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Mixed Reality mit Microsoft HoloLens #uux #bitkom

Philipp Bauknecht (medialesson) führte in seinem Beitrag in die Welt der Hologramme am Beispiel von Microsoft HoloLens ein. Microsoft HoloLens ist die Daten-Brille von Microsoft, die es erlaubt interaktive 3D-Projektionen in der direkten Umgebung darzustellen. Sie lässt sich dabei sowohl für die Interaktion in Mixed oder Augmented Reality-Umgebungen als auch in Virtual Reality-Umgebungen verwenden. 

(Quelle: microsoft.com)

Da nun die Technik verfügbar ist, stellt sich für holographische Anwendungen nun die große Frage welche Anwendungsszenarien es außer den bisher Bekannten gibt. Als Einsatzszenarien für holographische Interfaces sieht er beispielsweise:

  • Kommunikation über Entfernung als so eine Art holographische Videotelefonie
  • Unterstützung bei der virtuellen Konstruktion von Produkten
  • Aus- und Weiterbildung beispielsweise von Ärzten, Servicemitarbeitern oder Kindern
  • Unterstützung bei Architektur, Innenarchitektur, Gebäudeplanung und Städteplanung
  • Erkundung von Orten, an die Menschen in Person nicht kommen können. (z.B. Mars)
  • Gaming

Die HoloLens bietet das Potential für natürlichere Interaktionsformen immer dann, wenn es um die Bereiche geht in denen Menschen mit Gegenständen oder dreidimensionalen Inhalten interagieren. Obwohl die HoloLens ein eigenständiges Computersystem ist, hat sie nicht den Anspruch ein Universalinteraktionsgerät zu sein, welches PC, iPad und Co. ablösen soll. Ich sehe es in seiner aktuellen Form als eine ergänzende Technologie für natürliche Interaktionen.

#build2016: Keynote über Stifte, sprechende Bots und Gespräche als Interaktionsform

Auf der alljährlichen //build-Konferenz hat Microsoft die Zielrichtung für seine Produkte für die nächsten 12 Monate vorgestellt. Insgesamt kam es mir so vor, als ob sich Microsoft dabei wieder mehr von Endanwender-Produkten abwendet und sich mehr auf seine Rolle als Plattform-Anbieter fokussiert.

„We want to make things, so that others can make things and make things happen. That is our broad platform approach.“

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Neben der Vorstellung von Zahlen und Fakten zu Windows 10, der Veränderungen in den Entwicklertools sowie von HoloLens zeigte Mircosoft aus meiner Sicht zwei wesentliche Schwerpunkte, welche die Interaktionsgestaltung von Windows-Anwendungen beeinflussen könnten.

Windows Ink

Zum einen rückt Microsoft mit Windows Ink den Stift als Eingabewerkzeug und Arbeitsmittel in den Vordergrund. Windows Ink ist eine tiefe betriebssystemseitige Integration des Stifts als Eingabemedium, welche mit dem Windows 10 Anniversary Update zur Verfügung gestellt wird. Durch diese tiefe Integration sollen die Nutzungsmöglichkeiten von Stiften auf Windows 10 verbessert werden.

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Schon heute zählen die Stifte von Microsoft-Tablets, meiner Meinung nach, zu den technisch besten Lösungen im Bereich Tablets. Allerdings sieht es softwareseitig aktuell ziemlich mau aus. Es gibt nur wenige Szenarien, z.B. Skizzen machen oder Notizen erstellen, die aktuell softwareseitig auf Windows-Geräten richtig gut unterstützt werden. Es fehlen aktuell schlicht die entsprechenden Apps und Funktionen in bestehenden Softwareprodukten. Diese wiederum finden sich bei iOS und das obwohl Apple bisher die Interaktion mittels Stiften eher Drittanbietern überlassen hat, denen es nicht gelang den technischen Perfektionsgrad von Microsoft zu erreichen.

Windows Ink ermöglicht es Entwicklern mit dem Windows 10 Anniversary Update nun mit wenig anwendungsseitigem Code die Interaktion mit Stiften in ihre Anwendungen einzubauen. Das könnte die Relevanz des Stiftes als Eingabeinstrument auch auf Windows deutlich erhöhen. Für Anwender bringt Windows Ink neben der Stift-Integration in diverse Anwendungen (Sticky Notes, Maps, Powerpoint) auch nette Kleinigkeiten wie ein digitales Lineal. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Microsoft seine Partnerschaft mit Wacom weiter ausbaut. Wacom ist einer der führenden Anbieter für Stifteingabe im professionellen Grafik- bzw. Designbereich.

