Kategorie-Archiv: Aktuelle Nachrichten

DevCamp.create am 09.03. in Würzburg für UX Designer

Am 09. März 2018 findet in Würzburg das DevCamp.create statt. Das DevCamp.create ist ein BarCamp, welches sich dieses Mal insbesondere an UX Designer wendet:

Wenn sich die Entwicklergemeinde zum Developer Camp 2018 trifft, bleiben Design- und UX-Themen meist auf der Strecke. Das werden wir ändern!

DevCamp.create ist ein Barcamp von kreativen Köpfen für kreative Köpfe, die komplexe Projekte in einem kreativen Umfeld umsetzen und dabei die Usability, User Experience und das Design in den Mittelpunkt stellen wollen.

Wenn Du Dich zur Gruppe der Usability-Interessierten/-Professionals, UX-Nerds, UX-/UI-Designer, Design Thinker, Konzepter oder Designer und Kreative im Allgemeinen zählst, bist Du hier genau richtig.

Folgende Themen schwirren uns im Kopf herum: Jobs to be done, How to handle Personas, Usability meets DIN-Norm, Breaking UX, UX meets AI, etc. Deinen kreativen Einfällen sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Du selbst etwas beitragen willst, hast Du mit diesem Google Docs die Möglichkeit, Deine Sessionvorschläge und -wünsche mit der Welt zu teilen.

Mehr zum DevCamp findest Du hier:

https://create.developercamp.io/

Trends und Themen für UX in 2018

Es ist Januar 2018 und für mich wieder eine gute Gelegenheit zu überlegen, welche Trends und Themen mich in den kommenden 12 Monaten rund um User Experience, Product Design und Design Management beschäftigen werden.

Design Leadership

In Managementkreisen ist es mittlerweile eine Binsenweisheit, dass Product Design eines der wesentlichen Differenzierungsmerkmale und Erfolgskriterien für digitale Produkte ist. Product Design vermittelt zwischen geschäftlichen Zielen, Technologien und den Lebenswelten der Kunden. Es ist eine der Disziplinen, die einen zentralen Einfluss auf das Erlebnis der Kunden mit den Produkten und Diensten eines Unternehmens haben.

Dazu passt, dass ich in den vergangenen Monaten aus vielen produktentwickelnden Unternehmen gehört habe, dass diese ihre interne Gestaltungskompetenzen durch die Einstellung von (UX-)Designern, die UX-Ausbildung von Mitarbeitern und den Aufbau von internen Designteams bzw. Designorganisationen gestärkt haben. Einige Unternehmen haben Designstrategien und Zukunftsvision erarbeitet, um ihren Mitarbeitern Orientierung zu geben und ihren Kunden ihre Zukunftsfähigkeit zu beweisen. Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Es bleiben also auch die kommenden Monate rosige Zeiten für UX-Designer.

Aber auch rosige Zeiten bringen ihre Herausforderungen. Ich gehe davon aus, dass der Wettbewerbsdruck durch die digitale Transformation und die geringeren Markteintrittsbarrieren für Startups in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird. Es genügt nicht, dass Unternehmen die nötige Gestaltungskompetenzen besitzen. Ich gehe davon aus, dass die Kompetenz und Exzellenz mit der Product Design in Unternehmen geführt wird, eine zentrale Stellung einnehmen wird. Während die Gestaltungskompetenz die Grundlage bildet, dass Unternehmen überhaupt gute Produkte gestalten können, ist exzellentes Design Management die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen zielgerichtet, wiederholbar und effizient erfolgreiche Produkte gestalten können.

Die Professionalität im Design Management ist außerdem der Schlüssel dazu, dass über Product Design und Design Thinking nachhaltig neue Dienste und Produkte entstehen können, die Unternehmen dabei helfen in der 3. industriellen Revolution zu bestehen.

