Kategorie-Archiv: Designorganisation

From Snake-Oil To Science: Measuring UX Maturity #chi2017

Jeff Sauro (MeasuringU) berichtete in seinem Beitrag über die Entwicklung eines Reifegrad-Modells für die Einführung von User Experience bzw. anwenderorientierter Produktentwicklung in Unternehmen. Aktuelle Reifegrad-Modelle werden seiner Erfahrung nach in amerikanischen Unternehmen häufig belächelt und nicht ernst genommen. Er führt das darauf zurück, dass vielen aktuellen Reifegradmodellen die wissenschaftliche Grundlage fehlt bzw. unklar ist, worauf die Reifegradmodelle genau basieren. Außerdem kann der Zusammenhang zwischen der Reife von UX in Unternehmen mit dem Produkterfolg nicht einfach hergestellt werden.


Auf Basis bestehender Reifegradmodelle von Nielsen, Schaffer und Earthy und Interviews mit UX Professionals von IBM, Autodesk, Capital One und United Healthcare entwickelte er einen eigenes Reifegradmodell. In diesem werden die Faktoren Individual Characteristics, Organization Characteristics, UX Staffing, UX Research Methods, Leadership and Culture, UX Integration, UX Training and Skills, Product Success Metrics, Organization Success Metrics, UX Budget/Resources, UX Challenges and Future Direction zur Einschätzung der Reife betrachtet. Dieses Modell validiert er mit einer Online-Umfrage unter amerikanischen Unternehmen (ca. n=100). 

Die ersten Ergebnisse der Umfrage sind:

  • In 3% der befragten amerikanischen Unternhemen ist UX noch gar nicht bekannt.
  • 6% der befragten Unternehmen haben UX instutionalisiert.
  • In reifen Unternehmen arbeiten die UX-Professionals abteilungsübergreifend.
  • Das Verhältnis zwischen den Disziplinen ist durchschnittlich 1 Researcher, 5 Designer, 100 Entwickler.
  • Reife Unternehmen haben zu 80% ein eigenes Budget und einen UX Director auf hoher Management-Ebene.
  • Die UX-Professionals sind in In-House UX-Teams mit Vollzeit-Mitarbeitern organisiert.
  • User Research und UX Design sind in alle Phasen der Produktentwicklung integriert.
  • Reife Unternehmen nutzen Metriken zur Mitarbeiterzufriedenheit, Anwenderzufriedenheit und zum Produkterfolg zur Erfolgskontrolle.

Leider konnte er noch keine Aussage über die Verbindung zwischen Reifegrad und dem Erfolg machen.

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measuringu.com/ux-maturity

Advancing UX Education: A Model für Integrated Studio Pedagogy #chi2017

Mihaela Vorvoreanu (Purdue University) berichtete über das brandneue Curriculum für UX Professionals an der Purdue University. Bisher wurden die unterschiedlichen Themenbereiche von UX an der Purdue University in getrennten Kursen vermittelt. Dadurch fiel es den Studenten oft schwer die Verbindungen dazwischen zu erkennen und in die Praxis zu übertragen.


Das neue Curriculum ist ein Projekt-/Studio-Studium in dem alle UX-relevanten Themen in Projekten gemeinsam vermittelt werden. Dadurch erkennen die Studenten die parallelen zwischen den Themen besser. Die Anschlussfähigkeit und Übertragbarkeit der vermittelnden Inhalte an/in die Praxis sichergestellt erhöht. 

Konkret besteht das Studium aus zwei Studioarten. In Learning Studios werden den Studenten in Projekten die Grundlagen vermittelt. Dabei sind Designkritik und die Reflektion der eigenen Fähigkeiten ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Abgerundet werden die Learnings Studios durch Praktika in der Praxis.  Die nächste Stufe sind dann die Experience Studios. In diesen bearbeiten die Studenten echte Probleme aus der echten Welt für echte Kunden. In diesen Studios geht es im Wesentlichen darum den Studenten die Verwendung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten in der chaotischen realen Welt und realen Rahmenbedingungen beizubringen. Die Ausbildung von Anfängern wird durch Mentoring-Programmen gefördert, in denen erfahrenere Studenten ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen vermitteln und Hilfestellung geben.

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The Future of HCI Education

How Design-inclusive UXR Influenced the Integration of Project Activities #chi2017

Janne van Kollenburg (Philips Design) sprach in ihrem Beitrag über die enge Zusammenarbeit der Disziplinen Produktdesign und User Research in Innovationsprojekten. Anscheinend arbeiteten die Diziplinen Produktdesign, User Research und Entwicklung bisher vor allem sequentiell miteinander. Beispielsweise beschrieben User Researcher das aktuelle Erlebnis der Nutzer mittels eines User Experience Flow Charts. Dieses nahmen dann die Designer als Grundlage um Ideen für das Produktdesign zu entwickeln. Die User Researcher nahmen dann diese Ideen und evaluierten sie. Die Evaluationsergebnisse gaben sie dann wieder an die Designer, die diese in das Produktdesign einarbeiteten.


In den aktuellen Projekten arbeiten User Researcher, Designer und Entwickler in den Phasen Identify (Identifizieren von Marktpotentialen), Envision (Entwicklung und Visualisierung von Ideen), Evaluate (Evaluierung von Ideen) und Enable (Zusammenführung von Erkenntnissen aus User Research und Designideen) deutlich enger zusammen. 

Im Form von crossfunktionalen Teams erarbeiten User Researcher und Designer gemeinsam Ideen auf Basis von erkannten Marktpotentialen. Die Erkennung von Marktpotentialen ist bei Philips Design u.a. Aufgabe der User Researcher. Designer und User Researcher erstellen gemeinsam User Experience Flow Charts, um das aktuelle Erlebnis der Anwender zu verstehen und Bedarfe zu erkennen. Sie entwickeln dann gemeinsam unter Einbeziehung der Entwickler Ideen, wie die erkannten Bedarfe adressiert werden können und evaluieren diese gemeinsam unter Einbeziehung von Fachspezialisten und Anwendern. Sie bezeichnete diese Vorgehen als Design-inclusive User Experience Research.

Sie berichtet von einem erfolgreichen Projekt, welches vom erkannten Bedarf über das skizzierte Vorgehen zu einem marktreifen Produkt führte. Philips Design befindet sich nach ihrer Aussage in einem Transformationsprozess in Richtung crossfunktionale Teams. In diesem Transformationsprozess zeigt das neue Vorgehen auch noch Nachteile. Sie berichtet von dem Problem, dass durch die Arbeit der Experten aus UR und Design direkt in den Teams die Kommunikation der unter den Experten leidet. Sie erwartet dass zukünftige UX Designer bei Philips Design mehr über User Research-Fähigkeiten verfügen werden als heute.