Wacom, a leader in digital pen hardware, has signed an agreement with Microsoft to create and produce Windows Ink capable solutions for the ecosystem. This will help provide customers with the best end-2-end Windows Ink experience.

Sollte Windows Ink tatsächlich von der Entwicklercommunity aufgegriffen werden, könnte das die Interaktion mit Windows-Anwendungen deutlich „natürlicher“ werden lassen als bisher.

Cortana

Zum anderen war da Cortana. Bisher habe ich Cortana lediglich als Assistent zur Spracheingabe verstanden und mich immer ein wenig gewundert, warum Microsoft so einen Wind darum macht. Die //build-Keynote hat nun gezeigt, was eigentlich hinter Cortana steckt. Cortana wird ein digitaler Assistent, der kleinere Sekretariats-bzw. Assistenzaufgaben übernehmen soll. Gezeigt wurde u.a. ein Beispiel bei dem Cortana den Eingang eines Taxibelegs erkennt und diesen richtig ablegt.

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Funktionen dieser Art kommen dabei nicht nur von Cortana selbst, sondern auch über Bots von Drittanbietern integriert werden können. Daraus ergibt sich dann eine Kommunikation zwischen Mensch, digitalem Assistent (Cortana) und Bot. Die Interaktion mit den Bots soll dabei so natürlich sprachlich wie möglich funktionieren. Also deutlich weniger schicke Buttons und bunte Icons … dafür viel mehr Gespräche zwischen Mensch und Maschine bzw. Bot. Gezeigt wurde hierzu u.a. ein Beispiel wie ein Anwender über einen Hotel-Bot ein Zimmer bucht.

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Damit möglichst viele Entwickler in die Welt der Bots einsteigen bietet Microsoft die Cortana Intelligence Suite, Cognitive Services und das Microsoft Bot Framework an. Die Cortana Intelligence Suite ist eine Sammlung von Lösungen für Big Data und Analytics. Die Cognitive Services sind im wesentlichen eine Sammlung von Microservices, die als Grundlage für intelligente Dienstleistungen dienen können. Das Microsoft Bot Framework habe ich als Schaltzentrale für die Verknüpfung von Bots zu digitalen Assistenten und zu bestehenden Kommunikationswegen, wie z.B. SMS oder Skype verstanden. Außerdem ermöglicht es die Konfiguration und das Training von intelligenten Bots.

Diese Art der Interaktion mit Maschinen über Bots ist ja nicht neu. Mit Eliza zeigte Weizenbaum schon 1966 welches Potential in dieser Form der Interaktion stecken kann. Allerdings haben es Chatbots in ihrer Entwicklung bisher nicht wirklich weit gebracht. Es war einfach zu schwierig Bots zu entwickeln, die halbwegs intelligent auf Menschen reagieren können. Die meisten Bots basierten daher auf einfachen Regelwerken sowie Wörterbüchern und kommen damit schnell an ihre interaktiven Grenzen. Microsoft könnte mit den vorgestellten Angeboten nun Bewegung in die Bot-Entwicklung bringen und damit der natürlich sprachlichen Interaktion zwischen Mensch und Maschine zum Durchbruch verhelfen. Der Community-Ansatz der sich hinter dem Vorgehen erkennen lässt, stimmt mich hoffnungsvoll. Behindern wird diese Entwicklung aber, dass Microsoft ein eigener und relevanter Zugang in die mobile Welt fehlt. Cortana ist über Win10 auf Desktop-PCs sowie Windows Phones verfügbar. Auf iOS- und Android-Geräten wird Cortana zukünftig über Skype verfügbar sein. Das ist zwar erfreulich für Skype-Nutzer, ob es aber für den plattformübergreifenden Durchbruch reicht, muss sich zeigen. Nichtsdestotrotz scheinen Bots auf dem Vormarsch als Interaktionsform zu sein, wie die Entwicklungen bei IBMs Watson, Apples Siri und OK Google zeigen.

Sehr inspirierend fand ich den Abschluss der Keynote als der blinde Microsoft-Entwickler Saqib darüber berichtete, wie es ihm ein System, basierend auf einer Pivothead-Brille und Cognitive Services erlaubt, in gewisser Weise sehen zu können.