Künstliche Intelligenz

Stichwort – 3. industrielle Revolution. In den letzten Monaten haben zahlreiche intelligente Systeme das Licht der Welt erblickt und ihren Siegeszug angetreten. In erster Linie war das im privaten Bereich durch Alexa & Co. zu beobachten. Ich gehe davon aus, dass diese Systeme in 2018 auch Einzug in den geschäftlichen Bereich halten werden. Ob wir in 2018 auf breiter Front bereits unsere Kalender und Termine über Alexa & Co. organisieren lassen können oder im Kundenservice immer mehr mit Bots kommunizieren werden, wage ich aktuell noch nicht zu bewerten. Aber die ersten Schritte in diese Richtung waren bereits Ende 2017 zu sehen. (Siehe „Alexa for Business – Empower your organization with Alexa“)

Für UX-Designer ist es daher definitiv an der Zeit sich mit der Gestaltung von intelligenten Systemen, wie Bots und Automaten, zu beschäftigen. Dabei ist nicht nur wichtig, Wissen zur Gestaltung von Conversational User Interfaces … also Chatbots und Sprachassistenten … aufzubauen. Auch intelligente Systeme ohne ein kommunikatives Interface werden Teil der User Experience. Schon heute ist beispielsweise in der Heimautomation zu beobachten, dass Systeme, die aufgrund bestimmter Verhaltensweisen, Muster oder Regeln ihrer Besitzer – und damit ohne direkte Interaktion mit ihnen – funktionieren, einen großen Teil des Gesamterlebnisses ausmachen. UX-Designer sollten sich damit auseinandersetzen, wie es gelingen kann aus den automatisierten Aktionen intelligenter Systeme, den sprachlichen Interaktionen und den klassischen Interaktionen über Bildschirm-Interfaces ein ganzheitliches Produkterlebnis zu gestalten. Dabei wird ein wesentlicher Aspekt darin bestehen, wie die Markenbotschaften eines Unternehmens nicht nur in die visuell-interaktive Produktgestaltung übertragen werden, sondern wie diese in einen Charakter für das Gesamtsystem übersetzt werden können.

Im vergangenen Jahr ging ich noch davon aus, dass die große Herausforderung bei der Gestaltung von intelligenten Systemen darin liegen wird, das Vertrauen der Anwender zu gewinnen. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es erfahrenen UX-Designern mit Leichtigkeit gelingen wird, Vertrauen in künstliche Intelligenz zu erwecken. Ich gehe sogar davon aus, dass es am Ende so sein wird, dass Menschen zu schnell zu großes Vertrauen in solche Systeme entwickeln werden. Wir werden uns bei der Gestaltung von intelligenten Systemen auch mit den negativen Effekten der Automatisierung, wie Automation complacency, Automation bias und De-Skilling befassen müssen. Automation complacency bedeutet, dass erste erfolgreiche Arbeitsleistungen von Automaten darin münden, dass Anwender zu schnell damit zufrieden sind und Aufgaben ohne Nachkontrolle und Monitoring an Automaten delegieren. Automation bias bedeutet, dass Automaten von Menschen verzerrt wahrgenommen werden. Anwender entwickeln zu schnell blindes Vertrauen und hinterfragen bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr kritisch. De-Skilling bedeutet, dass Anwender die Tätigkeiten verlernnen, die automatisiert wurden und dann im Ernstfall nicht mehr erkennen können, dass etwas schief läuft bzw. nicht mehr schnell genug eingreifen können. (Siehe „Computers, Automation and the Human Future #chi2017“ #uxblog)

Data Science für UX

Ich glaube, dass die Analyse und Auswertung von Daten – neudeutsch Data Science – in den kommenden Monaten zunehmend Teil des Handwerkszeugs von UX-Designern werden sollte. Data Science ist die Wissenschaft, die sich mit der Extraktion von Wissen aus Daten beschäftigt. Data Scientists bedienen sich dazu Methoden aus Informatik, Mathematik, Statistik, maschinellem Lernen und Mustererkennung. Die Methoden und Fähigkeiten der Data Scientists sind unerlässlich für die Entwicklung von intelligenten Systemen. Ich glaube, dass die Entwickler der Zukunft zu großen Teilen Data Scientists sein werden. Es versteht sich daher von selbst, dass ich eine gute Zusammenarbeit zwischen UX Design und Data Science für die Gestaltung intelligenter Systeme für sehr erstrebenswert halte. Dazu gehört auch, dass UX-Designer sich grundlegende Kenntnisse in Data Science aneignen.

