbar. Außerdem findet Ihr einige Preview-Videos von Beiträgen auf Youtube. Meine gesammelten Beiträge könnt Ihr hier nachlesen.

Nächstes Jahr findet die CHI übrigens unter dem Motto „Engage with CHI“ in Montreal statt.

How the CHI Community Got its Groove and Changed the World #chi2017

Der zweite Konferenztag der CHI begann mit einem historischen Rückblick auf die Entwicklung der HCI/UX-Community. Nach einigen Hymnen des Lobes auf die großartigen Leistungen der HCI-Community – von Links über Faceted Search bis Mobile Interaction – und auf den Einfluss durch den großen Ben Shneiderman auf diese Entwicklung, nahm eben dieser das Publikum mit auf eine Reise durch die Geschichte von HCI.

Die historischen Details seiner Rede könnt Ihr Euch auf youtube anschauen. Dazu nur eine Erkenntnis: Es hat im Schnitt 10-20 Jahre gedauert aus Ideen von Wissenschaft & Forschung wirtschaftlich erfolgreiche Produkte zu machen. Ich will an dieser Stelle nur einen Aspekt herausgreifen. Als eines der nächsten großen Thema der Community sieht er – neben der wohl nicht ganz ernstgemeinten Forderung nach einem Ministerium für User Experience – das Thema Human Computer Integration. Ein Thema was mir bisher noch nicht begegnet ist, aber auf dieser Konferenz einen großen Stellenwert einnimmt. Ich werde diesem einen eigenen Artikel widmen. Stay tuned 🙂

I celebrate the diversity of ideas and community. That is very powerful.

Siehe auch

Be bold. Be interactive. Be generous.
The Growth of HCI and User Interface/Experience Design

Material Ecology – oder biologisches Produktdesign #chi2017 @nerioxman


Neri Oxman (MIT Media Lab) eröffnete die CHI 2017 mit Ihre Sicht auf die Grenze zwischen der digitalen Welt der Maschinen und der biologischen Welt – der Natur. Aus ihrer Sicht  ist es an der Zeit sich im Produktdesign von der technischen Denkweise zu lösen, dass Maschinen aus einzelnen Teilen bestehen. Einer Denkweise, die aus der ersten industriellen Revolution und der Massenproduktion in Assembly Line kommt. In ihrer Arbeit designt sie Produkte als Systeme, die sich die Variabilität und Anpassungsfähigkeit der Natur zu nutze machen. Ihre Produkte und Arbeiten scheinen daher auch eher aus einem Stück natürlich gewachsen, als von Menschen gemacht. Möglich machen das 3D-Drucker, Software und die Arbeit mit biologischen teilweise lebenden Materialien. Sie bewegt sich mit Ihrer Arbeit direkt auf der Grenze zwischen Natur und Technologie – allerdings weniger mit der Absicht direkten Nutzen zu generieren, sondern das Machbare auszuloten.

Designers are entering a very interesting world – digital and biological.

Sie zeigte dann auch einige Beispiele dafür, wie sich Produktdesign ändert, wenn nicht die Prinzipien von Produktionstrassen, sondern die Prinzipien der Natur zugrunde liegen. Ein Beispiel zeigt das Bild oben. Es ist eine Maske, die auf die Muskelbewegungen der Trägerin reagiert. Sie wurde in einer Kunst-Performance von Björk eingesetzt. Ein anderes Beispiel war eine Unterhose namens Mushtari, die beim Tragen durch Photosynthese leuchtet und Zucker in den Hosentaschen wachsen lässt:

Heute muss sie noch die Prinzipien der Natur über Software und 3D-Drucker in Produktdesign überführen muss. Sie forscht aber aktuell an natürlichen Wachstumsprozessen mit dem Ziel selbstwachsenden Materialien oder Symbiosen mit Lebewesen (z.B. Seidenspinnern oder Bienen) zu finden, mit denen Produkte quasi von selbst wachsen oder in Co-Produktionsprozessen mit Tieren oder biologischen Organismen entstehen. 

Sehr inspirierend :-). Mehr von ihren Arbeiten findet Ihr unter: materialecology.com

CHI 2017 – Explore Innovate Inspire

Ich bin dieses Jahr wieder auf der CHI – einer der weltgrößten Konferenzen zu Human-Computer-Interaction mit ca. 3.000-4.000 Teilnehmern und mehr als 2.000 Beiträgen. Ich freue mich auf ganz viele inspirierende Vorträge und Diskussionen zu neuen Interaktionstechniken, neuen Erkenntnissen aus der Forschung und zu Prototypen aus den Laboren der großen Technologiekonzern und Universitäten.  Dieses Jahr findet die CHI in Denver statt und ich hoffe sehr, dass die Einreise in die USA so freundlich und glatt verläuft wie bisher. 