Siehe auch

#bldwin: Designing and Building Windows User Interfaces

Moneta Ho Kushner und Paul Gusmorino von Microsoft begannen ihren Vortrag über die Oberflächengestaltung von Windows Anwendungen mit der Aufforderung:

Know the standards, but do what it takes to build a great app.

Zu unterstreichen damit die Veränderungen, die bereits in der Keynote sichtbar waren. Microsoft lockert offensichtlich seinen strikten Umgang mit den Modern UI Designregeln und verlagert sein wachsames Auge mehr auf die Einhaltung der grundlegenden Designprinzipien.

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Sie versuchten dem weitverbreiteten Verständnis, dass das Modern UI bzw. der Metro-Style von Windows 8 nur aus Kacheln besteht, zu begegnen. Sie zeigten anhand von wenigen Beispielen, wie sich mit den Modern UI Designmerkmalen (Grid, Typographie, Bewegung und Farbe) schicke Oberflächen erzeugen lassen.

Darüberhinaus sind sie auf die Veränderungen UI Patterns eingegangen:

  • Es gibt ein neues Hub-Pattern, welches einen flexiblerem Umgang mit dem Layoutgrid ermöglichen soll.
  • Das neue Navigationbar-Pattern bietet etwas mehr Gestaltungsfreiraum.
  • Suche-Eingabefelder dürfen nun auch direkt auf Bedienoberflächen platziert werden. Die In-App-Suche muss nicht mehr zwingend über das Suchen-Charm erfolgen.
  • Ausserdem wurden einige bestehende Pattern hinsichtlich Flexibilität und Funktionalität angepasst.

#bldwin: Keynote Day 2 – Zahlen, Zahlen und … WPF lebt

Satya Nadella (President Server & Tools Business) eröffnete die Keynote am 2. Tag mit einer Zahlenschlacht, um die Größe und Marktmacht von Windows Azure zu verdeutlichen: Windows Azure hat aktuell 68 Mio Anwender in 3,2 Mio Organisationen. Es gibt aktuell XBOX 299 Mio Anwender (davon 48 Mio XBOX Live Anwender). SkyDrive verfügt über 250 Mio Accounts.

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Es wurden einige Verbesserungen für die Entwicklung von Webseiten auf Basis von Windows Azure, dem Management von Cloud-Servern sowie für die Entwicklung mit Visual Studio 2013 vorgestellt. Interessant fand ich, dass mit den Mobile Service von Windows Azure neben der Entwicklung von Windows Phone Apps mittlerweile auch die Entwicklung von iOS- und Android-Apps möglich ist. Damit bietet Microsoft eine Entwicklungsumgebung und Plattform für die Entwicklung von ökosystemübergreifenden Cloud-Apps und versucht auf diese Weise die Bemühungen von Google und Apple zu untergraben ihre Ökosysteme gegenüber Mitbewerber abzuschotten. Darüberhinaus erweitert Microsoft seine Plattform um eine ökosystemübergreifende Authentifizierung via Active Directory Services.

Auf der Seite der Betriebssysteme des eigenen Ökosystems setzt Microsoft den Umbau fort, alle Betriebssysteme mit einem gemeinsamen Betriebssystem-Kern auszustatten und damit eine hohe Wiederverwendung von Programmcode zwischen den Geräten zu ermöglichen. Beispielsweise verfügt die neue XBOX über einen zusätzlichen Windows 8-Kern. Der Umbau ist allerdings auch mit Windows 8 noch nicht abgeschlossen.

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So beeindruckend die Zahlen und Ankündigungen aus dieser Keynote aber auch sein mögen: die aktuellen Datenschutzverletzungen (PRISM und Co.) dürften die Vorbehalte gegenüber amerikanischen Cloudanbietern in Europa so gesteigert haben, dass es Microsoft in der nächsten Zeit nicht gerade leichter haben wird, in Europa mit Azure große Erfolge zu feiern.

Zum Abschluss der Keynote bestätigte Microsoft die Bedeutung von .NET (am Server und Client) und WPF (am Client). Beides ist nach wie vor wichtig und wird weiterentwickelt … auch wenn es nicht mehr die große strategische Bedeutung hat, wie in der Vergangenheit. Gute Nachrichten für Unternehmen, die auf WPF gesetzt haben – WPF lebt. 🙂

#bldwin: Keynote Day 1 – No groundbreaking innovations, but a lot of necessary improvements

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Circa 6.000 Teilnehmer lauschten im Moscone Center in San Francisco gespannt, als Steve Ballmer eine Menge an Innovationen ankündigte. Leider wurde schon nach wenigen Minuten klar, dass es weniger um grundlegende Innovationen, sondern mehr um notwendige Verbesserungen unter einem passenden Leitmotto gehen wird.