Darüberhinaus wird die Datenschutz-Grundverordnung ab Mai 2018 einige Veränderungen für den geschäftlichen Umgang mit persönlichen Daten mit sich bringen. (Siehe Datenschutz-Grundverordnung) Die Regeln des Datenschutzes werden sich dadurch nicht gravierend ändern, allerdings die Konsequenz mit der sie angewendet werden.

Ich halte diese Erneuerung allerdings nur für einen ersten Schritt zur Regulierung des Umgangs mit pers. Daten. Das Teilen von persönlichen Daten bildet die unbedingte Grundlage für nahezu alle digitalen Dienste. Viele Menschen sind auch bereit Informationen zu teilen, wenn sie dafür etwas bekommen, was sie haben wollen. Dabei ist allerdings den wenigsten bekannt, was mit den Daten im Detail passiert. Die Nutzungsbedingungen digitaler Dienste erklären nicht verständlich, was mit genau mit persönlichen Daten passiert und was dies für Konsequenzen für die Anwender haben kann. Dies liegt zum Teil daran, dass die Anbieter noch nicht im Detail wissen, was sie alles mit den Daten anfangen können und was dies für Konsequenzen im Detail haben könnte. Sie verwenden daher sehr weit gefasst Formulierungen. Teilweise ist es aber auch sehr komplex Formulierungen zu finden, die sowohl den rechtlichen Bestimmungen und geschäftlichen Interessen als auch der Aufnahmefähigkeit der Anwender gerecht werden. Am Ende bleibt für die Anwender nur die Wahl zwischen „Zustimmen, ohne genau zu wissen, was es bedeutet.“ oder „Ablehnen und auf den Dienst verzichten“. Eine Verhandlung zwischen den Interessen digitaler Dienste und deren Anwender um die Währung „persönliche Daten“ ist heute nahezu unmöglich.

Es wird eine große Herausforderung einen Weg zu finden, Produkte und Dienste so zu gestalten, dass die Anwender wieder Kontrolle über ihre persönlichen Daten erlangen und einfach steuern können, wem sie welche Informationen für was geben. Ich erwarte daher, dass es zunehmend Aufgabe des UX Designs werden wird, sich damit zu beschäftigen, wie die Nutzung und den Fluss von persönlichen Daten in digitalen Ökosystemen für Anwender sichtbar, verständlich, steuerbar und ggf. verhandelbar gemacht werden kann.

Berufsbegleitende Weiterbildung und Studiengänge für angehende UX Professionals

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe berufsbegleitender Weiterbildungs-Programme mit Abschluss und Studiengänge für angehende User Experience und Usability Spezialisten in Deutschland. Ich habe Euch eine Liste der mir bekannten Anbieter zusammengestellt:

Berufsbegleitende Weiterbildungen

Studiengänge

Die Liste erhebt – wie immer – keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls ich einen Anbieter übersehen habe, bitte melden.

Kongress Mensch und Technik – Dortmund

Der Kongress Mensch & Technik lädt am 07. November 2017 im Rahmen der Digitalen Woche Dortmund ins Dortmunder U. Thematisch dreht sich der Kongress um intelligente Assistenzsysteme.

Geschäftsführer und Führungskräfte mittelständischer und großer Unternehmen sind
eingeladen, sich über die Möglichkeiten und die Grenzen des Machbaren an der Schnittstelle Mensch−Technik zu informieren. Bei der Veranstaltung können sie sich mit erfahrenen Experten und innovativen Startups austauschen. Das Programm ist erneut gefüllt mit wichtigen Impulsen und beispielhaften Entwicklungen namhafter Unternehmen. Mit dabei sind Microsoft, Amazon, SEW-Eurodrive und adesso sowie Startups und mittelständische Unternehmen aus NRW.

