Die Disziplin „Design“ hat sich in vielen Unternehmen mittlerweile vom Abstellgleis in die Führungsetagen aufgeschwungen. Designer/innen sind nicht mehr nur die stillen Zulieferer oder kreativen Spinner. Sie sind zu einem essentiellen Bestandteil des Produktentwicklungsprozesses geworden, ohne den ein Produkt in gesättigten Märkten wenige Aussichten auf Erfolg hat.
Nun ist es aber für gestandene Führungskräfte nicht immer einfach dieser neuen Disziplin zu vertrauen. Oft stehen immer noch vertraute Disziplinen, wie z.B. Technologie oder Betriebswirtschaft, im Mittelpunkt von Entscheidungen.
Um hier einen Schritt voran zu kommen, ist es sinnvoll Design von einer geschmacklich-künstlerischen Ebene auf eine strategische Ebene zu bringen und auf die Geschäftszielen und -strategien abzustimmen. Auf diese Weise reiht sich Design in die Reihe der vertrauten Disziplinen ein und gehört über kurz oder lang auch zu diesen. Für die erfolgreiche Integration von Design in den Produktentwicklungsprozess ist eine Designstrategie hilfreich.
Leider ist der Begriff Designstrategie noch nicht so gebräuchlich, so dass in den Köpfen sehr unterschiedliche Vorstellungen davon herumgeistern. Das reicht dann von einem Styleguide mit bunten Bildchen über Leuchttürme bzw. innovativen Prototypen bis hin zu Strategiepapieren.
In dem Buch „Building Design Strategy: Using Design to Achieve Key Business Objectives“ von Lockwood und Walton finden sich zahlreiche interessante Aufsätze, die sich u.a. mit der Klärung des Begriffs Designstrategie beschäftigen. Unter anderem eins von Rudolf Voigt, Designmanager bei Benq:

Rudolf Voigt (…) points two other misconceptions: that design strategy is mostly based on consumer trends or visual language and that it can be developed without engagement with the business strategy.

und ein weiteres von Clive Grinyer, Experience Design Chief France Telecom:

Design strategy is often confused with future fantasy, which can sometimes be inspirational, but should never be confused with strategy.

Ein für mich prägendes Zitat ist eins von Richard Eisermann, dem ehemaligen Design Director von Whirlpool:

Design strategy is about controlling the amount of subjectivity in the product or service development process. It should provide a decision-making framework and a rationale to stakeholders, including nondesigners. Strategy should not be prescriptive – it cannot be a blueprint for good design.

Meiner Meinung nach eine treffende Beschreibung, was eine gute Designstrategie leisten sollte.

Siehe auch

Building Design Strategy: Using Design to Achieve Key Business Objectives

Kategorien: Designstrategie

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.