Kategorie-Archiv: User Centered Innovation

Mozilla veröffentlicht Open Innovation Toolkit

Innovationen in einer offenen Community zu fördern und zu treiben, ist keine einfache Sache. Mozilla versucht es in seiner Community mit einem Open Innovation Toolkit. Dieses beinhaltet eine Vielzahl an Methoden und Best Practices für Human-Centered Design sowie die Suche nach Innovationen.

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Das Mozilla Open Innovation Toolkit beschreibt in einer knappen und sehr übersichtlichen Form Methoden für die Sammlung von Erkenntnissen, Ideenfindung und Evaluation. Die Methodenbeschreibungen bieten neben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung auch Links zu weiterführenden Informationen. Alles in allem ist das Mozilla Open Innovation Toolkit ein interessantes Nachschlagewerk für die Produktentwicklung.

“A collection of workshops and methods that support open source practitioners to build better ideas and products”

Siehe auch

Mozilla Open Innovation Toolkit

chi2016: Keynote – Conversation on Introduce Programming and Technology to a New Generation of Coders

Kimberly Bryant (Black Girls Code) und Sarah Guthals (ThoughtSTEM) eröffneten den zweiten Tag der CHI 2016 mit einer Diskussion über die Technologieausbildung von Kindern … insbesondere von Mädchen. Beide haben beobachtet, dass Mädchen bei der Technologieausbildung oft vergessen werden, interessanterweise am häufigsten von ihren Eltern. Es fehlt nach Ansicht von Kimberly Bryant und Sarah Guthals an dem gesellschaftlichen Verständnis und der Erwartungshaltung, dass Mädchen auch Interesse an Technologie haben. Deshalb haben beide Organisationen gegründet, die sich mit der Technologieausbildung von Kindern beschäftigen.

Mir sprechen die beiden ein Stück weit aus der Seele. Ich glaube, dass die technologische Ausbildung unserer Kinder ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Zukunft unserer Gesellschaft ist. Ich sehe das aber nicht so stark geschlechterspezifisch, wie die Beiden. Mir begegnen immer wieder Eltern, welche Technologie bei ihren Kindern ablehnen … unabhängig vom Geschlecht der Kinder. Der Umgang mit neuen Medien und Technologien wird als schädlich oder gefährlich angesehen. Für manche Eltern ist es wertvoller, dass ihre Kinder ein Buch lesen, als dass diese mit einem Tablet kreativ Technologie erforschen und erlernen. Ich glaube, dass diese traditionelle Sichtweise vielleicht berechtigt ist, wenn Kinder sich im Wesentlichen stupide Gaming-Videos auf YouTube ansehen oder anderen Aktivitäten nachgehen, die sie in die Passivität führen. Die kreative Beschäftigung mit Technologie, beispielsweise durch das Spiel Minecraft oder Lego Mindstorms, ist aus meiner Sicht etwas sehr Gutes und Nützliches … auch wenn Kinder dafür ein Tablet oder einen Computer in den Händen halten. Natürlich braucht es dafür das Engagement der Eltern, auch wenn diese mit den Technologien auf den ersten Blick vielleicht nichts anfangen können. Wir Eltern sind es, die den Unterschied machen. Wir müssen unseren Kindern den kreativen und konstruktiven Umgang mit Technologie beibringen, damit sie nicht in Passivität versinken.

Ich sehe es für mich als eine gemeinsame Entdeckungsreise meiner beiden Jungs, meiner Frau und mir gemeinsam Technologie zu erforschen, zu entdecken und zu erlernen. Denn nicht nur meine Kinder lernen. Manchmal entdecken wir Probleme, auf die ich auch keine Antwort weiß. Kinder haben eine ganz eigene Sicht und Vorgehensweise sich Technologie erarbeiten und Probleme anzugehen. Wir lösen dann die Probleme gemeinsam und lernen alle dazu. Meine Kinder von der Problemlösung und ich von der Herangehensweise meiner Kinder.

Da die gesamte Diskussion schwer wieder zu geben ist, habe ich Euch zwei Videos herausgesucht, die Euch die Initiativen der beiden Referenten vorstellen:

Black Girls Code

ThoughtSTEM

oder Ihr schaut Euch die komplette Diskussion hier an:

So wird das Jahr 2016 für UX-Professionals

Der erste Monat des Jahres 2016 ist fast rum und es ist an der Zeit die Glaskugel anzuwerfen und über die Trendthemen im Bereich UX in den kommenden Monaten zu spekulieren:

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Innovativ & Kreativ

Zwischen den prominenten Schlagzeilen der letzten Monate, waren immer wieder auch solche, die einen Schatten über Deutschlands wirtschaftlicher Zukunft prophezeiten – nicht etwa wegen unserer Solidarität zu anderen Völkern, sondern wegen der mangelnden Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen. Da war zu lesen: „Mangelnde Innovationsfähigkeit bedroht deutsche Unternehmen“, „Innovationsvergleich: Mittelständler geben zu wenig für Forschung aus“, „Innovationen im Mittelstand stocken“ oder „Deutschland muss innovativer werden.“. Gleichzeitig habe ich in den letzten Monaten Unternehmen erlebt, die damit begonnen haben, sich der Fähigkeiten und Methoden der Disziplin „User Experience“ zu bedienen, um genau an dieser bemängelten Innovationsfähigkeit zu arbeiten. Oft geht es dabei um mehr als nur ein bisschen mehr an Innovationsfreude oder Gewinn. Es geht auch darum, Teile des Geschäfts oder ganze Unternehmen neu zu erfinden. Mit Ideen, die aus Kundensicht gedacht, das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich machen sollen. Nachdem das Gedankengut von User Experience & Co. in vielen deutschen Unternehmen angekommen ist, wird es nun zukünftig weniger um die Optimierung oder den Ausbau klassischer UX-Methoden, wie z.B. Usability Testing oder Fokusgruppen, gehen. Ich erwarte, dass in den kommenden Monaten die Nachfrage nach kreativen Methoden zur Ideenfindung oder Ideenvisualisierung, welche die benötigte Innovationsfähigkeit von Unternehmen fördern, steigen wird.

Beschleunigend

Ich gehe davon aus, dass sich die Agilisierung der Produktentwicklung weiter fortsetzen wird. Die kontinuierlich steigende Komplexität von Produkten und ihren Ökosystemen lässt vielen Unternehmen einfach keine andere Wahl. Diese Entwicklung beschäftigt die UX-Community ja schon seit längerer Zeit und hat dazu geführt, dass UX-Methoden an die Anforderungen der agilen Softwareentwicklung angepasst wurden. Durch die Beschleunigung der Durchführung und Optimierung der Planung lassen sich aktuelle UX-Methoden immer besser in agile Softwareprojekte integrieren … leider noch nicht in jedem Fall nahtlos. Es wird daher auch in den kommenden Monaten um die Verkürzung der Durchlaufzeiten von UX-Methoden und um die bessere Integration in agile Entwicklungsteams gehen … insbesondere im Bereich der Evaluation. Das wird interne und externe UX-Dienstleister vor die Herausforderung stellen, weniger der pünktliche Zulieferer zu sein, sondern mehr das flexible Teammitglied zu werden. Außerdem werden die zeitraubenden Tätigkeiten, wie z.B. Rekrutierung oder die technische Bereitstellung von Testgegenständen, soweit wie irgendwie möglich automatisieren werden.

Anleitend

Das Gleiche gilt für den Bereich der Anforderungsanalyse. Anstelle dem Entwicklungsteam einen Bericht über die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Anwender zu liefern und gemeinsam aus diesen Erkenntnissen Anforderungen zu definieren, wird es mehr darum gehen agilen Entwicklungsteams diesen „Übersetzungsschritt“ vom Bericht zum Verständnis zu ersparen. Damit das Verständnis über die Anwender und ihre Anforderungen schneller entstehen kann, müssen die agilen Entwicklungsteams direkt selbst vor Ort zum Anwender. Sie müssen selbst beobachten, fühlen und hören was Anwender bewegt. Dafür sollten wir Methoden erfinden, die so robust sind, dass auch User Research-Laien nach geringer Anleitung rausgehen, von Anwendern lernen und die gewonnenen Erkenntnisse in großartige Produkte umsetzen können. Natürlich müssen die Methoden dabei so konstruiert sein, dass sie die Grundanforderungen der Markt- und Sozialforschung hinsichtlich Objektivität, Validität, Repräsentativität und Reliabilität erfüllen … aber eben nur die Grund-Anforderungen.

Sorgfältig & Erfolgreich

Bei allen Kreativmethoden, Beschleunigung, Agilisierung und Hilfe zur Selbsthilfe wird es UX-Professionals auch in den kommenden Monaten letztendlich darum gehen, mit Sorgfalt und Liebe zum Detail schöne Produkte zu gestalten, die im Markt erfolgreich sind.

Killing good ideas can harm your future

Manchmal muss man auch als glühender Verfechter von User Research Methoden davon abraten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Ideen für neue Produkte im Konzeptstadium mit klassischen User Research-Methoden evaluiert und getestet werrden sollen. Ideen für neue Produkte, sind fragile Gebilde. Sie gehen kaputt, wenn sie in einer „nicht begreifbaren“ Form auf ein Publikum treffen, was noch nicht bereit dafür ist. Nach meiner Erfahrung ist es nicht möglich Ideen in dieser Form direkt mit klassischen Verfahren zu bewerten.

