Schlagwort-Archiv: Mobile User Interface

Eye Tracking für mobile Anwendungen 

Dennis Herzberger hat mich dankenswerterweise auf eine interessante Studie zum Thema Eye Tracking für mobile Anwendungen aufmerksam gemacht. In der von der Web Arts AG durchgeführten Studie gingen Dennis Herzberger und seine Kollegin Sibel Cokimre der Frage nach, ob man mobile Webseiten mittels Eye Tracking auch auf Desktop PCs evaluieren kann.

Um diese Frage zu beantworten, verglichen sie die Blickverläufe auf einem Desktop-PC, auf dem ein mobiles Endgerät simuliert wurde, mit den Blickverläufen auf einem echten mobilen Endgerät. Sie ließen 20 Testpersonen die mobilen Versionen von 6 Online-Shops in beiden Varianten nutzen und beobachten ihr Blickverhalten mittels Tobii Eye Tracking-Systemen.

Ihr Fazit:

  • Einfache Szenarien sind durchaus am Desktop möglich
  • Der Vergleich von kurzzeitigen Blickverlaufs-Analysen hat keinen signifikanten Unterschied hervorgebracht
  • Geringe Unterschiede in der Wahrnehmung (Perception-Analyse)
  • Der Joy of Use unterscheidet sich deutlich auf den Endgeräten
  • Wie lange die Probanden für Aufgaben gebraucht haben, hat sich teils erheblich unterschieden.
  • Bei kurzen und konkreten Analysen ist eine Simulation am Desktop definitiv machbar, da es effizienter in der Planung, Durchführung und anschließenden Analyse ist. Möchte man allerdings die reale Nutzermotivation einfangen und Erkenntisse darüber gewinnen, so ist die native Umgebung unersetzbar.

Die komplette Studie könnt Ihr hier herunterladen:
Mobile Eye Tracking – Kann man mobile Webseiten auch am Desktop untersuchen?

#bldwin: Designing and Building Windows User Interfaces

Moneta Ho Kushner und Paul Gusmorino von Microsoft begannen ihren Vortrag über die Oberflächengestaltung von Windows Anwendungen mit der Aufforderung:

Know the standards, but do what it takes to build a great app.

Zu unterstreichen damit die Veränderungen, die bereits in der Keynote sichtbar waren. Microsoft lockert offensichtlich seinen strikten Umgang mit den Modern UI Designregeln und verlagert sein wachsames Auge mehr auf die Einhaltung der grundlegenden Designprinzipien.

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Sie versuchten dem weitverbreiteten Verständnis, dass das Modern UI bzw. der Metro-Style von Windows 8 nur aus Kacheln besteht, zu begegnen. Sie zeigten anhand von wenigen Beispielen, wie sich mit den Modern UI Designmerkmalen (Grid, Typographie, Bewegung und Farbe) schicke Oberflächen erzeugen lassen.

Darüberhinaus sind sie auf die Veränderungen UI Patterns eingegangen:

  • Es gibt ein neues Hub-Pattern, welches einen flexiblerem Umgang mit dem Layoutgrid ermöglichen soll.
  • Das neue Navigationbar-Pattern bietet etwas mehr Gestaltungsfreiraum.
  • Suche-Eingabefelder dürfen nun auch direkt auf Bedienoberflächen platziert werden. Die In-App-Suche muss nicht mehr zwingend über das Suchen-Charm erfolgen.
  • Ausserdem wurden einige bestehende Pattern hinsichtlich Flexibilität und Funktionalität angepasst.

#bldwin: Introduction in Designing Apps

Corrina Black (Senior Design Lead) hat in Ihrem Vortrag eine recht grundlegende Einführung in die Gestaltung von Apps für Windows Phone gegeben. Sie hob die bekannten Punkte für die Gestaltung von Produkten hervor:

  • Habe eine gute Idee
  • Kenne Deine Anwender
  • Lass Dich inspirieren (auch beim Mitbewerb) und visualisiere es
  • Überlege, welches Problem im Anwendungsszenario Du lösen möchtest
  • Gestalte iterativ und erstelle Wireframes

Außerdem erläuterte sie mal wieder die bekannten Designprinzipien des Modern UI bzw. Metro-Styles und grundlegende Gestaltungsmittel.

Mein Fazit

Wie die Keynote schon vermuten ließ, gibt es keine gestalterischen Veränderungen bei Windows Phone und immer noch die Notwendigkeit Entwickler im Microsoft-Ökosystem von einem designorientierten Prozess zu überzeugen.

bldwin: Windows Phone 8 Enterprise Development

Cliff Storm und Shawn Henry haben die Möglichkeiten der Verteilung und Entwicklung von internen Enterprise-Apps in Windows Phone 8 vorgestellt. Microsofts Ziel bei der Erweiterung von Windows Phone 8 in diesem Bereich war:

Enable companies to deploy business applications to their employees privately and securely. Enable end users to feel in control while preserving a companies right to protect their data.

Mit dieser Entwicklung greift Microsoft den aktuellen „Bring your own device“-Trend auf und ermöglicht es Unternehmen interne Apps für die Smartphones ihrer Angestellten zur Verfügung zu stellen. Für mich ist das ein sehr guter Schritt, der Windows Phone Marktvorteile einbringen wird.

