(gesponserter Blogbeitrag)
UX-Research bildet das Rückgrat der menschzentrierten Produktentwicklung. Ohne UX-Research ist es nicht möglich, gezielt erfolgreiche UX zu erreichen.
Der Einstieg in UX-Research ist allerdings nicht ganz so einfach. Es gibt wenige Studiengänge oder Weiterbildungsangebote, die den Fokus auf UX-Research setzen.
Deshalb habe ich mit dem UX-Research-Experten Till Winkler darüber gesprochen, wie er in UX-Research eingestiegen ist und welche Dinge er im Laufe seiner Karriere gelernt hat, die Dir bei Deinem Einstieg helfen können.
Till ist schon lange im Bereich UX-Research unterwegs. Er hat viele Jahre als UX-Researcher und Führungskraft im UX-Research gearbeitet. 2020 machte er aus seiner Leidenschaft ein Unternehmen und gründete den UX-Research-Dienstleister von Skopos Nova.

Wie bist du in UX-Research eingestiegen? Was hat Dich dazu motiviert, UX-Researcher zu werden?
Ich habe in der Marktforschung gelernt und fand qualitative Interviews und Verhaltensbeobachtungen schon immer spannender als Umfragen oder statistische Analysen. Damals machten wir auch viele Usability-Tests, aber da stand noch nicht „UX“ davor, sondern nur „Benutzerfreundlichkeit“. Im Zuge des Silicon Valley Hypes 2014, 2015 hat sich dann alles zusammengefügt und UX bekam ein wichtiges strategisches Thema. Ab da war ich voll drin.
Was waren die größten Herausforderungen, mit denen Du als UX-Researcher zu Beginn deiner Karriere konfrontiert warst, und wie hast du sie überwunden?
Eine Differenzierung zwischen normaler Marktforschung und UX Research zu finden, war immer schwierig. Ich musste das ja ständig Menschen, Kunden und aber auch KollegInnen erklären. Irgendwann habe ich mal für mich ein langes Paper, und letztlich einen Business Plan, geschrieben, wo ich die Abgrenzung klar definieren konnte, und damit auch eine Blaupause hatte für meine Gespräche.
Was ist denn für Dich der Unterschied zwischen Marktforschung und UX-Research?
Hier könnte ich ganze Kriege starten. Vereinfacht würde ich folgendermaßen antworten: Marktforschung beschäftigt sich mit Meinungen, Präferenzen und Einstellungen und das in Bezug auf Marke, Markt, Wettbewerber, und Konsumgüter. UX Researcher beschäftigt sich mit Verhalten, Emotionen und Interaktionen zwischen Mensch und Maschine oder Systemen – und ist vor allem im Entwicklungskontext relevant. Die Flughöhe von Marktforschung ist höher und strategischer. UX Research ist typischerweise sehr operativ. Man muss aber klar sagen, die Grundlage ist ähnlich im Bezug auf die verwendeten Methoden.
Welche Bedeutung hat die Nutzung von Nutzerfeedback und -bewertungen für Deine Forschungsarbeit, und wie integrierst Du diese in den Designprozess?
Wichtig ist das Filtern der Informationen. Nutzerfeedback, Beobachtungen und Bewertungen können eine riesige Menge an Informationen produzieren. Man kann sich schnell in Details oder Einzelmeinungen verlieren. Wichtig ist das richtige Priorisieren. Ich versuche folgendes: Alle Informationen ordnen, Kontraste suchen, und dann reduzieren. Wenn ich das getan habe, und mit den strategischen Zielen des Produkts übereinbringe … dann weiß ich, was im Designprozess nun zu tun ist.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit anderen Teams, wie zum Beispiel Designer:innen, Entwickler:innen oder Produktmanager:innen, in deiner Arbeit als UX-Researcher, und wie hat sich diese Zusammenarbeit im Laufe der Zeit entwickelt?
Am Anfang musste man noch viel überzeugen, rechtfertigen, erklären, etc.. Jeder sucht natürlich Validierung für seine eigene Arbeit und will sich abgrenzen. Research zieht oft das Budget weg von der Entwicklung, deswegen war früher die größte Frage immer „Warum muss das denn so teuer sein, geht das nicht günstiger?“.
Heute haben die meisten verstanden, dass wir nur in der Zusammenarbeit richtig gut funktionieren. Solider Research ist wichtig, damit die Entwicklung in die richtige Richtung rennt. Über Zeit ändert sich also Verständnis und Akzeptanz.
Wie gehst Du mit Herausforderungen um, wenn deine Forschungsergebnisse im Widerspruch zu den Erwartungen oder Vorstellungen des Unternehmens oder der Stakeholder stehen?
Hier habe ich eine wirklich wichtige und sehr klare Regel: Absolut ehrlich sein. Wir hatten auch schon Kunden, die das Ergebnis nicht akzeptieren wollten oder die das ganze Projekt danach eingestampft haben.