Ich nehme in solchen Fällen gern den Umweg über die Evaluation der Probleme und Motive der zukünftigen Anwender. Ich frage also nicht danach, ob die Produktidee gut ist, sondern wie Menschen mit bestimmten Problemen umgehen und warum sie das so tun. Aus diesen Antworten kann man dann erkennen, ob es wert ist die Produktidee in einen anfassbaren, erlebbaren und begreifbaren Prototypen zu verwandeln, den man dann wieder mit User Research Methoden evaluieren kann.

Um dies anschaulich erklären zu können, greife ich gern auf dieses Video zurück:

Dieses Video ist zwar schon 7 Jahre alt, hat aber nichts an Aktualität verloren.

Auch sehenswert

killing good ideas – wheel

UXSS 2015: Decision insurance: Iterative prototyping to reduce business risk

Aus dem Vortrag von Paul Sherman (ShermanUX) nehme ich mir den Rapid contextual innovation process mit. Dieser besteht im Wesentlichen aus:

  • 3 Menschen aus den Bereichen Design, Management und Entwicklung
  • 3 Wochen Zeit für Feldbesuche, iteratives Prototyping inkl. Testing im Feld und die Erstellung eine Vorlage für eine Entscheidungsvorlage
  • 1 Entscheidungvorlage

 

Aber: er hob hervor, dass dieses Konzept nur funktionieren kann, wenn die Organisation offen für Innovationen ist. Er erzählte ein Fallbespiel von einem amerikanischen Hersteller einer Buchhaltungssoftware. Um diese Software weiterzuentwickeln, wurde er mit der Durchführung eines Innovationsprojektes beauftragt. So wurden also Feldbesuche durchgeführt, eine Innovationsmöglichkeiten gefunden, Personas erstellt, Abläufe definiert und ein Prototyp erstellt. Doch das Management des Unternehmens lehnte die Idee ab. Nicht etwa weil sie schlecht war, sondern weil das Management am Ergebnis der Bestandsprodukte und nicht an neue Produkten gemessen wurde. Der Erfolg der bestehender Produkte machte ca. 40% des Einkommens des Managements aus. Innovationen mussten durch die Erlöse aus bestehenden Produkten finanziert werden. Die persönlichen Ziele des Managements verhinderten also Innovation. Sein Fazit: Damit Innovation Einzug halten kann, müssen die organisatorischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Ansonsten nutzt auch die schönste Innovationsmethode nichts.

UX is decision insurance for Product VPs. – Paul Sherman

Schatzsucherwoche – Freiraum für Kreativität

Ich kann mich in meinem Arbeitsalltag nicht über Langeweile beklagen. Es ist immer viel zu tun im Tagesgeschäft. Was dabei leicht auf der Strecke bleibt, sind die zukunftsgerichteten Themen. Diese sind ja noch weit hin und werden deshalb schnell mit der Prio „Das machen wir, wenn wir mal Zeit haben“ versehen. Sie werden von Woche zu Woche verschoben und bleiben in letzter Konsequenz viel zu oft liegen.

In der Vergangenheit hat mir das immer sehr leid getan, denn man vergibt sich die Chance mal einen Schritt vor das Tagesgeschäft zu wagen und dadurch voranzukommen. Das war der Grund, warum wir vor zwei Jahren ein Format namens „Schatzsucherwoche“ erstmals ausprobiert und danach eingeführt haben.

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Das Format ist schnell erklärt:

  • Ein Thema, welches sich in einer Woche ganz oder teilweise lösen lässt.
  • Eine Woche Zeit (5 Arbeitstage – nicht mehr und nicht weniger sowie keine Option auf Verlängerung)
  • Räumlichkeiten außerhalb der alltäglichen Arbeitsumgebung (Das ist sehr wichtig, damit der Grad der Ablenkung gegen Null tendiert.)
  • 3-5 Mitarbeiter, die an der Idee arbeiten wollen
  • Ggf. Externe Coaches als Beschleuniger
  • … und ganz wichtig: Die Freiheit zu Scheitern. Wir reden nur über die Ergebnisse der Schatzsucherwoche, wenn dabei auch wirklich ein Schatz gehoben wurde.

Die Schatzsucherwoche findet 1-2x im Jahr statt. Jede/r Mitarbeiter/in hat die Möglichkeit Themen und Ideen einzubringen. Damit das Ganze nicht einschläft, gibt es einen zentralen Koordinator. Dieser sammelt Themen ein, koordiniert die Schatzsucherwochen und bringt die „Schätze“ danach in die Praxis. In der Regel wird eine Schatzsucherwoche ca. ein halbes Jahr im Voraus geplant, damit niemand in Terminkonflikte gerät.

Ich bin immer wieder von den Ergebnissen dieses sehr einfachen Formates erstaunt. Bisher förderte jede Schatzsucherwoche Schätze zutage – neue Vorgehensweisen, Konzepte und Prototypen. Aber nicht nur das. Neben eine gehörigen Portion Wissen hinterlässt eine Schatzsucherwoche bei fast jedem Teilnehmer auch Begeisterung und Motivation.

Fazit: Sehr empfehlenswert.