Die erfolgreiche Zusammenarbeit von POs und UXler:innen #experiencecampfire

Im ersten Experience Campfire des Jahres sprachen wir mit Dominique Winter über die “Zusammenarbeit von Produkt Owner:innen und UX-Professionals”.

Dominique hat langjährige Erfahrung als Product Owner. Durch sein Studium der Medieninformatik wurde UX ein integraler Bestandteil seiner Arbeit als PO. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von einem Startup Product Manager über verschiedene PO-Tätigkeiten hin zu einem Coach, der unter anderem POs UX näher bringt und Unternehmen bei der Etablierung von menschzentrierten Entwicklungsprozessen unterstützt.

Mit diesem Blogpost möchte ich Dir einen kleinen Einblick in die Diskussion geben und die wichtigsten Gedanken zusammenfassen:

Rolle und Ziele von Product Owner:innen

Product Owner:innen (PO) sind Wertmaximierer. Sie setzen begrenzte Ressourcen geschickt ein, um den größtmöglichen Mehrwert für ihre Kund:innen zu erzeugen. Mit Ressourcen ist hier vor allem die Lebenszeit der Menschen gemeint, die am Produkt arbeiten. POs tragen die Gesamtverantwortung für den Erfolg eines Produkts. Sie entscheiden, was zu tun ist, um den angestrebten Nutzen zu erzeugen und damit das Produkt erfolgreich zu machen. Sie haben vor allem die Wirtschaftlichkeit des Produktes im Blick. Sie sorgen dafür, dass die erzielte Wirkung und die eingesetzten Ressourcen in einem guten Verhältnis stehen. Sie beurteilen aber auch, welche Arbeit nicht auf das Ziel einzahlt.

Welche konkreten Ziele POs verfolgen, ist unterschiedlich. Es gibt menschenzentrierte POs, die vor allem positive Erlebnisse schaffen wollen, über die die Menschen gerne reden. Es gibt andere POs, die in erster Linie einen Umsetzungsauftrag verfolgen. Für diese POs steht das Projektmanagement im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten.

Wie wird der Erfolg von POs gemessen?

Typischerweise wird der Erfolg von POs an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen gemessen, z.B. Konversionsrate, Warenwert im Warenkorb, Produktumsatz. Es können aber auch Kennzahlen aus internen Prozessen sein, z.B. Anzahl der Beschwerden, Anrufe im Service. Dominique rät UX-Professionals, in der Zusammenarbeit mit ihren POs als erstes zu fragen, woran sie den Erfolg festmachen. Nebenbei führt das dann auch direkt zu konkreten UX-Fragen für ihre Arbeit.

Erwartungen an UX Professionals

Menschzentrierte POs erwarten von UX-Professionals vor allem Unterstützung bei ihren Entscheidungen und bei der Kommunikation mit ihren Stakeholdern – von internen Entscheider:innen bis hin zu Anwender:innen. Kommunikation und Stakeholdermanagement sind zentrale Aufgaben von POs. UX-Professionals können POs dabei unterstützen, ihre Stakeholder zu begeistern.

Umsetzungsorientierte POs erwarten vor allem Artefakte für die Umsetzung und Argumentationshilfen, die ihnen helfen zu erklären, warum sie in UX investieren sollten. Dominique plädiert dafür, Experimente als Überzeugungsmittel einzusetzen, um die Zusammenarbeit mit umsetzungsorientierten POs zu stärken.

Generell ist es hilfreich, wenn UX-Professionals ihre eigenen Methoden verwenden, um die Bedürfnisse und Erwartungen von POs besser zu verstehen.