Weiter Details zum Programm findet ihr hier. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 250 beschränkt. Anmelden könnt ihr Euch unter kongress-mensch-technik.de

Status Quo und Potenziale von User Experience und Usability im Umfeld von betriebswirtschaftlicher Software und ERP #uux #erp #bitkom

Die BITKOM-Arbeitskreise Usability und User Experience sowie ERP haben sich heute in der DATEV in Nürnberg getroffen, um den Status Quo und die Potenziale von UX und Usability im Umfeld betriebswirtschaftlicher Software und ERP zu diskutieren. Ich habe für Euch wieder die wichtigsten Impulse aus den einzelnen Beiträgen zusammengefaßt:

ERP UX im Wandel der digitalen Transformation

Dirk Bingler (GUS Software) ging in diesem Beitrag auf die Veränderungen ein, die sich für ERP-Software durch die digitale Transformation ergeben. Die digitale Transformation bietet neben der Möglichkeit Bestehendes effizienter zu machen, auch das große Potential neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Dies liegt vor allem darin, dass zukünftige alle Maschinen, Werkzeuge und Werkstücke und auch (fast) alle Produkte digital miteinander verbunden sind. Die dadurch entstehende Datenmenge ist eine gute Basis für ERP Systeme, um auf dieser Basis Empfehlungen zu geben oder eigenständig zu entscheiden. Außerdem wird der Zugang zu und die Interaktionen mit ERP-Systemen in Zukunft unabhängiger von einem einzelnen Gerät oder einer einzelnen Interaktionsform. Der transaktionsorientierte Ansatz von ERP-Systemen wird durch kollaborative Ansätze abgelöst. In diesem Arbeiten Menschen mit Menschen, Menschen mit Maschinen und Maschinen mit Maschinen zusammen, um Aufgaben zu bearbeiten.

Bei der Gestaltung ihrer Systeme stehen ERP-Hersteller vor der Herausforderung die gewachsene Komplexität der grafischen User Interfaces neu zu denken. Die weiter zunehmende Komplexität der Systeme muss sich zukünftig hinter einer einfachen Interaktion zwischen Mensch und Maschine verstecken. Die Interaktion erstreckt sich dabei über eine Vielzahl von User Interfaces und Touchpoints erstrecken.

Dr. Karsten Sontow (Trovarit) berichtete über die Ergebnisse der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2016/2017“ (n=3.468). Diese zeigt, dass viele Anbieter von komplexer Software mit langen Innovationszyklen kämpfen. In der Regel dauert der Generationswechsel bei ERP-Systemen 16 Jahre. Die Erwartungshaltungen der Anwender von ERP-Systemen hinsichtlich User Experience entwickelt sich aktuell schneller, als die Hersteller ihre Systeme modernisieren können. Die Studie bestätigte, dass Ergonomie und Praktikabilität mittlerweile zu den TOP 5 Entscheidungskriterien für ERP-Systeme gehören. Interessant dabei: Je größer eine ERP-Installation (je mehr Anwender) umso schlechter wird die Ergonomie bewertet.

Daher zählen Usability & Mobility für ERP-Hersteller zu den bedeutendsten Handlungsfeldern, um in der digitalen Transformation bestehen zu können.

DATEV Design DNA – Entwicklung einer produktübergreifenden Designsprache

Birgit Stenzel (DATEV) sprach darüber, wie die DATEV den Herausforderungen der digitalen Transformationen in Sachen Produktgestaltung begegnet. Der wesentliche Aspekt bei der Designstrategie der DATEV ist die übergreifende Sichtweise über alle Kontaktpunkte. Das Erlebnis des Kunden muss an allen Touchpoints – von der Marke über das Produkt bis hin zu Service und Vertrieb – konsistent sein, damit eine solide Kundenbindung erhalten bleibt bzw. entstehen kann.