One experience, on every device for eveything important in live.

Neben der erwarteten Veröffentlichung der Windows 8.1 Preview (preview.windows.com) feierte Steve Ballmer die Fortschritte beim internen Umbau von Microsoft und der Entwicklungsprozesse für alle Microsoft-Anwendungen. Das neue Schlagwort heißt „Rapid Release“ – kleinere Veränderungen in kürzerer Zeit auf den Markt bringen. Bei der Präsentation der neuen Nokia Phones, Tablets und Notebooks, versprach er, dass die angekündigten Touch-Geräte dieses Mal bereits verfügbar sind bzw. bald verfügbar sein werden. Er spielte offen darauf an, dass die beim letzten Mal angekündigten Geräte dann doch nur vereinzelt ihren Weg rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ihren Weg in den Handel gefunden haben.

Die Keynote verdeutlichte anschaulich, dass Microsoft den eingeschlagenen Umbau seines Ökosystems hinsichtlich Hard- und Software weiter fortsetzt. Es wurde ein neuer Formfaktor (Small Tablets) vorgestellt, das Zusammenspiel von Windows 8.1 mit der neuen XBOX präsentiert, die Wichtigkeit von Touch betont, die Unterstützung neuer Geräte (3D Drucker) gezeigt und die aktuelle Designstrategie bestätigt.

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Es wurde aber auch sehr klar, dass sich Microsoft der zu langsam voranschreitenden Verbreitung von Windows 8 bewusst ist. Microsoft bemüht sich nun die weiterhin angestrebte Ablösung des Desktop langsamer anzugehen und der anhaltenden Kritik deeskalierend zu begegnen. Mehr als einmal wurde das verbesserte Zusammenspiel zwischen Desktop- und Modern UI bzw. Metro-Welt betont, beispielsweise die Möglichkeit direkt in den Desktop zu booten oder die visuelle Vermischung der beiden Welten. Um das vergleichsweise immer noch relativ überschaubare Angebot an Windows 8 Apps aufzuhübschen – aktuell gibt es ca. 100.000 Apps weltweit – wurden wieder die Millionen Desktop-Apps dazugezählt. Microsoft gibt sich hinsichtlich seiner aktuellen Strategie kämpferisch und hat offensichtlich erkannt, dass sie mit den alten Desktop-Apps noch eine Weile leben müssen.

„We love the desktop.“ Julie Larson-Green (Chefin der Windows Division)

Hinsichtlich der Gestaltung hat sich wenig verändert. Microsoft hält, wie gesagt, an seiner Designstrategie fest. Allerdings wurden die bisher sehr strikten Gestaltungsregeln offensichtlich etwas gelockert. So dürfen nun beispielsweise Sucheingabefelder auf die Oberfläche gebracht werden.

Hinsichtlich der Interaktionsmöglichkeiten wurden zwei nette Neuerungen gezeigt: Zum einen wird die Bildschirmtastatur – wie bei Android – Touchgesten unterstützen. Zum anderen ist es möglich über die eingebaute Kamera eines Windows 8.1 Gerätes Arm- bzw. Handbewegungen zu erkennen und damit beispielsweise die berührungsfreie Bedienung von Apps zu ermöglichen.

Großes Thema der Keynote war Bing. Mit Windows 8.1 wird nicht nur die Integration von Bing in das Betriebssystem intensiviert, um Google Marktanteile abzuknöpfen. Bing wird zur Entwicklungsplattform ausgebaut. Über diese können Entwickler zukünftig OCR Erkennung, Spracheingabe, 3D Maps und vieles mehr nutzen.

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Außerdem wurde mittels einer Alpha-Version von Powerpoint gezeigt, dass Microsoft dabei ist Office-Anwendungen für WinRT zu entwickeln. Sehr weit sind sie damit aber noch nicht. Es wurde lediglich ein PPT-Viewer gezeigt.

