Schlagwort-Archiv: Mensch und Computer

Branchenreport UX/Usability 2016

Der Branchenreport UX/Usability 2016 wurde auf der Mensch und Computer 2016 veröffentlicht und steht nun als Paper in der Digital Library Mensch-Maschine-Interaktion der Gesellschaft für Informatik und als Kurzübersicht auf der Webseite der German UPA zur Verfügung. An der jährlichen Befragung der German UPA nahmen dieses Mal 372 UX/Usability-Experten aus Deutschland teil. 

Die für mich spannenden Fakten im Überblick:

87% der Befragten befinden sich in einem Angestelltenverhältnis und sind seit ca. 4 Jahre bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. Die meisten Befragten haben trotz einiger Herausforderungen Freude bei der Arbeit. Das durchschnittliche Jahresgehalt liegt bei 52.692 EUR mit steigender Tendenz. Außerdem schätzen die Befragten, dass ca. die Hälfte der gemachten Empfehlungen tatsächlich auch realisiert werden. Offene Stellen können in ca. 4 Monaten besetzt werden. Von der Mehrzahl der Teilnehmer wird eine stärkere Einbettung von Usability und User Experience in die Entwicklungsprozesse gewünscht (78%). Auch eine Stärkung der Lobby bzw. eine größere Anerkennung der Relevanz von Usability und User Experience werden als wünschenswerte Änderungen angeführt (59%).


Im Grunde kann man sagen, dass sich die Branche UX/Usability mitten in der Etablierung befindet. UX und Usability sind aus dem Alltag der meisten Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Sicherlich gibt es hier und da noch Unternehmen, denen die User Experience ihrer Produkte noch nicht so wichtig ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass diese in absehbarer Zeit nur noch vereinzelt zu finden sein werden.

Besonders gefreut hat mich, dass es mein Arbeitgeber DATEV bei der Frage „Welche Unternehmen im deutschsprachigen Raum fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an Usability/UX denken?“ auf Platz 11 geschafft hat. 🙂

muc16: Mein Fazit

Und das war sie wieder die Mensch und Computer 2016. Die #muc16 wartete in diesem Jahr mit 727 Teilnehmer, 15 Workshops, 59 wissenschaftlichen Beiträgen und 69 praxisorientierten Beiträgen auf. Die Teilnehmer kamen zu 50% aus der Industrie und zu 50% aus der Forschung.

Inhaltlich habe ich auch in diesem Jahr wieder viele Diskussion über die erfolgreiche Implementierung von UX in Unternehmen erlebt. Viele UX Designer scheinen immer noch vor der Herausforderung zu stehen, in ihren Unternehmen von unten nach oben für eine gute User Experience kämpfen zu müssen. Leider haben die Beiträge dazu gefehlt, wie man deratige Vorhaben strategisch und erfolgreich in Unternehmen von oben nach unten angehen kann. Ansonsten ging es viel um User Research-Methoden, Inhouse UX, Design Thinking, Lean und konkrete Fallbeispiele. Gut gefallen haben mir die Postermaniac (Alle Poster der Konferenz im 120sec-Takt) und die beiden Young Professionals Tracks. Inhaltlich konzentrierten sich die Beiträge eher auf Grundkenntnisse und Anwendungsbeispiele. Echte Grundlagenforschung oder innovative Ansätze waren nur sehr wenig zu sehen. Mein Highlight der Konferenz waren die zahlreichen und wertvollen Gespräche bzw. Diskussionen sowie die neuen Kontakte. Es ist eben das große Stelldichein der deutschsprachigen UX-Szene.

Gefühlt waren leider spürbar weniger Teilnehmer als im letzten Jahr auf der Konferenz. Dieser Eindruck kann aber auch daran liegen, dass man nie alle Teilnehmer auf einmal sehen konnte. Einige Workshops waren leider parallel zu den Keynotes angesetzt.