Die großen Herausforderungen bei der Produktgestaltung sind die vielen technische Plattformen, Technologien und Geräte für die eine Designsprache konsistent funktionieren muss. Außerdem brauchen Hersteller von Business-Software auf der einen Seite eine möglichst hohe Konsistenz innerhalb ihrer Produkte, damit der Lernaufwand auf Seiten der Anwender gering bleibt. Gleichzeitig erfordert die digitale Transformation aber auch Freiraum für Innovationen. Damit dieses Spannungsfeld

gut aufgelöst werden kann, ist es erforderlich, dass die Gestaltungskompetenz der Organisation so hoch ist, dass die Entwicklungsteams mit diesem Freiraum nutzenstiftend umgehen können. Daher strebt DATEV an, dass in jedem Entwicklungsteam neben den klassischen Entwickler-Rollen auch min. einen UX Designer arbeitet.

Die DATEV Designsprache basiert auf Designprinzipien. Diese Designprinzipien wurden mit dem mittleren Management entwickelt, damit die Designsprache sich zum einen an den Unternehmenszielen ausrichtet und zum anderen von Anfang an eine Akzeptanz der Designprinzipien gegeben ist.

„Früher haben wir versucht alles einheitlich zu gestalten. Heute stellen wir Usability bzw. Einfachheit über Einheitlichkeit.“

Weiterhin hat die DATEV klassischen Styleguides den Rücken zugewandt. Die alten Styleguides werden durch ein modernes Designsystem ersetzt. Dieses Designsystem ist eine Mischung aus wenigen gestalterischen Regeln, die Designern und Entwicklern mehr Freiraum bieten, sowie echtem Programmcode, der eine effiziente Entwicklung ermöglicht.

Um die Etablierung von UX in der DATEV zu fördern, organisieren sich die UX Designer in einer Community of Practice. Es gibt zwar noch ein kleines zentrales UX Team. Dieses bildet aber im Wesentlichen die Klammer über die gesamte Community.

Instant Usability – wie neue Bedienkonzepte klassische Softwareschulungen ablösen

Hartmut Hahn (Userlane) hat sich in seinem Beitrag damit beschäftigt, wie Software-Hersteller die Usability-Bewertung ihrer Produkte durch eine neue Form von Schulung bzw. ein Navigationssystem für ihre Software anheben können. Einfach verständliche Lösungen sind im Business-Softwarebereich nicht immer so einfach zu realisieren. Sei es, dass sich Anwender so sehr an eingefahrene Legacy-Prozesse gewöhnt haben, dass sie keine Änderungen akzeptieren oder, dass dem Unternehmen schlicht die Ressourcen für gute User Experience fehlen.

„Am Ende ist Schulung immer eine Behelfslösung für Usability.“

Userlane hat sich auf die Fahne geschrieben, durch eine zusätzliche Benutzerführung bzw. -schulung direkt in der Software, den Anwendern bei der Bedienung zu helfen und komplexe Systeme nutzbarer zu machen. Software-Hersteller, die sich gute UX nicht leisten können oder wollen, können ihre Systeme durch einen Art externes Navigationssystem ergänzen, welches ihre Anwender durch ihr komplexes Angebot führt. Spannend werden solche Systeme aus meiner Sicht, wenn Anwender vom Navigationssystem nicht durch das komplexe System geführt werden, sondern wenn diese Navigationssystem nur noch die paar Fragen stellt, die das komplexe ERP-System im Hintergrund benötigt, um die Aufgabe für den Nutzer erledigen zu können. Also wen das „Navi“ den Anwender „beamt“ anstatt jeden Weg entlang zu führen.

Agile und trotzdem kreativ? Pragmatische UX in Prozessen verankern.

Dr. Ronald Hartwig (untrouble) beschrieb in seinem amüsanten Vortrag was er in agilen Entwicklungsprozessen erlebt hat, wenn es darum geht, eine gute User Experience zu erreichen.

User Experience ist das Große und Ganze … der gesamte Erfolg.

