Schlagwort-Archiv: Usability Professionals

MuC-UP13: Erfolgreiche Usability & UX in Unternehmen

Mein Highlights des ersten Tages war der Workshop „Erfolgreiche Usability & UX in Unternehmen“ von artop. Auch hier ging es um das Thema „Herausforderungen bei der Einführung von UX in Unternehmen“. Aber das in einem knackigen Format mit einem modernen Verständnis des Berufsstandes ohne dieses unsägliche Selbstmitleid. Nach einer kurzen Einführung in die Herausforderungen, wurde in kleinen Gruppen über Lösungen diskutiert. Dabei wurde die Diskussionstechnik „Fishbowl“ eingesetzt, die sich sehr gut auch für große Teilnehmerzahlen eignet.

Aus den Erkenntnissen des Workshop habe ich für mich einen kleinen Leitfaden für die Einführung von User Experience in Unternehmen mitgenommen:

  1. Denke bei der Argumentation zuerst an den Unternehmenserfolg und dann daran die Anwender des Unternehmens glücklich zu machen. UX lässt sich immer leichter einführen, wenn das Unternehmen einen direkten Mehrwert dadurch hat (Erfolg bzw. Gewinn steigern, Aufwand reduzieren, …)
  2. Finde einen starken Auslöser für den Wandel hin zu besserer User Experience. Das kann sinkender Umsatz, starker Mitbewerb, hohe Korrekturkosten oder auch einfach nur das Ego eines Entscheider sein.
  3. Suche einen mächtigen UCD-Champion, der Budget, Ressourcen und Zeit zur Verfügung stellen kann.
  4. Suche Dir Unterstützer aus anderen Bereichen (z.B. Vertrieb, Service, Marketing, …) Deines Unternehmens, die dann auf die Produktentwicklung bzw. -management einwirken.
  5. Inspiriere und schaffe Begehren über Leuchttürme, die zeigen, wie gut und schön die Produkte Deines Unternehmens sein könnten, wenn UX eine höherer Rolle spielen würde. Dazu brauchst Du eigentlich kein Budget, sondern nur Deine eigene Arbeitskraft.
  6. Belehre Projektteams nicht über gutes Design, sondern wertschätze ihre Arbeit und befähige sie besser zu gestalten. (Besonders für Dienstleister wichtig)
  7. Mache die Entwickler und Produktmanager zu Beteiligten. Beispielsweise, in dem Du sie zu Usability Tests mitnimmst oder die Verbesserungsempfehlungen mit ihnen gemeinsam erarbeitest.
  8. Schaffe eine geeignete Infrastruktur für UX-Aktivitäten. Suche Dienstleister, die Dich bei der Rekrutierung von Anwendern unterstützen. Schaffe die Voraussetzungen dafür, dass UX-Maßnahmen durchgeführt werden können.
  9. Miss die gestalterische Qualität der Produkte Deines Unternehmens sowie Deiner Entwürfe und vergleiche die Ergebnisse mit den Mitbewerbern. Kommuniziere diese Erkenntnisse dann im Unternehmen in der Sprache des Managements.
  10. Verknüpfe Deine Erkenntnisse aus UX-Maßnahmen mit Designregeln z.B. im Styleguide. Begründe Deine Designs damit und zeige so, dass Design nicht beliebig ist.
  11. Mache die Erkenntnisse aus UX-Aktivitäten im Unternehmen einfach und frei zugänglich. Sprich bei jeder Gelegenheit darüber.
  12. Habe viiiiiieeeeel Geduld.

Danke für diesen tollen Workshop. 🙂

MuC-UP13: Auftakt

Die Mensch und Computer / Usability Professionals / DeLFI 2013 (MuC-UP13) beginnt für mich bei nordischem Schmuddelwetter in Bremen mit einem Workshop zum Thema „Usability für die betriebliche Praxis“.

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Der erste Workshop beschäftigte sich mit dem Dauerthema „Was sind die Hindernisse bei der Integration von Usability-Maßnahmen in den Entwicklungsprozess von Unternehmen“ beschäftigt. Es wurde u.a. eine Studie (n=25, 7-350 Mitarbeiter, vorrangig Internetdienstleister, teilweise sehr erfolgreich) vorgestellt, in der die gängigen Hindernisse für den Einsatz von Usability-Maßnahmen in kleinen und mittelständischen Unternehmen herausgearbeitet wurden (Keine Zeit, Kein Geld, Kein Mehrwert, …). Der Mehrwert von UX und Usability scheint sich nach dieser Stuide also auch nach den vielen Jahren der Evangelisierung noch nicht richtig rumgesprochen zu haben.

Aber ist das wirklich so oder sind die Ergebnisse eher ein methodisches Artefakt oder einfach nur soziale Erwünschtheit?