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Inhalte der Konferenz gibt der aktuelle Teaser der CHI 2017:

Ich werde natürlich wieder so viel wie möglich über die Beiträge, die ich gesehen habe, bloggen. Also: Stay tuned 🙂

Panel: Was kann die IT-Branche von „Design“ lernen?“ #dmit17

Die BITKOM-Veranstaltung „Design meets IT“ geht mit einer Panel-Diskussion zur Kernfrage der Veranstaltung „Was kann die IT-Branche vom Designern lernen?“ zu Ende. Die wesentlichen Diskussionsstränge und Beiträge der Diskussion waren:

  • Die Produktentwicklung ist heute geprägt von einer Vielzahl an spezifischen Rollen und Disziplinen. In Zukunft bedarf es mehr Aufgeschlossenheit und Anerkennung zwischen den Disziplinen und der Bereitschaft ein Stück über den Rand der eigenen Disziplinen Verantwortung zu übernehmen. Ich würde es so interpretieren, dass die Ränder der Disziplinen etwas unschärfer werden müssen, um in der schnelllebigen IT-Welt bessere und erfolgreichere Ergebnisse zu erreichen

„Die Lösungen, die entstehen, wenn Design und Entwicklung nicht miteinander reden, sind halt einfach Scheiße, wenn man ehrlich ist.“

  • Wesentlich für eine gute Zusammenarbeit beider Disziplinen ist eine enge und persönliche Zusammenarbeit sowie ein gegenseitiges Verständnis über gemeinsame Werkzeugketten hinaus nötig.
  • Die Spezialisierungen der Disziplinen von IT und Design ist zwar notwendig, damit die notwendige Expertise in den Projekten vorhanden ist. Alle Disziplinenvertreter müssen aber über ein gemeinsames Überblickswissen über alle Disziplinen verfügen. Die Schaffung des gemeinsamen Wissens ist eine große Herausforderung für die Ausbildung der Disziplinen. Designer müssen mehr über die Beschaffenheit ihres Material – dem Code – wissen. Entwickler brauchen mehr Kenntnisse über die Wirkung ihres Materials beim Anwender.
  • Es muss einen Dialog zwischen IT und Design über die gegenseitigen Erwartungen geben. Es bräuchte eine Gegenveranstaltung „IT meets Design“.
  • Für den „Gewöhnungsprozess“ beider Disziplinen in funktional orientierten Organisationen kann es hilfreich sein beide Disziplinen unter Moderation über gemeinsame Projekte zusammenzuführen.
  • Das Bild was in der Diskussion von der IT gezeichnet wird, ist zu einfach. Es gibt bereits Disziplin, welche einen Brückenschlag machen – die Softwarearchitekten und Softwaredesigner. „Reden Sie mit Ihren ITlern. Die beißen nicht, die wollen nur spielen.“ Es wurde ein Konflikt in den Sichtweisen von Softwarearchitekten und Designern diskutiert, da sich Softwarearchitekten oft auch als Designer verstehen.
  • Das Berufsbild der Industriedesigner wird durch die Digitalisierung mit einer Entmaterialisierung konfrontiert – also der schwindenden Bedeutung von Materialien im Designprozess durch 3D-Drucker und Software. Auch hier muss Programmcode als Material verstanden werden.
  • Es gibt unter den Entwicklern sicherlich Hardcore-Coder, die nichts mit UX zu tun haben wollen. Es gibt aber zwischen diesen Hardcore-Codern und Designern schon zahlreiche Abstufungen. Ganz so schlecht wie es in der Diskussion rüberkommt, ist die Situation zwischen Design und IT eigentlich gar nicht.
  • Wir bilden die Informatiker falsch aus. Es fehlt die Vermittlung von Gestaltungskompetenz in der Informatik. Ein möglicher Weg das zu adressieren, wäre es vermehrte auf Projektstudiengänge zu setzen. Weiterhin sollten mehr Masterstudiengänge im Design offen sein auch Studenten aus anderen Disziplinen aufzunehmen und die Studenten dies auch so annehmen – so wie es bei ca. 5% der Masterstudiengänge schon passiert.
  • Das Herz der Diskussion ist doch, was Produkterfolg zukünftig ausmacht. Der Dissens zwischen den Disziplinen kommt doch über die Frage, was zukunftsfähig ist. IT kommt aus einer Position der Stärke, da es bisher sehr gut funktioniert hat über das reine technische „verfügbar Machen“ erfolgreich zu sein. Design erhebt nun den Anspruch, dass zukünftig die Schaffung von Wohlbefinden und Nutzen erfolgreich machen wird. Die Frage ist nun, ob man Design und IT wirklich verheiraten muss, um erfolgreich zu sein.
  • Die Industrie muss ihren Teil zu dieser Veränderung beitragen in dem sie weniger nach hochspezialisierten Experten in IT und Design sucht. Wenn mehr Profile mit „unscharfen“ Rändern in den Kenntnissen und Mischform zwischen Design und IT ausgeschrieben werden würden, würde sich die Ausbildung von allein anpassen.
  • Es braucht die Reibung von spezialisierten Experten um die beste Lösung zu finden.
  • Als einen kleinen Konsens aus der Diskussion nehme ich mit, dass wir mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen IT und Design sowie ein Ausbau der aktuellen Tendenzen in der Masterausbildung der Designer und eine Öffnung dieser Ausbildung für Entwickler brauchen. Wir brauchen kein neues Berufsbild als Mittler zwischen Design und IT.