Die BITKOM-Veranstaltung „Design meets IT“ geht mit einer Panel-Diskussion zur Kernfrage der Veranstaltung „Was kann die IT-Branche vom Designern lernen?“ zu Ende. Die wesentlichen Diskussionsstränge und Beiträge der Diskussion waren:

  • Die Produktentwicklung ist heute geprägt von einer Vielzahl an spezifischen Rollen und Disziplinen. In Zukunft bedarf es mehr Aufgeschlossenheit und Anerkennung zwischen den Disziplinen und der Bereitschaft ein Stück über den Rand der eigenen Disziplinen Verantwortung zu übernehmen. Ich würde es so interpretieren, dass die Ränder der Disziplinen etwas unschärfer werden müssen, um in der schnelllebigen IT-Welt bessere und erfolgreichere Ergebnisse zu erreichen

„Die Lösungen, die entstehen, wenn Design und Entwicklung nicht miteinander reden, sind halt einfach Scheiße, wenn man ehrlich ist.“

  • Wesentlich für eine gute Zusammenarbeit beider Disziplinen ist eine enge und persönliche Zusammenarbeit sowie ein gegenseitiges Verständnis über gemeinsame Werkzeugketten hinaus nötig.
  • Die Spezialisierungen der Disziplinen von IT und Design ist zwar notwendig, damit die notwendige Expertise in den Projekten vorhanden ist. Alle Disziplinenvertreter müssen aber über ein gemeinsames Überblickswissen über alle Disziplinen verfügen. Die Schaffung des gemeinsamen Wissens ist eine große Herausforderung für die Ausbildung der Disziplinen. Designer müssen mehr über die Beschaffenheit ihres Material – dem Code – wissen. Entwickler brauchen mehr Kenntnisse über die Wirkung ihres Materials beim Anwender.
  • Es muss einen Dialog zwischen IT und Design über die gegenseitigen Erwartungen geben. Es bräuchte eine Gegenveranstaltung „IT meets Design“.
  • Für den „Gewöhnungsprozess“ beider Disziplinen in funktional orientierten Organisationen kann es hilfreich sein beide Disziplinen unter Moderation über gemeinsame Projekte zusammenzuführen.
  • Das Bild was in der Diskussion von der IT gezeichnet wird, ist zu einfach. Es gibt bereits Disziplin, welche einen Brückenschlag machen – die Softwarearchitekten und Softwaredesigner. „Reden Sie mit Ihren ITlern. Die beißen nicht, die wollen nur spielen.“ Es wurde ein Konflikt in den Sichtweisen von Softwarearchitekten und Designern diskutiert, da sich Softwarearchitekten oft auch als Designer verstehen.
  • Das Berufsbild der Industriedesigner wird durch die Digitalisierung mit einer Entmaterialisierung konfrontiert – also der schwindenden Bedeutung von Materialien im Designprozess durch 3D-Drucker und Software. Auch hier muss Programmcode als Material verstanden werden.
  • Es gibt unter den Entwicklern sicherlich Hardcore-Coder, die nichts mit UX zu tun haben wollen. Es gibt aber zwischen diesen Hardcore-Codern und Designern schon zahlreiche Abstufungen. Ganz so schlecht wie es in der Diskussion rüberkommt, ist die Situation zwischen Design und IT eigentlich gar nicht.
  • Wir bilden die Informatiker falsch aus. Es fehlt die Vermittlung von Gestaltungskompetenz in der Informatik. Ein möglicher Weg das zu adressieren, wäre es vermehrte auf Projektstudiengänge zu setzen. Weiterhin sollten mehr Masterstudiengänge im Design offen sein auch Studenten aus anderen Disziplinen aufzunehmen und die Studenten dies auch so annehmen – so wie es bei ca. 5% der Masterstudiengänge schon passiert.
  • Das Herz der Diskussion ist doch, was Produkterfolg zukünftig ausmacht. Der Dissens zwischen den Disziplinen kommt doch über die Frage, was zukunftsfähig ist. IT kommt aus einer Position der Stärke, da es bisher sehr gut funktioniert hat über das reine technische „verfügbar Machen“ erfolgreich zu sein. Design erhebt nun den Anspruch, dass zukünftig die Schaffung von Wohlbefinden und Nutzen erfolgreich machen wird. Die Frage ist nun, ob man Design und IT wirklich verheiraten muss, um erfolgreich zu sein.
  • Die Industrie muss ihren Teil zu dieser Veränderung beitragen in dem sie weniger nach hochspezialisierten Experten in IT und Design sucht. Wenn mehr Profile mit „unscharfen“ Rändern in den Kenntnissen und Mischform zwischen Design und IT ausgeschrieben werden würden, würde sich die Ausbildung von allein anpassen.
  • Es braucht die Reibung von spezialisierten Experten um die beste Lösung zu finden.
  • Als einen kleinen Konsens aus der Diskussion nehme ich mit, dass wir mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen IT und Design sowie ein Ausbau der aktuellen Tendenzen in der Masterausbildung der Designer und eine Öffnung dieser Ausbildung für Entwickler brauchen. Wir brauchen kein neues Berufsbild als Mittler zwischen Design und IT.

    Kategorien: Dies und Das

    Ulf Schubert

    Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.