Nachdem ich in meinem Artikel Personas sind kein Allheilmittel den „realistischen“ Ansatz zur Erstellung von Personas nach Norman in den Vordergrund gestellt habe, möchte ich an dieser Stelle den Erstellungsprozess von „realistischen Personas“ erläutern. Die Erstellung von „realistischen Personas“ geschieht in der Regel in drei Schritten: 1. Sammlung und Grobbeschreibung, 2. Detailbeschreibung, 3. Priorisierung.

Sammlung und Grobbeschreibung

Der Kern dieses Schrittes ist der Persona-Workshop. In diesem sammeln die Mitarbeiter eines Projektteams, die über Kenntnisse zur Zielgruppe verfügen, das Wissen zur Anwenderschaft und dokumentieren dieses in Form von groben Persona-Beschreibungen. In der Regel sollten dabei Mitarbeiter mit den Schwerpunkten Vertrieb, Marketing, Service, Produktmanagement und Entwicklung teilnehmen. Wichtig ist, dass möglichst alle Mitglieder des Projektteams dabei sind. Das verringert am Ende den Kommunikationsaufwand. Der Persona-Workshop läuft in der Regel wie folgt ab:

Einleitung (ca. 15 min): Zu Beginn des Workshops wird vom Produktverantwortlichen das Ziel des Workshops vorgestellt und die Wichtigkeit betont.

Einführung in UCD (ca. 30min): Gerade in Teams, welche noch keine oder wenige Erfahrungen mit den Methoden des User Centered Design gemacht haben, ist eine Einführung in das User Centered Design sinnvoll. Dies dient unter anderem dazu den Stellenwert von Personas zu vermitteln und aufzuzeigen an welchen Stellen Personas im weiteren Entwicklungsvorgehen Verwendung finden.

Vorstellung der Methode „Personas“ (ca. 30 min): Hier geht es darum den Teammitgliedern, die noch keine Personas gemacht haben zu vermitteln, worum es bei der Methode geht. Inhalte des Vortrages sollten sein: Motivation für Personas, Erstellung von Personas, Verwendung von Personas, Integration in den Entwicklungsalltag.

Übung zu Personas (ca. 15 min): Dieser Schritt dient dazu Berührungsängste abzubauen und praktisch zu vermitteln, worauf es bei der Erstellung von Personas ankommt. Dazu sammeln alle Workshopteilnehmer zu einem möglichst produktfremden Thema ganz grobe Personas. Ich verwende dafür gern Themen, zu den möglichst viele etwas sagen können, wie z. B. Kaffeeautomaten oder Fahrscheinautomaten.

Sammlung der Personas (ca. 90 min): Die Gruppe wird in Kleingruppen a 3 Personen aufgeteilt. Jede dieser Gruppen sammelt ganz grob alle Personas, die ihnen zum Produkt einfallen.

Vorstellung der Personas und Gruppierung (ca. 30-60 min min je nach Anzahl der Kleingruppen): Jede Kleingruppe stellt in ca. 10 min die von ihnen gefundenen Personas allen Workshopteilnehmern kurz vor und gruppiert ihre Personas mit ähnlichen Personas der anderen Kleingruppen.

Zusammenfassung, Beschreibung und Bebilderung (ca. 90 min): Die gruppierten Personas werden in den Kleingruppen verteilt. Dabei erhalten die Kleingruppen je eine oder zwei Gruppen von gefundenen Personas. Aufgabe der Kleingruppen ist nun aus diesen Gruppen einzelne Personas abzuleiten sowie diese auszuformulieren und zu bebildern. Zur Bebilderung dienen entweder Zeitschriften oder Ausdrucke von Bildern aus einer Bilddatenbank.

Vorstellung der Personas (ca. 60 min je nach Anzahl der gefundenen Personas und Kleingruppen): Eine Person je Kleingruppe präsentiert die Personas auf einer Metaplanwand in 10 min. Die restlichen Teilnehmer wandern im Rotations- oder SpeedDating-Verfahren alle 10 min von Metaplan-Wand zu Metaplan-Wand. Durch dieses Verfahren lernen alle Teilnehmer die finalen Personas kennen und können noch kleinere Ergänzungen und Anmerkungen einbringen.


Quelle: Aufbau Persona-Workshop

Weiteres Vorgehen: Zum Abschluss des Workshops wird vereinbart, in welcher Form den Projektteilnehmern zur Verfügung gestellt werden und wie diese im Entwicklungsprozess verwendet werden sollen. Das Ergebnis eines Persona-Workshops sind in der Regel handschriftliche Persona-Beschreibungen auf Metaplan-Wänden.

Detailbeschreibung

Im Nachgang des Workshops werden die Persona-Beschreibungen im Detail ausgearbeitet und in eine präsentier- bzw. verteilbare Form gebracht (Poster, A5-Kärtchen, Word-Dokumente). Bei den verwendeten Bildern sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass nur Bilder verwendet werden, für die die Nutzungsrechte vorliegen. Ich verwende dafür aus Kostengründen meist günstige Bilder von http://www.istockphoto.com/.

Priorisierung

Die detaillierten Personas werden dann nochmals im Team präsentiert und in Zusammenhang mit den Anwendungsszenarien des Produktes priorisiert.


Persona-Prioritätenmatrix

Integration von Personas in den Entwicklungsprozess

Damit die Personas, welche in den Workshops entstanden sind, auch im Entwicklungsalltag funktionieren, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Alle Beteiligten müssen die Persona-Methode kennen, (auch die, die nicht an dem Workshop teilnehmen konnten)
  • Die Anzahl der verwendeten Personas muss überschaubar sein, (max. 10 Personas – ca. 2 Haupt- und ca. 8 Nebenpersonas)
  • Die Beschreibung der Personas sollte auf das Notwendigste reduziert sein. Es sollten nur produktrelevante Informationen enthalten sein.
  • Die Personas sollten allgegenwärtig kommuniziert werden, um so leicht zugänglich und erinnerbar zu werden, z.B. über Poster in Besprechungsräumen oder Kärtchen
  • Alle Beteiligten sollte eine Kurzreferenz mit den Personas zur Verfügung gestellt bekommen (möglichst in Papierform),
  • Personas sollten in Gesprächen wie bekannte real existierende Personen behandelt werden.
  • Es muss min. eine Person im Projektteam geben, die vor allem am Anfang immer wieder die Personas ins Gespräch bringt.

Siehe auch

Personas sind kein Allheilmittel


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.