Workflows und Artefakte

Die wichtigsten Workflows, in denen UX Professionals und POs zusammenarbeiten, sind: Stakeholder-Management, Priorisierung des Backlogs und Entscheidungen über Produktkonzept und -design. Die Zusammenarbeit sollte sich auf die folgenden Artefakte konzentrieren:

  • Product / UX Vision: Die Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit ist ein gemeinsames mentales Modell oder Verständnis darüber, welches Erlebnis mit dem Produkt geschaffen werden soll.
  • Backlog: Durch gezieltes UX Controlling können UX-Professionals die POs dabei unterstützen, die Workitems im Backlog zu identifizieren, die für das Erreichen der Vision wichtig sind.
  • Entwürfe für das Produktdesign: Entwürfe für das Produktdesign ermöglichen es POs, das Produkt besser mit ihren Stakeholdern zu diskutieren.
  • Daten für Entscheidungen: UX Professionals unterstützen POs dabei, Thesen zu Produktkonzept, -design oder -implementierung zu validieren und zu quantifizieren. Mit diesen Daten schaffen sie eine Entscheidungsgrundlage.
  • Evaluation: UX-Professionals unterstützen POs dabei, den Nutzen eines Produkts zu evaluieren. Diese Bewertung hilft wiederum bei der Priorisierung.

Wer ist wofür verantwortlich?

Die konkrete Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen POs und UX Professionals variiert je nach Kontext. Generell lässt sich sagen, dass POs die Gesamtverantwortung für den Produkterfolg tragen. UX-Professionals tragen durch ihre UX-Expertise im Team zum Produkterfolg bei. Sie bringen beispielsweise Zielgruppenwissen ein oder entwickeln Informationsarchitekturen. Sie zeigen mögliche Wege auf, wie die Vision umgesetzt werden kann. Anders sieht es aus, wenn es darum geht, ein übergreifend konsistentes Erlebnis in einem Produktportfolio sicherzustellen. Dann ist es ihre Aufgabe, Vorgaben zu definieren, die die Konsistenz sicherstellen. Damit stellen sie Anforderungen, die POs bei ihrer Arbeit berücksichtigen.

Sollten POs selbst UX-Maßnahmen durchführen?

Für POs ist es sehr hilfreich, einen guten Überblick über UX-Methoden zu haben. Dies hilft ihnen zu erkennen, welche Maßnahme für ein bestimmtes Ziel sinnvoll ist. UX-Maßnahmen, wie z.B. Usability-Tests, sollten POs jedoch in der Regel nicht selbst durchführen. Zum einen verlieren sie dadurch Zeit für ihre eigentliche Arbeit der Wertmaximierung. Zum anderen können das die UX-Expert:innen im Team einfach besser.

UX-Professionals im Team

UX-Professionals sollten sich als Team Enabler verstehen, die das Team in seinem Lernprozess und bei der Umsetzung der gemeinsamen Vision unterstützen. Gute UX ist Teamarbeit. Am wirksamsten arbeiten UX-Professionals direkt im Entwicklungsteam. Je näher sie an der Entwicklung sind, desto besser.

Kommunikation und Überzeugung

Die Kommunikation zwischen POs und UX Professionals erfordert gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven und Ziele. Beide Rollen stehen mit ihrem Verhalten für bestimmte Werte ein. Es ist zielführender zu verstehen, um welche Werte es geht, als sich gegenseitig als Gegner zu sehen. UX Professionals und POs brauchen auch eine gemeinsame Sprache. Und, eine gemeinsame Vision hilft auch immer.

Dominiques ultimativer Tipp zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen PO & UX

Lasst uns herausfinden, was nicht gut funktioniert (z.B. Sprache, Ziele, Vision). Wenden wir unsere eigenen UX-Methoden auf die Zusammenarbeit an. Lasst uns herausfinden, wo es Konflikte gibt und welche Bedürfnisse erfüllt werden müssen.

Und, schaut Euch das POEM – Product Ownership Evolution Model an. Es kann Euch helfen, die Product Ownership zu visualisieren, zu diskutieren und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Vielen Dank

Vielen Dank, Dominique, für die wertvollen Impulse und Einblicke in die PO-Welt, vielen Dank an alle Teilnehmenden für die Diskussion sowie vielen Dank an Ergosign und cxomni für die Unterstützung des Experience Campfires.

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