MuC-UP12: Mobile Eye Tracking

Alexander Rösler (usability.de) ist in seinem Vortrag auf den Einsatz von Eye Tracking bei der Evaluation von mobilen Endgeräten eingegangen. Mittlerweile gibt es mehrere Testwerkzeuge für das mobile Eye Tracking (z.B. von Tobii), die einen wenig intrusive Einsatz ermöglichen. Aber auch wenn die Testwerkzeuge immer besser werden, sieht er folgende Einschränkungen bei mobilen Eye Tracking:
* Eine Fixation deckt einen großen Bereich des Displays ab. Damit sind immer mehrere Elemente im Blickpunkt. In der Auswertung ist dann schwierig zu ermitteln, was genau betrachtet wurde. Je kleiner das Display des mobilen Endgerätes umso weniger nützlich ist Eye Tracking.
* Heatmaps und Gazeplots sind bei mobilen Eye Trackern nicht möglich und bei Tests mit Labor-Eye Trackern für mobile Endgeräte sehr zeitaufwändig
* ca. 25% aller Testpersonen sind nicht trackbar

MuC-UP12: Mobile UX Engineering

Mischa Demarmels und Katja Neumann (Zühlke) haben auf Basis ihrer Projekterfahrungen im mobilen Umfeld und einer internen Befragung bei Zühlke Empfehlungen zur Entwicklung von mobilen Crossplattform-Lösung abgeleitet und vorgestellt. Im Wesentlichen sind sie der Frage nachgegangen, ob Crossplattform-Lösungen ein guter und erfolgversprechender Ansatz für mobile Geräte sind.
Sie haben zwar kein Kochrezept, aber einige Erkenntnisse für sich abgeleitet:
* Technologiewahl muss in jedem Projekt abhängig von Kontext, Geschäftsziele, Portierbarkeit, Wartbarkeit und Entwicklungskenntnisse neu getroffen werden,
* Einsparungen bei Entwicklungskosten sind durch Crossplattform-Lösungen nicht zu beobachten und es kommt zu Einschränkungen bei der User Experience – allerdings gibt es hierzu auch gegenteilige Meinungen.
* UX Experten haben eine zentrale Rolle in Crossplattform-Projekten und müssen eng mit Entwicklern und Produktmanagement zusammenarbeiten.

Mobile apps kill(ed) desktop software

Die Diskussion darüber, ob man nun besser native Apps, Web Apps, Smart Apps oder mobile Webseiten machen sollte, ist in vollem Gange. Viele schlaue Menschen haben dazu bereits ihr Statement abgegeben. Hier mal eine kleine Auswahl:
* Vic Gundotra (VP engineering, Google): „Even Google was not rich enough to support all of the different mobile platforms from Apple’s App Store to those of BlackBerry, Windows Mobile, Android, and the many variations of the Nokia Platform.“
* Andy Budd (CEO, Clearleft): „The idea that apps are the future is wrong.“.
* Jan Webering (CEO, Yoc): „Apps sind tot, und die App Stores von heute sind die Bookmark-Listen von morgen.“
Und während ich mich langsam damit anfreunde, dass wir auf mobilen Geräten zukünftig mit einem Ansatz arbeiten werden (HTML5), bei dem wir nicht für jedes neue Geräte eine neue Technologie lernen müssen, stirbt ganz nebenbei und leise die Idee der Desktop-Software. Denn Desktop-Software ist wie eine native App:
* Software, die auf Scheiben oder in Web-Installationen gepresst wird, damit ihre Anwender diese auf ihre Geräten fest installieren und damit arbeiten können.
* Software, die oft einen regelmäßigen Wartungsaufwand erzeugt, der mit dem eines handelsüblichen Mittelklassewagens vergleichbar ist.
* Software, die nur ortsgebunden mit dem jeweiligen Gerät genutzt werden kann.
* Software, die uns durch Upgrades in Verbindung mit ungünstigen Ab- bzw. Aufwärtskompatibilitäten in den Wahnsinn treiben kann.
* Software, die auf oft auf teure proprietäre Technologie aufsetzt.
* Software, die oft unsere Daten, unsere Arbeitsabläufe und einen Teil unseres Lebens an die Blechkiste kettet, die unter unserem Schreibtisch steht oder die in unserer Hosentasche steckt.
Ich bin davon überzeugt, dass Microsoft und Google ihre Wette auf HTML5 gewinnen werden. Das Web mit seiner Technologie ist momentan der einzige Ausweg aus dem Chaos von digitalen Geräten und deren Plattformen. Es ist aus meiner Sicht der einzige Weg um auch zukünftig ein Stück vom digitalen Kuchen abzubekommen.
Desktop-Software beginnt in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ähnlich wie es vor wenigen Jahren mit analogen Kameras passierte.
Was bedeutet das für mich als UX Designer? Bis Gestern habe ich User Interfaces für statische und kontrollierbare Systemumgebungen (im wesentlichen Geräte mit Maus und Tastatur) gestaltet. Ab Morgen werde ich User Interfaces konzipieren, die die vielen unterschiedlichen Zugängen zum Web (Mobile, Web, Desktop, Tangible, …) berücksichtigen werden. Ich werde viel mehr zu tun und mehr Abwechslung haben … und UX Design wird durch diesen Wandel eine weitere strategische Aufwertung erfahren. Schöne Zeiten in Sicht. 🙂