Die nächste Mensch und Computer 2017 findet unter dem Motto „Spielend einfach interagieren“ vom 10.09.-13.09.2017 in Regensburg statt.

muc16: UX – schnell und effektiv mittels 5-Sekunden-Test

Kevin Taron (Hochschule Emden/Leer), Thies Pfeiffer (Mediablix) und Jörg Thomaschweski (Hochschule Emden/Leer) stellten in ihrem Beitrag eine Methode zur Messung bzw. Bewertung des ersten Eindrucks vor – den 5-Sekunden-Test. Der 5-Sekunden-Test ist ein Eindrucks- und Wahrnehmungstest bei dem nur der erste Eindruck gemessen wird, den ein Produkt hinterlässt. Hintergedanke des Tests ist, dass der erste Eindruck eine sehr wichtige Rolle für die Bewertung eines Produktes spielt und es dafür keine zweite Chance gibt. 

Der 5-Sekunden-Test ist sehr schnell und effizient durchführbar. Er ist relativ unabhängig von Testumgebungen einsetzbar. Die Testgegenstände können sowohl digitale als auch analoge Produkte sein. Im Wesentlichen funktioniert der Test so, dass den Testpersonen ein kurzes Szenario bzw. eine Aufgabe gestellt wird. Danach bekommen sie für 5 Sekunden das Produkt zu sehen. Zur Bewertung werden ein bis drei Frage zum ersten Eindruck gestellt. Im Detail gibt es folgende Varianten:

muc16: Eye-Tracking in Usability-Tests

Jana Rockstroh (usability.de) berichtete über die Erfahrungen von Eye-Tracking in Usability-Tests von usability.de. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden mit steigender Tendenz Eye-Tracking beauftragen, weil es schlicht mehr her macht oder scheinbar bessere bzw. objektivere Ergebnisse liefert. Eye-Tracking hat aber gerade in qualitativen Studien Einschränkungen. Sie hob hervor, dass Eye-Tracking Aufmerksamkeit, aber keine bewusste Wahrnehmung misst. Eye-Tracking ist nach ihrer Erfahrung auch nicht für alle UseCases sinnvoll einsetzbar. Aus ihrer Sicht hat Eye-Tracking in Usability-Tests folgende Mehrwerte:

  • Es hilft dem Moderator bzw. den Protokollanten in Usability-Tests bei der Beobachtung.
  • Gazeplots unterstützen die Auswertung von qualitativen Usability-Tests.
  • Die detaillierte Auswertung der Eye-Tracking-Daten aus Usability-Tests ist unter Berücksichtigung des Aufwands nicht sinnvoll und auch nicht notwendig. Die Erkenntnisse lassen sich aus der qualitativen Auswertung der Interviews kostengünstiger gewinnen.
  • Eye-Tracking ist eine zusätzliche Quelle um Erkenntisse zu visualisieren.
  • Eye-Tracking-Ergebnisse können als „Überzeugungsinstrument“ für Stakeholder eingesetzt werden.

muc16: German UPA Mitgliederversammlung 2016

Natürlich konnte ich mir die dreistündige jährliche Mitgliederversammlung der German UPA nicht entgehen lassen. Ein wahres Kleinod der deutschen Vereinsmeierei 🙂

Die für mich wesentlichen Neuigkeiten im Überblick:

  • Als neue Arbeitskreise wurden die Themen „Freiberufler und Selbstständige“, „Interkulturalität“, „Automotive Systems“, „Wissenschaftliche Software“ und „Innovation“. Interessenten für diese Arbeitskreise können sich direkt bei Astrid Beck melden. Die Arbeitskreise werden dann im kommenden Jahr zur Entscheidung gestellt.
  • Aus der Mitgliederbefragung: Die meisten Mitglieder wünschen sich, dass der Berufsverband mehr für die Akzeptanz von UX und Usability in der Öffentlichkeit sowie für die Aus- und Weiterbildung macht.
  • Die nächste UPA Summer School findet vom 20.08. bis 22.08.2017 statt. Die nächste UPA Winter School findet am 05.02. bis 07.02.2017 statt und richtet sich an junge UX-Professionals. Bewerbung (Motivationsschreiben und Lebenslauf) für die Summer School bis 21.07.2017 und für die Winter School bis 16.12.2016 an summerschool@germanupa.de .
  • Die Fachschrift zu Barrierfreiheit ist nun auch in englisch verfügbar.
  • Der Usability Achievement Award wurde in diesem Jahr an Kostanija Petrovic verliehen. Herzlichen Glückwunsch 🙂
  • Aktuell hat die German UPA 1.404 Mitglieder. 

muc16: Der mobile Nutzungskontext – Einflussfaktoren verstehen und für kontextsensitive Anwendungen nutzbar machen

Lasse Gottwald (eMedienservice Nord) stellte in seinem Beitrag die Ergebnisse einer Analyse zu den kontextuellen Einflussfaktoren in mobilen Nutzungskontexten vor. Um dieses vielfältige Feld der Einflussfaktoren besser berücksichtigen oder sogar für eine positive UX nutzen zu können, wurde ein entsprechendes Modell entwickelt:

Auf der praktischen Ebene wurde das Modell mit Hilfe von 8 Experteninterviews und 26 Szenarien ergänzt. Für die praktische Übersetzung wurde aus dem Modell ein Fragebogen entwickelt, mit dem die Frage „Wie lässt sich ermitteln ob für eine App die gezielte Nutzung von kontextsensitiven Funktionalitäten gewinnbringend ist?“ beantwortet werden kann. Entwicklungsteams können den Fragebogen verwenden, um diese Frage mit ihren Anwendern zu beantworten und zu entscheiden, ob und wie viel Aufwand sie in kontextsensitiven Funktionen investieren sollten. Der Fragebogen ist zwar noch nicht evaluiert, steht aber schon in einer ersten Version bei Researchgate frei zur Verfügung.

muc16: Gebrauchsanweisungen für Medizingeräte

Immer wieder kommt es nach der Erfahrung von Lwam Leber (UID) dazu, dass die Gebrauchsanweisungen von Medizingeräte nicht den Anforderungen und Informationsbedürfnissen der Benutzer gerecht werden. Das kann dann beispielsweise zu Fehlbedienungen bzw. Anwenderfehlern und damit zu negativen Konsequenzen für Patient oder Gerät führen. Die Gebrauchsanweisung eines Medizinproduktes ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für die Patientensicherheit.

Gebrauchsanweisungen für Medizinprodukte sollten nicht nur eine Aneinanderreihung von Instruktionen oder eine Absicherung des Herstellers sein.

Sie stellte in ihrem Beitrag den Prozess vor, den sie anwendet, wenn es um die Gestaltung von Gebrauchsanweisungen geht. Sie orientiert sich dabei am klassischen anwenderorientierten Vorgehen. Besonders ist, dass nicht nur bei der Gestaltung der Medizinprodukte an sich sondern auch bei der Gestaltung der Gebrauchsanweisungen regulative Anforderungen, Normen und Gesetze zu berücksichtigen sind. 


Für die Gestaltung der Gebrauchsanweisungen empfiehlt sie u.a. Storyboards für die Erstellung von Handlungsanweisungen zu verwenden und die inhaltliche Qualität über einen Redaktionsleitfaden sicher zu stellen. Für die Evalution der Gebrauchsanweisung empfiehlt sie ein klassisches „Unboxing“ unter möglichst realen Bedinungen durchzuführen und so zu beobachten, ob die Gebrauchsanweisung inkl. der Begleitdokumente und dem Medizinprodukt die Bedürfnisse der Anwender erfüllt. Ihren Vortrag schloss sie mit der Erkenntnis:

Ästhetisches Design motiviert zum Lesen.