Archiv für den Autor: Ulf Schubert

Über Ulf Schubert

Ulf Schubert ist Leiter User Experience bei DATEV eG in Nürnberg. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören u.a. die anwenderorientierte Oberflächengestaltung und die User Experience der DATEV Anwendungen. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre als Usability Consultant und UX Designer (u.a. bei GfK SirValUse) in Hamburg.

UX Stammtisch Franken: Hybrid Thinking

Großartig, inspirierend, Augen öffnend … was anderes fällt mir zum gestrigen UX Stammtisch nicht ein. Dr. Arndt Pechstein (phi360) begeisterte die 46 Teilnehmer des UX Stammtisch Franken im IT-Campus der DATEV mit einer fulminanten Vorstellung von Hybrid Thinking. Hybrid Thinking ist ein Denkansatz, der Innovationen durch das Lernen von der Natur (Siehe Biomimicry), durch die menschliche Intuition bzw. persönliche Intelligenz, Gruppenintelligenz und systemisches Denken zu Tage fördert. Es gibt von seinem gestrigen Vortrag zwar leider keine Aufzeichnung. Glücklicherweise gibt es aber eine von seinem TED X-Talk, in dem er den Denkansatz in einer guten Viertelstunde vorstellt:

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Dr. Arndt Pechstein für seinen Vortrag sowie bei der DATEV für die Bereitstellung der Räumlichkeiten herzlich bedanken. Danke, das war klasse! 🙂

German UPA sucht Eure Produktinnovation

Die German UPA schreibt auch in diesem Jahr wieder die UX Challenge aus. Die Challenge richtet sich an UXler aus Wissenschaft und Wirtschaft. Gesucht werden, wie im letzten Jahr, innovative Produktideen. Zu gewinnen gibt es 1x 2.000,- Euro, 1x 1.500,- Euro, 1x 1.000,- Euro und 2x 500,- Euro.

Im Detail

  • Es soll ein Video (Länge max. 3 Min.) produziert werden, das einen Prototypen für ein innovatives Produkt und dessen Nutzung vorstellt.
  • Ein 2-seitiges Paper soll die Idee und das Ergebnis beschreiben und zusammen mit dem Video eingereicht werden.
  • Die Einreichung kann in Deutsch oder Englisch verfasst werden.
  • Die besten fünf Videos werden von einer Jury als Gewinner nominiert.
  • Die Gewinner werden im Juli 2018 bekanntgegeben.
  • Der/die HauptgewinnerIn werden live durch das Publikum der German UPA Abendveranstaltung im Rahmen der Mensch & Computer 2018 (link is external) ermittelt.
  • Einreichung mit Stichtag 30.05.2018 bis 23:59 Uhr.

Bewirb dich jetzt!

Es können sowohl Einzel- als auch Teamarbeiten (max. 5 Personen) eingereicht werden. Studierende und Nicht-Studierende können teilnehmen. Einreichungen mit Link zum Video nehmen wir bis zum 30.05.2018 unter challenge@germanupa.de

UNCOVER Designpreis 2018: Ausschreibung gestartet

Das Designfestival UNCOVER MANNHEIM ruft kreative Köpfe auf, ihre eigenen Interpretationen von REVOLUTION in Design umzusetzen. Der UNCOVER DESIGNPREIS zeichnet Arbeiten von Studierenden, Young Professionals, Freelancern und Agenturen aus, die sich mit dem Thema auseinandersetzen – egal, ob sie REVOLUTION neu erfinden oder sich ihr mit bekannten Mitteln nähern. Gesucht sind Prozesse, Projekte oder Produkte, die das Potenzial haben, unser Leben zu revolutionieren. Denn Gestaltung heute liefert Lösungen für die Gesellschaft von morgen.

Eine Teilnahme lohnt sich. Neben attraktiven Geldpreisen werden alle nominierten Projekte, Werke, Installationen während des UNCOVER Designfestes als Ausstellung in der Mannheimer Multihalle vom 1. bis 10. Juni 2018 präsentiert. Eine interdisziplinär zusammengesetzte Jury bewertet die Einreichungen in den insgesamt vier Kategorien.

Einsendeschluss ist der 8. April 2018. Alle wichtigen Informationen rund um den UNCOVER Designwettbewerb 2018 gibt es hier:
http://designpreis.uncover-mannheim.de

DATEV sucht Senior User Experience Designer (m/w) – Nürnberg

Auszug aus Stellenanzeige

Ihre Perspektiven

Sie arbeiten eigenverantwortlich in wechselnden Aufgaben an der digitalen Transformation. Sie nutzen agile Entwicklungsmethoden und innovativen Technologien zur Gestaltung neuer Benutzeroberflächen und neuer Bedienkonzepte für unsere Softwarelösungen. Ihre Skills werden durch die Projekterfahrung in unterschiedlichen Produkten stetig weiterentwickelt.