Er ging dabei insbesondere auf die Aspekte für die Integration von UX im Entwicklungsprozess ein, die meist nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von UX-Experten stehen, wie z.B. Stakeholderinteressen, interne Politik, Beharrungskräfte oder Gruppendynamiken. Zur Veranschaulichung nutzte er die Entwicklung eines digitalen Beratungswerkzeuges für Rehabilitation als Beispiel. Das bestehende System ist ein, in die Jahre gekommener Software-Monolith, der in einem agilen Prozess weiterentwickelt wird.

Er ging dann auf die Fallstricke der agilen Entwicklung aus UX-Sicht ein. Agile Entwicklung setzt auf eine wiederholte enge Einbindung von Anwendern. Dies birgt z.B. die Gefahr, dass verfälschte Erkenntnisse von Nutzern in die Entwicklung gelangen, wenn wiederholt die gleichen Anwender einbezogen werden. Mit der Zeit „Verschleißen“ Anwender und nähern sich zu sehr an das Entwicklungsteam an. Die Entwicklung einer Produktvision ist im agilen Prozess in der Regel nicht enthalten. Diese ist aber wichtig, damit alle wissen, in welche Richtung es gehen soll. Außerdem berücksichtigt der agile Entwicklungsprozess bestimmte Eigenheiten im menschlichen Zusammenarbeit nicht ausreichend, wie persönliche Interessen oder Zielkonflikte.

Fazit: Agile Entwicklung ist ein guter Schritt in Richtung UX, allerdings beinhaltet der agile Entwicklungsprozess einige Fallstricke. Agile Entwicklung ist daher kein Garant für gute UX. Um die Vorteile agiler Entwicklung nutzen zu können und gleichzeitig ein erstklassiges Nutzungserlebnis zu erreichen, muss das Zusammenspiel von UX und Entwicklung im Entwicklungsprozess explizit betrachtet und optimiert werden. Manchmal braucht es im agilen iterativen Prozess einen Mini-Wasserfall um am Ende ein gutes Erlebnis bieten zu können. Er empfiehlt dazu einen Blick in den Lean UX-Ansatz von SAP.

Unternehmen, die Customer Experience in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen, sind erfolgreicher als Unternehmen, die das nicht tun. (Watermark Consulting)

User Experience – Wie wecken wir Empathie für den Nutzer?

Aus dem Vortrag von Robert Innes (advantegy) nehme ich mir zwei schöne Zitate mit:

Usability ist ein Muss, User Experience schafft Erfolge.

Gute Usability spart Zeit und Mühe, aber die produktivsten Menschen haben Spaß an Ihrer Arbeit.

Nächste wichtige Termine in AK UUX, AK ERP und BITKOM

  • AK ERP: Nächstes Treffen am 23.11. in Köln „Workshop: Digitale Plattformen und ERP“
  • AK UUX: Nächstes Treffen findet im Jan/Feb statt, wird unter www.bitkom.org/Termine/ veröffentlicht
  • AK Software Engineering: Treffen am 10.10. in Frankfurt zu „Design Thinking hautnah“
  • BITKOM: 28.11. hub conference in Berlin

Mein Fazit zur #muc17 in Regensburg

Die Mensch und Computer 2017 geht nun wieder zu Ende. 736 Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft haben sich in diesem Jahr zum Erfahrungsaustausch zusammengefunden. Das Vortrags- und Workshopprogramm bot in diesem Jahr Licht und Schatten. Zu meinen absoluten Highlights gehörten neben der Keynote von Raúl Aguayo-Krauthausen die Vorträge von Martin Schrepp (SAP) zum UX KPI, von Herbert A. Meyer und Hias Wrba (artop) zu UX Thinking sowie von Olde Lorenzen-Schmidt (mind-centric experience) und Gundula Beier (Allianz Handwerker Services) zu Customer Journey Mapping für das digitale Schadenmanagement. Der Best Presentation Award der German UPA ging an Gerd Krämer von Siemens für seinen großartigen Praxisbericht über Co-Creation bei Medizingeräten „Co-Creation in internationalen Märkten – ein kollaborativer Ansatz.“ – Herzlichen Glückwunsch. 🙂

Besonders stolz war ich in diesem Jahr auf meinen Arbeitgeber DATEV eG, der die Mensch und Computer 2017 als Gold Sponsor unterstützt hat und vielen der DATEV-UX Designer die Teilnahme ermöglicht hat. Die Mensch und Computer lebt nämlich von den vielen interessanten und spannenden Gesprächen sowie Begegnungen in den Pausen und den offiziellen bzw. inoffiziellen Abendveranstaltungen.