Aber unser Job ist der Nutzer. Punkt. Und deswegen sollten wir immer ehrlich sein – egal, wie weh es tut.
Welche Methoden und Techniken zur Datenerhebung und -analyse hast Du im Laufe deiner Karriere bevorzugt, und welche davon haben sich als besonders effektiv erwiesen?
Ich mag Experimente. Dinge, die Verhalten produzieren. Ich glaube, Menschen sind nicht immer gut im Reflektieren und Verbalisieren, aber Verhalten ist meist relativ „roh“. Und das kann dann in Einzelinterviews sein, oder im Rahmen von Tree Tests und Card Sortings.
Ob quantitativ oder qualitativ ist egal – es gibt genügend methodische Techniken. Kombiniere sie so, dass sie das produzieren, was Du suchst. Es ist immer besser, kreativ an die Aufgabe ranzugehen, als sich zuerst zu überlegen „Welche Methode nutze ich wohl?“.
Wie hat sich UX-Research über die Zeit entwickelt? Wohin geht die Reise aktuell?
Ich habe das Gefühl, UX Research ist nun etablierter. Projekte haben ein UX Research Budget, teilweise auch einen UX Researcher. Man akzeptiert es heute als Teil der Entwicklungsdisziplin. Das ist großartig. Mehr Jobs, mehr Budget, mehr Aufmerksamkeit.
Wohin die Reise geht? Ich glaube, AI wird ein bisschen präsenter werden, wenn es um die Analyse von Daten geht. Aber da werden wir vermutlich an Grenzen stoßen. Aber auf lange Sicht … man, wenn ich das wüsste. 😉
Welche Fähigkeiten oder Kompetenzen würdest du anderen UX-Researchern empfehlen, um erfolgreich arbeiten zu können und ihre Karriere voranzutreiben?
Die meisten schauen nur auf das Interface und das ist gut, denn das ist die Quintessenz von unserem Job. Aber wer die richtigen Empfehlungen aussprechen will, muss sich mit dem „Drumherum“ und dem „Großen Ganzen“ beschäftigen. Finde mehr über die Zielgruppe raus, und was genau diese im Leben will und was das höhere Ziel ist. Ebenso mit dem Unternehmen. Was ist hier das größere Ziel und nicht nur das einzelne Produkt? Ich glaube, das ist echt wichtig und hilft, irgendwann strategischer zu denken.
Wenn du auf deine bisherige Karriere als UX-Researcher zurückblickst, welche Erkenntnisse oder Praktiken haben sich für Dich als besonders wertvoll erwiesen?
Wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten und qualitativ arbeiten, geht immer irgendwas schief. Falsche Person, falsche Methode, Prototyp klappt nicht so wie gedacht.
Statt zu verzweifeln, sollte man möglichst kreativ sein, um die Lösung schnell zu finden. Kreativ sein, spontan sein, flexibel sein. Die Arbeit an UX ist chaotisch, es heißt „Zuhören, verstehen, handeln“. Akademische Standardlisten und 10-Punkte-Garantien versagen meist im Feld.
Ihr bietet mit Skopos Nova ja auch ein eigenes Weiterbildungsprogramm für UX-Professionals an. Was steckt da drin?
Wir wollen helfen, UX Research aus einer praktischen Brille zu lernen. Wir alle haben so viele Fehler gemacht zu Beginn der Karriere, um herauszufinden, wie es funktioniert. Wir wollen ein Weiterbildungsprogramm anbieten, wo wir Grundlagen, Methodenwissen, aber eben auch Tipps aus der Praxis miteinander kombinieren und den Menschen zur Verfügung stellen.
Für wen ist das Weiterbildungsprogramm gedacht?
Alle, die es interessiert. Studenten, Quereinsteiger, Berufsanfänger, Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, und alle die wirkliche Lust auf praxisorientiertes Wissen haben.
Gibt es etwas, das du jungen, aufstrebenden UX-Researcher:innen heute mit auf den Weg geben möchtest?
Lernt viel über die Menschen, nicht nur über das Produkt, oder das Interface. Denn was auch immer ihr macht, es wird immer nur „Teil“ der Welt eurer Zielgruppe sein. Lernt also den Menschen kennen. Das ist wichtig. Und enjoy! Einer der spannendsten Jobs, die ich kenne.
Vielen Dank für die Einblicke in Deine Karriere und Deine Sicht auf UX-Research, Till.
Mehr zum Weiterbildungsprogramm
Ein Hinweis zur Transparenz (Werbung)
Dieser Blogbeitrag entstand in enger Zusammenarbeit mit unserem Sponsor Skopos Nova. Ich muss Dich deshalb darauf hinweisen, dass es sich um Werbung handelt. Tills Erfahrungen als UX-Researcher sind nichtsdestotrotz echt und können Dir auf dem Weg als UX-Researcher:in helfen.