Mit Mut und gezieltem Stakeholder-Management von der UX-Designerin zur UX-Design-Lead #experiencecampfire

Der Weg von der operativen UX-Designerin zur fachlichen UX-Lead ist kein gerader. Er ist gepflastert mit vielen kleinen Schritten, Selbstzweifeln, mutigen Entscheidungen und ganz viel Stakeholder-Mangement. In unserem Experience Campfire im November habe ich mit Simone Zunterer gesprochen, die genau diesen Weg gegangen ist.

Simone Zunterer ist UX-Teamlead und Projektleiterin bei EPLAN. Ihr Fokus im UX-Leadership liegt auf klugem Stakeholder- und Risikomanagement sowie der Vermittlung zwischen allen Beteiligten. Mit viel Empathie, Pragmatismus und einer Prise Humor sorgt sie dafür, dass die UX-Designer:innen bei EPLAN an einem Strang ziehen, um nutzerzentrierte Lösungen zu schaffen.

Die ersten Schritte in Richtung Führung

Simones Weg zur UX-Teamlead begann nicht mit einem klaren Karriereplan, sondern mit kleinen Schritten, die sie zunächst selbst nicht als Führung wahrgenommen hat. Als sie bei EPLAN arbeitete, war sie offiziell noch UX-Designerin, übernahm dann einige Aufgaben, die über das reine Design hinausgingen. Sie koordinierte Projekte und führte Gespräche mit Stakeholder:innen.

Der erste echte Leadership-Moment kam für Simone, als sie eine neue Kollegin für ihr Projektteam mit einstellen durfte. Plötzlich war da jemand, der zu ihr „aufschaute“.

Diese neue Person sollte unter ihrer Leitung arbeiten. Und plötzlich war sie „die da oben“. Dieser Moment traf sie mit voller Wucht. Nicht, weil sie es sich nicht zutraute, sondern weil sie spürte, wie sich die Dynamik veränderte. Was, wenn ich den Erwartungen nicht gerecht werde? Was, wenn die Anderen denken, ich müsste alles besser können? Der Wechsel von der Kollegin zur Verantwortlichen war nicht nur ein organisatorischer, sondern auch ein emotionaler Schritt.

Führung mit Klarheit, Offenheit und kollegialem Rückhalt

Der Wechsel von der operativen Designerin zur Führungskraft brachte für Simone eine fundamentale Veränderung mit sich. Sie musste lernen, loszulassen. Statt selbst am Bildschirm zu sitzen und Interfaces zu gestalten, wurde ihre Hauptaufgabe, ihr Team zu befähigen und zu unterstützen. Statt den Hut einer Chefin aufzusetzen, blieb Simone sich dabei selbst treu.

Diese Umstellung war nicht einfach. Simone musste akzeptieren, dass sie nicht mehr bei jedem Detail mitreden kann und dass ihr Team manchmal andere und bessere Lösungen findet als sie selbst. Gleichzeitig lernte sie, dass die Stärke von guter Führung darin liegt, Teams den Raum zu geben, sich zu entwickeln und eigene Wege zu finden.

Sie musste sich aber auch das theoretische Wissen und die praktischen Fähigkeiten der Führung aneignen. Dazu nutzte sie folgende Formate:

  • Führungskräftetraining 
  • Reflexion von konkreten Fragestellungen mit ihrer Führungskraft
  • Kollegiale Beratung mit anderen UX-Leads 

Eine wichtige Erkenntnis auf diesem Weg war für Simone, dass sie als Führungskraft nicht alles wissen muss. In der Führungsarbeit geht Simone daher offen damit um, wenn sie etwas nicht weiß:

Diese Ehrlichkeit schafft Vertrauen und zeigt dem Team, dass es völlig in Ordnung ist, auch mal nicht sofort eine Lösung parat zu haben. Für Simone ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Authentizität.

Human-Centered Stakeholder-Management

Ein zentrales Thema des Experience Campfires war das Stakeholder-Management. Simone verfolgt dabei einen systematischen und menschzentrierten Ansatz:

Sie hat gelernt, dass es dabei nicht darum geht, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern zunächst einmal zuzuhören und zu verstehen, was die anderen bewegt. Sie analysiert ihre Stakeholder:innen ähnlich wie Nutzer:innen. Ihre Erfolgsfaktoren:

  • Zuhören, wirklich verstehen wollen
  • Argumente auf die Ziele des Gegenübers zuschneiden
  • Storytelling nutzen, um zu zeigen, wie UX auf Business-Ziele und die Ziele der Stakeholder:innen einzahlt
  • Sich nicht über andere stellen, sondern Entscheidungsoptionen bieten

Simone arbeitet viel mit Storytelling. Sie passt ihre Kommunikation an die jeweiligen Stakeholder:innen an und verknüpft UX-Themen mit deren konkreten Zielen. Beispiel: Die Argumentation gegenüber eines hochrangigen Entscheiders, warum das Team eine weitere UX-Ressource braucht, baute Simone als strukturierte Entscheidungsgrundlage mit Risiken, Alternativen und Kosten aus Sicht dieses Entscheiders auf.

Simone hat gelernt, dass es nicht darum geht, Recht zu haben, sondern die beste Lösung für das Produkt und die Nutzer:innen zu finden. Manchmal bedeutet das auch, Kompromisse einzugehen und dabei die entsprechenden Risiken klar zu machen sowie diese im Blick zu behalten.

Mit Mut durch schwierige Situationen

Natürlich gab es auch Momente, in denen Simone leicht hätte aufgegeben können. Beispielsweise bekam sie auf ihre erste interne Bewerbung auf eine Führungsposition, scheinbar logische, aber entmutigende Aussagen: „Du hast ja noch keine Erfahrung in Führung.“

Ihre Taktik in solchen Momenten: Mutig & sachlich argumentieren und hartnäckig dranbleiben. Ein solche Vorgehensweise braucht viel Ausdauer und Energie. Ihre Energie holt sich Simone aus:

  • Beobachtung der erreichten Veränderungen (Eigenwirksamkeit)
  • Feedback und Wertschätzung von ihren UX-Kolleg:innen und von ihren Stakeholder:innen

Im ganzen Gespräch wurde deutlich, dass Simone für UX brennt. Sie übernimmt die Verantwortung nicht, weil sie muss, sondern weil sie es will. Aus meiner Sicht ist das eine der stärksten Kraftquellen, die es gibt: Leidenschaft für UX.

Ihr Tipp an ihr früheres Ich?

Auf die Frage, was sie ihrem früheren Ich raten würde, das gerade noch UX-Designerin bei EPLAN war, antwortet Simone:

Zusammen mit einer klaren persönlichen Vision (Wo will ich hin?) ergibt sich daraus eine gute Grundlage für die eigene Karriere.

Vielen Dank

Danke an Simone Zunterer für ihre Offenheit, ihre Geschichten und Einblicke zu UX-Leadership. Danke an alle, die sich mit eingebracht, Fragen gestellt und zugehört haben. 

Bis zum nächsten Mal.

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