Andreas Enslin (Leiter Miele Designcenter) zeigte sich in seinem Vortrag begeistert über die unglaublichen Möglichkeiten und Freiheiten, die sich aus den aktuellen technologischen Entwicklungen für die Produktentwicklung ergeben. Alles scheint möglich und machbar. Leider passt die rasante Entwicklung der Technologie nicht zur Veränderungsbereitschaft und Anpassungsgeschwindigkeit der Menschen. Daher sieht er es als eine wichtige Aufgabe für Designer Brücken zwischen den technischen Möglichkeiten und den Erwartungen, die die Anwender an eine Marke haben, zu bauen. Diese bauen sie aber nicht allein. Sie tun dies in einem inderdisziplinären Umfeld gemeinsam mit Ingenieuren und anderen Disziplinen.

„Ich glaube, dass viele Ingenieure Designer sein könnten und viele Designer Ingenieure. Der Unterschied liegt meist nur in der Fähigkeit zu Rechnen.“

Eine wichtige Frage, die sich beim Brücken bauen stellt, ist die Frage nach der Intuition. Produkte, welche die Erwartungen der Anwender treffen, fühlen sich intuitiv an. Nachdem die Bedeutung des Begriffs der „intuitiven Bedienbarkeit“ immer auch ein Streitpunkt in der UX-Community ist, lieferte er auch gleich eine Definition mit:

„Intuitiv ist eine Bedienung immer dann, wenn ein Mensch aufgrund seiner Erfahrungen, Fähigkeiten und der Bereitschaft, die er selbst mitbringt, die Funktionen einer Bedienung ohne Hilfestellung anderer Menschen zu erfassen und auf für ihn zufriedenstellende Weise zu nutzen. – Andreas Enslin 2013“

Gute Gestaltung setzt voraus, dass man sich damit auseinander setzt, was die Gestaltung des Produktes aussagen soll und welche Signale sie sendet. Es darf nicht zufällig sein, welche Emotionen wir bei den Anwendern auslösen oder welche Signale bei ihnen ankommen. Die Signale, die eine Produktgestaltung sendet, müssen auf die Sehgewohnheiten und die Erfahrungen der Anwender sowie auf die Marke  ausgerichtet sein. Die Sinneseindrücke, die ein Produkt verschafft, müssen ganzheitlich gedacht werden. Von der  Farbe („Grüne Werkshallen sind leiser als graue.“) über Haptik bis hin zum Klang („Der Qualitätseindruck wird oft über die Betriebsgeräusche beeinflusst.“)

Der wesentliche Erfolgsfaktor für gute und relevante Produkte ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Design, Business und Technik. Keiner der drei Bereiche ist allein in der Lage erfolgreiche Produkte zu produzieren. Alle Disziplinen müssen zusammen und mit ganzheitlichem Blick auf die User Journey arbeiten.

„Die Zukunft des Designs liegt nicht darin, immer mehr neue und witzige zu entwerfen. Unsere heutigen Zeit verlangt von einem Designer, die gesamte Erfahrung zu gestalten.“

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.