Beim Windows Store wurden ebenfalls Verbesserungen vorgestellt. Beispielsweise updaten sich Anwendungen mit Windows 8.1 nun automatisch und das visuelle Design wurde angepasst.

Eine wesentliche Verbesserung von Windows 8.1 ist aus meiner Sicht die automatische Anpassung an die DPI des Monitors. Damit wird es erstmals möglich die Bedienoberflächen von Anwendungen automatisch so anzupassen, dass z.B. die Schrift auch auf hochauflösenden Displays in einer lesbaren Größe angezeigt wird. Bisher war dies nur manuell möglich. Angeblich soll man dafür sogar keine Veränderungen an der Anwendung vornehmen müssen. Praktisch gehe ich aber mal davon aus, dass die Anwendung dafür in einer bestimmten Art und Weise gebaut sein müssen, damit es funktioniert.

Ein wenig verwirrt hat mich dann der letzte Satz von Steve Ballmer:

„The future of Windows is very very bright.“

Gibt es denn bei Microsoft so große Zweifel daran, dass Windows eine Zukunft hat? Nun ja. Vielleicht war es ja nur die übliche amerikanische Art gute Stimmung zu machen.

bldwin: Mein Fazit

Die BUILD ist vorbei und ich fliege mit vielen interessanten Eindrücken und Inspirationen zurück nach Deutschland. Die Wichtigsten will ich hier kurz zusammenfassen. Natürlich schaue ich dabei weniger aus Entwicklersicht sondern mehr aus gestalterischer bzw. geschäftlicher Sicht auf die seitens Microsoft getroffenen Aussagen und vorgestellten Themen.

Ausbau des Ökosystems im Vordergrund

Im Grunde gab es neben einigen kleineren Neuerungen, wie z.B. den schönen Microsoft Surface, keine großen Innovationen. Auf der einen Seite ist es ja beruhigend, dass es bei Microsoft keine großen Veränderungen gibt und sie sich in etwas ruhigeres Fahrwasser begeben. Es war die letzten Monate doch etwas turbulent. Auf der anderen Seite ist es auch etwas beunruhigend, dass keine Innovationen in Aussicht gestellt wurden. Microsoft scheint sich jetzt erst mal auf den Ausbau seines Ökosystems zu konzentrieren.
Vor allem das Sorgenkind Windows Phone soll nun mit mehr Marketing im Markt platziert werden und somit gemeinsam mit Windows 8 einen größeren Marktanteil erreichen. Wie sich das anfühlt, konnte ich bereits im Microsoft Store in Seattle erleben. Ein schicker Laden in direkter Nähe zum Marktbegleiter Apple. Sowohl der Apple Store als auch der Microsoft Store waren sehr gut besucht. Die Konzepte beider Stores ähneln sich sehr. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Stores ist aus meiner Sicht der, dass es im Microsoft Store mehr unterschiedliche Geräte gibt.

Microsoft setzt auf gute Gestaltung

Das Thema „Design“ war in den Vorträgen zwar nicht so omnipräsent wie im letzten Jahr. Allerdings zeugen die gezeigten Entwicklertools und auch die neuen Stores davon, dass das Thema Design nun bei Microsoft bis in den letzten Winkel vorgedrungen zu sein scheint. In diesem Jahr wurde das allgemeine „Awesome“ in den Vorträgen durch die Formulierung „The beauty of …“ ersetzt. Der seit den letzten Jahren erkennbare Wandel von Microsoft von einem technikorientierten Unternehmen hin zu einem erlebnisorientierten bzw. designgetriebenen setzt sich also weiter fort.
Im Detail fand ich es schon erstaunlich zu sehen, wie schön Werkzeuge für Entwickler aussehen und funktionieren können. Das hat natürlich durch die Vorbildfunktion der Entwicklerwerkzeuge auch einen Einfluss auf die visuelle und interaktive Gestaltung der Anwendungen, die mit diesen Werkzeugen entwickelt werden.
Hinsichtlich der Konferenzthemen hatte das Thema „Gestaltung“ einen relativ geringen Anteil. Nachdem sich die Vorgängerkonferenz MIX sowie die letztjährige BUILD sowohl an Designer als auch an Manager und Entwickler gerichtet hatte, war diese BUILD in erster Linie eine Entwicklerkonferenz mit relativ wenigen Vorträgen zu Design. Meiner Einschätzung nach wurde der Weiterbildungsbedarf seitens der Entwickler, die mit Microsoft Werkzeugen arbeiten, von den Konferenzorganisatoren etwas unterschätzt, was auch die guten Auslastung der Designvorträge zeigte. Aus der internen Sicht von Microsoft scheint das Thema Design gesetzt und gefestigt. Meiner Ansicht nach ist es das in der Microsoft Entwicklergemeinde aber noch lange nicht durchgängig.

