Best Practices zur Führung ohne Macht für UX Professionals #muc2021 #lateralefuehrung

Es ist ja leider immer noch so, dass UX Professionals in Unternehmen ohne formale Autorität an ihren Zielen arbeiten müssen. Wir haben das German UPA-Barcamp auf der Mensch und Computer 2021 daher genutzt, um Best Practices zur Frage “Wie können UX Professionals ohne Macht führen” zu sammeln.

Unter den Herausforderungen, die genannt wurden, waren leider immer noch viele alte Bekannte. Es gab aber auch einige Überraschungen bei den Best Practices. Ich sag nur Katzen 🙂

Akzeptanz im Unternehmen

Einige UX Professionals haben das Gefühl, dass sie in ihren Unternehmen nicht gleichwertig zu anderen Jobrollen akzeptiert werden. Sie berichteten davon, dass sie sich die Akzeptanz regelrecht verdienen müssen. Um sich Akzeptanz zu erarbeiten, sollten sich UX Professionals ein gutes Verständnis von Fachdomäne und Technologie aneignen. Dadurch sind sie in der Lage mit dem Team auf Augenhöhe zu diskutieren und können die Aspekte zu User Experience entwicklungsbegleitend einfließen lassen. Bei der Entwicklungsbegleitung kann es hilfreich sein, nicht zu viel auf einmal verändern zu wollen. Ein Teilnehmer berichtet davon, dass er gute Erfahrungen damit gemacht hat, den Teams Schritt für Schritt UX-Methoden näher zu bringen und dabei viel zu erklären.

Mehrere Teilnehmer*innen berichteten davon, dass sie gute Erfahrungen damit gemacht haben, nicht selbst für UX zu werben, sondern Kolleg*innen aus anderen Jobrollen über ihre Erfahrungen mit UX-Methoden oder Human Centered Design (HCD) berichten zu lassen. Es kann beispielsweise sehr überzeugend sein, wenn ein*e Vertriebler*in über den Nutzen von Human Centered Design spricht. Aber auch Katzen-Memes können bei der Kommunikation von UX hilfreich sein. Eine Teilnehmer*in berichtete davon, dass sie UX-Botschaften in Form von Katzen-Memes im Intranet kommuniziert haben. Das Echo muss umwerfend gewesen sein.

UX Aspekte werden bei Entscheidungen ignoriert

Leider haben einige Teilnehmer*innen immer noch mit dem Umstand zu kämpfen, dass UX Aspekte bei Entscheidungen im Entwicklungsteam ignoriert werden. Best Practices für eine Verbesserung können sein:

  • In der Regel wird ja zu sehr auf Funktion, Technologie und Termin geschaut. UX Professionals sollten sich von dieser Fokussierung nicht abhalten lassen und unbequeme Fragen aus Nutzersicht hartnäckig immer wieder stellen. In Verbindung mit alternativen Vorschlägen zur Umsetzung und entsprechendem Nutzerfeedback kann sich eine Einsicht beim Team einstellen.
  • Entwicklungsteams lernen am schnellsten durch eigene Betroffenheit. Man kann diese Betroffenheit entweder dadurch erzeugen, dass Usability-Probleme am eigenen Leib erfahren werden. Beispielsweise indem Kolleg*innen ihre eigenen Produkte in einem realistischen Setup oder Alltagsgegenstände mit einer schlechten Usability selbst nutzen. Einen besonders hoher Effekt lässt sich dadurch erreichen, dass Entwicklungsteams Anwender:innen bei der Benutzung des Produktes über die Schulter schauen, z.B. bei einem Usability Test. Eine Teilnehmerin berichtete davon, dass sie dies mit einem Ratespiel emotional auflädt. Das Team rät dazu im Vorfeld was aus dem UX Test rauskommen wird und wertet dann die richtigen Treffer aus.
  • Man kann auch einfache Prototyping-Methoden verwenden, um das Entwicklungsteam beim Entwurf des Produktes zu unterstützen. Durch die Superkraft, die Prototyping innewohnt, erfahren Entwicklungsteams den Nutzen von Human Centered Design selbst. Es kann eine Art Einstiegsdroge für HCD sein.

Zu wenige UX Professionals für zu viele Teams

Es war erfreulich zu hören, dass wir auch UX Professionals aus Unternehmen in unserer Session hatten, in denen UX bereits fortgeschrittener etabliert war. Wenn der Bedarf für UX mal erkannt ist, kommt es aber leider schnell zu Mangelerscheinungen. Es sind schlicht zu wenige UX Professionals im Unternehmen, um die Teams bedarfsgerecht zu unterstützen. Um diese Mangelerscheinungen zu lindern und gleichzeitig UX-Wissen ins Unternehmen zu tragen, haben sich Communities bewährt. Insbesondere unternehmensweite interdisziplinäre Communities, in denen Kolleg*inne aus unterschiedlichen Teams und Unternehmensbereichen zusammenarbeiten, sind gute Wissensmultiplikatoren.

Und, wenn gar nichts mehr hilft …

… dann gibt es Kuchen. Zwei Teilnehmer*innen sagten:

“Kuchen hilft immer. Es gibt keinen Entwickler, den man nicht mit Süßigkeiten zum Zuhören bekommt.”

Board als Download

Das detaillierte Board mit den Notizen aus der Session findest Du hier.

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