User Experience hat sich in den letzten Jahren aus meiner Sicht sehr stark etabliert. In der beruflichen Praxis diskutieren wir heute weniger darüber, wie wir Unternehmen dazu bekommen, auf die User Experience ihrer Produkte zu achten, sondern über die strategische Ausrichtung von UX, Methodeneffizienz, Instrumentalisierung, Institutionalisierung und Professionalisierung. Aus meiner Sicht hat sich der Berufsstand der UX-Professionals in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt – er ist erwachsener geworden.

Dazu gehört auch eine moderne Sicht auf den Bedarf nach UX-Aktivitäten. Es macht keinen Sinn UX-Aktivitäten zum Selbstzweck zu betreiben und jedem Unternehmen überstülpen zu wollen. Der Bedarf hinsichtlich UX-Aktivitäten wird wesentlich durch den Zustand des Marktes, in dem sich das betreffende Produkt befindet, sowie dem Reifegrad bzw. dem Erfolg des Unternehmens geprägt. In wenigen Fällen kann der Bedarf auch durch gesetzliche oder organisatorische Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Beispielsweise muss sich ein erfolgreiches Unternehmen mit einem Produkt, welches seinen Verwendern einen sehr hohen Mehrwert bietet und das Einzige am Markt ist, nicht akut mit User Experience beschäftigen. Es sollte es aber, wenn zu erwarten ist, dass ein zweites Unternehmen den Markt mit einem ähnlichen Produkt betritt. Unternehmen, die durch UX-Aktivitäten keine wesentliche Erfolgssteigerung erwarten oder erzielen können, ignorieren jeden UX-Evangelisten, der versucht UX-Methoden zu verkaufen.

UX-Professionals von heute baden nicht im Selbstmitleid, sondern suchen aktiv nach Wegen, wie sie die Anwender eines Produktes im Einklang mit den Unternehmenszielen glücklich machen können und quasi nebenbei den Unternehmenserfolg steigern.

MuC-UP12: Der Abschied fällt wieder schwer

Die Mensch und Computer / UP12 ist leider leider schon wieder vorbei **schnief** Es waren wieder vier spannende Tage mit vielen interessanten Erkenntnissen, neuen Ideen und anregenden Gesprächen.

An dieser Stelle einen ganz besonderen Dank an die beiden Orga-Teams von MuC und German UPA sowie an die vielen Helfer und Sponsoren. Es war einfach klasse – sowohl die Konferenz als auch die Abendveranstaltung.
… und wenn sich beim nächsten Mal die Grußworte auf eine Viertelstunde beschränken, ist es perfekt 😉
Die nächste Mensch und Computer / Usability Professionals findet 2013 übrigens in Bremen statt (btw – nachdem die German UPA nicht umbenannt wird, könnten wir uns doch der Namensvereinfachung dieser Konferenz widmen … es wäre ein „X“ frei 🙂

MuC-UP12: Verankerung von UX in Unternehmen

Christian Hauri und Stefanie Rosati haben die Ergebnisse einer Studie bzw. Masterarbeit vorgestellt, in der die Verankerung von UX in Schweizer Unternehmen untersucht wurde. Ziel der Studien war es die Unterschiede in der Art und Weise der Verankerung von User Experience herauszuarbeiten. Ihre Erkenntnisse haben sie in Form von Personas festgehalten und hinsichtlich Nachhaltigkeit sowie Qualität bewertet:
* Vertreter: Müssen UX im Unternehmen verkaufen, haben wenige bis keine Managementunterstützung, in diesen Unternehmen gibt es wenige UX Pros (Bewertung: keine Nachhaltigkeit, sehr gering Qualität)
* Guerillas: Erscheinen nicht im Organigramm, arbeiten im Untergrund an UX Themen (Bewertung: mittlere Nachhaltigkeit, mäßige Qualität)
* Architekten: arbeiten in Unternehmen, die bereits UCD in ihren Prozessen integriert haben, haben daher größeren Einfluss auf die Produktgestaltung (Bewertung: mittlere bis gute Nachhaltigkeit, gute Qualität)
* Lehrer: arbeitet in einem Unternehmen mit User Experience Strategie, UCD-Methoden sind eingeführt, viele Mitarbeiter zu UCD und Design (Bewertung: hohe Nachhaltigkeit, mittlere bis geringe Qualität)

Wenn wir UX in Unternehmen verankern wollen, brauchen wir Aktivitäten auf der operativen sowie institutionellen Ebene und im Bereich der Unternehmenskultur.