Metro Style für Business-Anwendungen

Es gab einige Sessions bei denen in der Fragerunde die Skepsis der Entwickler hinsichtlich der Anwendbarkeit des Metro Style bei Business-Apps sehr deutlich zum Vorschein kam. Mir ist diese Skepsis seit der Veröffentlichung des Metro Styles schon öfter begegnet. So richtig nachvollziehen kann ich sie nicht, da aus meiner Sicht Metro Style auch für Business Apps der richtige Schritt ist. Daher fand ich es sehr gut, dass Microsoft anhand ihrer eigenen Softwareprodukte und von Apps anderer Unternehmen gezeigt hat, dass es sehr wohl möglich und sinnvoll ist, die Designsprache Metro für Business-Anwendungen zu verwenden. Darüberhinaus schien es im Gegensatz zum letzten Jahr das Ziel von Microsoft zu sein, die Entwickler von Business-Apps geradezu davon überzeugen zu wollen, ihre klassischen Desktop-Anwendungen durch schicke Metro Style oder Windows Store-Apps für bestimmte Anwendungsfälle erst zu ergänzen und schließlich zu ersetzen.

Aus Touch First werden vier Eingabetechnologien

Microsoft fokussierte hinsichtlich der Eingabetechnologien in diesem Jahr auf Gesten, Touch, Maus und Stift. Der Schwerpunkt für die aktuelle Entwicklung scheint dabei auf Touch- und Stifteingabe zu liegen. Dies zeigt sich auch in den zahlreichen Windows 8-Geräten mit Touch- und Stifteingabe. Die Eingabe über Sprache und Tastatur wurde im Übrigen nur am Rande thematisiert.

We believe the next really big thing is simultaneous touch and stylus. (Jeff Han)

Touch für klassischen Windows-Anwendungen wichtig

Für die Entwickler und Gestalter von klassischen mausorientierten Desktop-Anwendungen ergibt sich daraus auch die größte Herausforderung für die nächsten beiden Jahre. Die Anforderung, dass diese Anwendungen auch mittels Finger zumindest fehlerfrei bedient werden können, wird sich aus meiner Sicht sehr schnell verbreiten. Von daher möglichst bald mit diesem Thema beschäftigen.

Cross-Device Apps

Der große Trend der Cross-Device Apps hat auch natürlich auch Microsofts Ökosystem erfasst. Microsoft nutzt den Cross-Device-Ansatz um seine Anwendungen und Angebot möglichst nahtlos vom Smartphone über Tablet, PC und Server bis hin zur Spielekonsole XBOX zu spannen. Da wundert es auch nicht, das Windows 8 und Windows Phone 8 eine gemeinsame Code-Basis haben und es damit möglich ist Funktionen einmal zu entwickeln und dann auf beiden Betriebssystemen zu verwenden. Mein Eindruck ist allerdings, dass diese Entwicklung zwar mit Nachdruck verfolgt wird, aber sich noch in den Anfängen befindet. Man sollte also nicht zu viel Wiederverwendbarkeit zwischen den unterschiedlichen Geräten des Microsoft Ökosystems erwarten.

HTML5, CSS und Javascript

Microsoft setzt weiterhin auf die Oberflächenentwicklung mit HTML5, CSS und Javascript, um die Cross-Device- und Cross-Plattformfähigkeit von Anwendungen zu unterstützen. Dazu erweitert Microsoft seine Entwicklungswerkzeuge, z.B. um TypeScript, um die Komfortmängel bei JavaScript zu umgehen. Am Rande wurde in diesem Zusammenhang übrigens eine clientseitige Implementierung von Anwendungen empfohlen, um die zahlreichen Formfaktoren und Geräte besser adressieren zu können. (Interessant für alle die, die gerade vor der Entscheidung serverseitiger vs. clientseitiger Implementierung stehen. 😉

Built-in Analytics

Microsoft setzt bei den Windows Store Apps – wie bereits im letzten Jahr angekündigt – auf Analytics. Der Hintergedanke ist klar und der Gleiche wie bei Google: Je mehr Daten über die tatsächliche Nutzung einer App vorliegen, umso einfacher fällt es den Produktmanagern die richtigen Entscheidungen hinsichtlich einer erfolgsmaximierenden Gestaltung zu treffen.