Die Beiträge der Konferenz können wieder im Tagungsband in der Digital Library der GI nachgelesen werden. Die nächste Mensch und Computer findet vom 02.09.-05.09.2018 unter dem Motto „Interaktion verbindet alle“ in Dresden statt.

User Research erfolgreich im Projekt platzieren #muc17

Markus Weber (centigrade) gab in seinem Beitrag Tipps für die erfolgreiche Platzierung von User Research-Maßnahmen in Projekten. Nach seiner praktischen Erfahrung begegnen einem User Researcher immer noch Projekte, bei denen User Research-Aktivitäten mit Todschlag-Argumenten wie „Keine Zeit“, „Kein Geld“, „Kein Bedarf“ abgelehnt werden.

Überzeugungsarbeit ist Teil der Arbeit eines User Researcher.

Um diesen Todschlag-Argumenten erfolgreich begegnen zu können, sollten sich User Researcher neben ihren fachlichen Tätigkeiten auch der Überzeugungsarbeit widmen. Sie benötigen die praktischen Argumente um zu überzeugen. Sie benötigen eine Strategie und Taktiken für die Platzierung von User Research. User Researcher sollten reaktiv und proaktiv an die Platzierung von User Research-Aktivitäten herangehen.

Er griff dann 3 typische Todschlag-Argumente heraus und erläuterte seine Herangehensweise:

„Wir fangen auf der grünen Wiese an, da geht noch kein User Research.“

Dieses Argument ist bevorzugt in Innovationsprojekten zu finden. Hier sollten User Researcher Fehlkonzepte und Vorurteile zu User Research geraderücken. Meist haben die Projektmitglieder Vorurteile, wie z.B. dass User Research für Innovationen zu schwerfällig ist oder sich die Projektmitglieder nicht vorstellen können, wie das ablaufen kann. Hier bieten sich Projekt-Kickoff-Meetings an. In diesen sollten User Researcher proaktiv Zeit beanspruchen und diese für die Argumentation / Diskussion ihrer Disziplin nutzen.

„Wir wissen schon genau, was unsere Anwender wollen.“

Diesem Argument ist rein argumentativ nur schwer zu begegnen. Hier gilt es eine günstige Gelegenheit zu suchen. Diese kann zum Beispiel sein, wenn das Team dann doch kein gemeinsames Bild über die Anwender hat und dies in Diskussionen sichtbar wird. Durch das Aufdecken solcher Widersprüche und das Anbieten einer Lösungsmöglichkeit können User Researcher hier unter Umständen doch Research-Maßnahmen platzieren.

„Wir brauchen unsere Ressourcen viel dringender für die Entwicklung.“

Meist steckt hinter diesem Argument, dass den Stakeholdern Erfahrungen zum Wert von User Research fehlen. Hier kann es helfen, Fragestellungen zu Anwendern aus dem Projekt einfach proaktiv aufzugreifen und über schnelle sowie kostengünstige Guerilla Usability Methoden zu beantworten. Auf diese Weise können User Researcher zeigen, was sie zur Entwicklung an Wert beitragen können und dass User Research nicht viele Ressourcen in Anspruch nehmen muss.

Er empfiehlt, dass sich User Researcher als aktive Mitgestalter von Projekten verstehen sollten. Weiterhin sollten User Researcher ihre eigene Arbeit stets kritisch evaluieren und hinterfragen, um sich selbst und ständig zu verbessern.

„Ihr seid die Langzeit-Anwender eures User Research Vorgehens. Entwickelt es maßgeschneidert auf eure Anforderungen und Präferenzen.“