Dennis Herzberger hat mich dankenswerterweise auf eine interessante Studie zum Thema Eye Tracking für mobile Anwendungen aufmerksam gemacht. In der von der Web Arts AG durchgeführten Studie gingen Dennis Herzberger und seine Kollegin Sibel Cokimre der Frage nach, ob man mobile Webseiten mittels Eye Tracking auch auf Desktop PCs evaluieren kann.

Um diese Frage zu beantworten, verglichen sie die Blickverläufe auf einem Desktop-PC, auf dem ein mobiles Endgerät simuliert wurde, mit den Blickverläufen auf einem echten mobilen Endgerät. Sie ließen 20 Testpersonen die mobilen Versionen von 6 Online-Shops in beiden Varianten nutzen und beobachten ihr Blickverhalten mittels Tobii Eye Tracking-Systemen.

Ihr Fazit:

  • Einfache Szenarien sind durchaus am Desktop möglich
  • Der Vergleich von kurzzeitigen Blickverlaufs-Analysen hat keinen signifikanten Unterschied hervorgebracht
  • Geringe Unterschiede in der Wahrnehmung (Perception-Analyse)
  • Der Joy of Use unterscheidet sich deutlich auf den Endgeräten
  • Wie lange die Probanden für Aufgaben gebraucht haben, hat sich teils erheblich unterschieden.
  • Bei kurzen und konkreten Analysen ist eine Simulation am Desktop definitiv machbar, da es effizienter in der Planung, Durchführung und anschließenden Analyse ist. Möchte man allerdings die reale Nutzermotivation einfangen und Erkenntisse darüber gewinnen, so ist die native Umgebung unersetzbar.

Die komplette Studie könnt Ihr hier herunterladen:
Mobile Eye Tracking – Kann man mobile Webseiten auch am Desktop untersuchen?


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.