Microsoft Surface RT

Microsoft hat mit Windows 8 auch das neue Surface-Tablet veröffentlicht. Das Konzept und die Verarbeitung des Gerätes sind großartig. Nach einer Woche Intensivnutzung möchte ich es nicht mehr missen. Der eingebaute Ständer und das Touch-Cover erfreut den tablet-affinen Nutzer. Ein tolles Gerät zum Surfen, Schreiben, Spielen, Unterhalten, Kommunizieren und Bloggen. Die Akkulaufzeit ist so gut, dass nach einem intensiven Bloggertag ca. 60% Akkukapazität übrigbleiben. Zu den Einschränkungen:
* Es ist ungefähr so schwer wie das iPad und könnte damit etwas leichter sein.
* Windows RT ist verwirrend. Es fühlt sich so an wie das richtige Windows 8 Pro. Allerdings gehen die meisten klassischen Desktop-Anwendungen nicht und es sind nicht alle Apps aus dem Windows Store verfügbar.
* Die Bilder der eingebauten Kameras reichen für Kommunikation und Notizen. Fotos in hoher Qualität liefern sie aber nicht.
* Es fehlt die Unterstützung für Stifteingabe. Hier nehme ich mal an, dass es eine ähnliche Lösung durch Dritte geben wird, wie beim iPad.
Wer Skizzen machen will oder klassische Win-Apps – z.B. Google Chrome- verwenden möchte, sollte auf die Pro-Version des Surface warten. Ansonsten ist das Microsoft Surface sehr empfehlenswert.

Viele neue Geräte in unterschiedlichen Formen und mit Touch

Die zahlreichen neuen Geräte, die mit Windows 8 veröffentlicht werden sollten, sind tatsächlich auf dem Markt. Besonders angetan haben es mir die Geräte, die – wie das Lenovo IdeaCenter A720 – den Desktop PC-Anwender von seiner starren Arbeitsposition befreien und die Tischfläche zum Teil des interaktiven Erlebnisses machen.

Mein Fazit zur Konferenz an sich

So inspirierend die Konferenz auch wieder war: Der Microsoft Campus ist nicht für Veranstaltungen in dieser Größe ausgelegt. Das Hauptmerkmal dieser Konferenz war „Schlange stehen“. Egal ob Registrierung, Shuttle, Essen oder Sessions – für fast alles musste man sich länger anstellen. Leider war das dann teilweise umsonst, da man aufgrund der Teilnehmeranzahl in beliebte Sessions einfach nicht mehr reinkam. Aber gut. Es war trotzdem nett, dass ich mir mal den Microsoft Campus anschauen konnte.

Große Kritikpunkte der Veranstaltung waren die Verpflegung und die Zeltwirtschaft. Hier hat sich nicht nur die amerikanische Küche von ihrer schlechtesten Seite gezeigt. Durch den Dauerregen und die Zeltwirtschaft kam ich mir zwischendrin vor wie beim Camping. Die Klamotten waren klamm und die Schuhe nass.

Nebenbei hat die Gerüchteküche übrigens verlauten lassen, dass die BUILD jetzt jedes Jahr stattfindet … dann hoffentlich nicht mehr in Redmond sondern in Las Vegas oder einem anderen Ort, der für derartige Menschenmassen ausgelegt ist.

Zum Schluss

Die Videos der einzelnen Sessions findet ihr übrigens auf Channel 9.

bldwin: Windows Phone 8 Enterprise Development

Cliff Storm und Shawn Henry haben die Möglichkeiten der Verteilung und Entwicklung von internen Enterprise-Apps in Windows Phone 8 vorgestellt. Microsofts Ziel bei der Erweiterung von Windows Phone 8 in diesem Bereich war:

Enable companies to deploy business applications to their employees privately and securely. Enable end users to feel in control while preserving a companies right to protect their data.

Mit dieser Entwicklung greift Microsoft den aktuellen „Bring your own device“-Trend auf und ermöglicht es Unternehmen interne Apps für die Smartphones ihrer Angestellten zur Verfügung zu stellen. Für mich ist das ein sehr guter Schritt, der Windows Phone Marktvorteile einbringen wird.