MuC-UP12: Online-Fokusgruppen – Einsatzgebiete und praktische Erfahrungen

Heidi Hoffmann, Sigi Olschner und ich haben auf der Usability Professionals 2012 (MuC 2012) unsere Erfahrungen zum Einsatz von Fokusgruppen zum besten gegeben:

In diesem Beitrag stellen wir unsere Erfahrungen beim Einsatz von Online-Fokusgruppen im Bereich Unternehmenssoftware vor. Zuerst beschreiben wir einen Methodenvergleich, den die DATEV eG mit Hilfe des Dienstleisters ForschungsWerk GmbH durchgeführt hat. Bei diesem wurden jeweils eine klassische Fokusgruppe, eine synchrone Online-Fokusgruppe und eine asynchrone Online-Fokusgruppe mit vergleichbaren Teilnehmern und gleicher Fragestellung durchgeführt. Die Ergebnisse des Vergleichs werden vorgestellt und Vorschläge für den Einsatz der Methoden aufgelistet. Anschließend gehen wir im Detail auf eine konkrete Projekterfahrung beim Einsatz der Methode asynchrone Online-Fokusgruppe ein. Diese wurde von der DATEV eG zusammen mit der GfK SirValUse Consulting GmbH durchgeführt. Wir beschreiben das methodische Vorgehen, zeigen aus Sicht eines IT-Dienstleisters und einer User Experience-Beratung die Vorteile und Grenzen der Methode auf und geben Tipps zur Anwendung.

Beitrag in voller Länge

Hoffmann, H./Olschner, S./ Schubert, U. (2012): „Online-Fokusgruppen – Einsatzgebiete und praktische Erfahrungen“ in Brau, H. / et. al.:
„Usability Professionals 2012“, Berichtband der Usability Professionals / Mensch und Computer 2012, Konstanz, S. 96

MuC-UP12: Icon Design im großen Stil – Erfahrungen zu Gestaltung und Einsatz von umfangreichen Icon Bibliotheken

Evelina Kirstein, Nadine Schoenherr und ich haben auf der Mensch und Computer 2012 bzw. der Usability Professionals 2012 über unsere Erfahrungen bei der Gestaltung von großen und komplexen Icon-Systemen bzw. Icon-Bibliotheken bei DATEV berichtet:

Icons sind aktuell ein wichtiges Element bei der Gestaltung von Software-Bedienoberflächen. Sie sollen Informationen und Emotionen transportieren, bei der schnellen Orientierung helfen, den Zugang zu Funktionen schaffen und zu einer hohen visuellen Qualität beitragen. Diese Ziele zu erreichen, ist schon bei einer Icon-Bibliothek, die „nur“ in einem Software-Produkt verwendet werden soll, eine Herausforderung. Was aber, wenn eine Icon-Bibliothek konsistent in zahlreichen fachlich komplexen Software-Produkten zum Einsatz kommen soll? Wie kann eine Icon-Bibliothek in diesem Ausmaß gestalterisch hochwertig und trotzdem kosteneffizient konzipiert und umgesetzt werden? Wie lässt sich eine konsistente Verwendung sicherstellen?
Wir stellen in diesem Beitrag unsere Erfahrungen bei der Konzeption, Gestaltung und Einführung einer Icon-Bibliothek mit ca. 700 Einzelsymbolen für eine Produktlinie mit zahlreichen Einzelanwendungen vor. Wir benennen Erfolgsfaktoren sowie Risiken und geben Tipps zur Planung und Konzeption derartiger Projekte.

Beitrag in voller Länge

Kirstein, E. / Schoenherr, N. / Schubert, U. (2012): „Icon Design im großen Stil – Erfahrungen zu Gestaltung und Einsatz von umfangreichen Icon Bibliotheken“ in Brau, H. / et. al.:
„Usability Professionals 2012“, Berichtband der Usability Professionals / Mensch und Computer 2012, Konstanz, S. 60

MuC-UP12: Mobile Eye Tracking

Alexander Rösler (usability.de) ist in seinem Vortrag auf den Einsatz von Eye Tracking bei der Evaluation von mobilen Endgeräten eingegangen. Mittlerweile gibt es mehrere Testwerkzeuge für das mobile Eye Tracking (z.B. von Tobii), die einen wenig intrusive Einsatz ermöglichen. Aber auch wenn die Testwerkzeuge immer besser werden, sieht er folgende Einschränkungen bei mobilen Eye Tracking:
* Eine Fixation deckt einen großen Bereich des Displays ab. Damit sind immer mehrere Elemente im Blickpunkt. In der Auswertung ist dann schwierig zu ermitteln, was genau betrachtet wurde. Je kleiner das Display des mobilen Endgerätes umso weniger nützlich ist Eye Tracking.
* Heatmaps und Gazeplots sind bei mobilen Eye Trackern nicht möglich und bei Tests mit Labor-Eye Trackern für mobile Endgeräte sehr zeitaufwändig
* ca. 25% aller Testpersonen sind nicht trackbar