In diesem Kontext:

  • arbeiten Sie mit hoher Eigenverantwortung und Selbstorganisation in agilen und interdisziplinären Teams
  • analysieren Sie komplexe Anforderungen aus Nutzersicht und entwickeln das Interaction- und Visual-Design
  • gestalten Sie betriebswirtschaftliche Services und helfen die Arbeitsprozesse unserer Kunden optimal zu unterstützen
  • arbeiten Sie an der Entwicklung der Designsprache im Bereich Interaction Design, Visual Design, Motion Design, Typographie zusammen mit anderen UX Designern der DATEV
  • gestalten Sie wiederverwendbaren User Interface Patterns und erarbeiten Best Pracitces für die Gestaltung
  • beraten und coachen Sie Fachabteilungen zum Human-Centered-Designprozess und Design Thinking

Werden Sie Teil unserer Community mit über 2.000 Softwareentwicklern und arbeiten Sie in unserem hochmodernen IT-Campus auf Basis agiler Methoden an der IT-Zukunft unserer Kunden. Wir bieten Ihnen einen modernen Arbeitsplatz mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Es erwartet Sie ein innovatives Umfeld mit neuen Kontakten und immer wieder neuen Herausforderungen.

Jetzt bewerben.

Mehr zu dieser Stelle

Senior User Experience Designer (m/w)

#bodier discovery – Innovationspotentiale bei B2B-Zielgruppen einfach erkennen

Bekanntermaßen stellt die Digitalisierung einige Unternehmen vor die Herausforderung, dass sie mit ihren aktuellen Produkten ihre Kunden zukünftig nicht mehr zufriedenstellen können. Um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können, gilt es neue Kundennutzen zu stiften und damit bestehende sowie potentielle Kunden zu begeistern.

Soweit so gut. Da liegt es nahe, einfach ein paar Kreativitätsworkshops zu machen und mit den Mitarbeitern Ideen für neue Kundennutzen zu sammeln. In der Regel klappt das aus quantitativer Sicht auch ganz gut. Mit den richtigen Kreativitätstechniken und Moderation ist es leicht Menschen kreativ werden zu lassen. Leider sind die Ideen, die auf diese Weise zu Tage gefördert werden meist recht nahe liegend. Große Kundennutzen lassen sich auf diesem Weg in der Regel nicht erkennen.

Am Schreibtisch kann man nicht herausfinden, wie der Orang-Utan denkt. – Hasso Plattner

Echte Innovationspotentiale lassen sich meist nur erkennen, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und danach sucht. Die Frage ist nur, wie man danach suchen kann. Jetzt könnte man einen Design Sprint oder eine Schatzsucherwoche nach der anderen machen. Dazu müsste man aber zumindest schon mal eine Ahnung davon haben, wo bzw. wonach man so ungefähr suchen soll.

Tomer Sharon hast dazu in „Lean User Research“ einen interessanten Ansatz zur Suche nach Ideen für Innovationen beschrieben. Sein Ansatz basiert auf der Suche nach Routinen, eingeübten Verhaltensweisen, Störungen von Abläufen, Beeinträchtigungen, Begeisterung, Besessenheit oder Langeweile direkt vor Ort beim Kunden bzw. Anwender. Durch eine Beobachtung mit diesem Fokus lassen sich Probleme erkennen, aus denen sich wiederum Suchfelder bzw. Design Challenges für Design Thinking-Workshops ableiten lassen.

Martin Groß und ich haben den Ansatz von Tomer Sharon für die Suche in B2B-Zielgruppen in ein einfaches Format verpackt und ausprobiert. Wir nennen unser Format #bodier discovery. #bodier steht dabei für boredom, obsession, disturbance, impairment, enthusiasm und routine.

Im Mittelpunkt der #bodier discovery steht die Beantwortung von 6 Fragen:

  • Gibt es Aufgaben in Ihrer täglichen Arbeit, die Sie zwar machen müssen, aber überhaupt nicht leiden können?
  • Welche Probleme haben Sie in Ihrer täglichen Arbeit immer wieder?
  • Welche Dinge machen Sie in der täglichen Arbeit immer wieder aufs Neue auf die gleiche Art und Weise?
  • Was ist Ihnen an Ihrer Arbeit besonders wichtig?
  • Gibt es in Ihrer täglichen Arbeit Dinge, auf die Sie lange warten müssen?
  • Welche Veränderungen erwarten Sie für Ihren Beruf in den nächsten Jahren?

Das Suchfeld, welches die Fragen beschreiben, kann sich allgemein auf die tägliche Arbeit oder konkretere Arbeitsbereiche beziehen. Eine #bodier discovery unterteilen wir in 4 einfache Schritte: Vorbereitung, Selbstbeobachtung, Discovery und Bewertung.

Vorbereitung
Im Vorfeld der #bodier discovery haben wir uns überlegt bei welcher B2B-Zielgruppe wir nach Ideen suchen wollen. Entsprechend dieser Zielgruppen haben wir aus 4 Unternehmen je 2 Probanden für ein 1-2 stündiges Interview am Arbeitsplatz rekrutiert. Die Probanden haben dann ca. ein bis zwei Woche vor dem Interview ein Vorbereitungspaket mit den 6 Fragen erhalten. Jede Frage wird auf ein farbiges dickeres A4-Blatt geschrieben. Die Fragenkarten sind so gestaltet, dass sie im Arbeitsumfeld platziert werden können und immer wieder ins Auge fallen. Sie enthalten die Frage und bieten Platz für Notizen der Testperson.

Selbstbeobachtung
Die Probanden werden gebeten zur Beantwortung der 6 Fragen innerhalb der Vorbereitungszeit die Dinge zu notieren, die ihnen in ihrem Arbeitsumfeld auffallen. Um sicher zu gehen, dass es keine Anlaufschwierigkeiten gibt, rufen wir die Probanden kurz nach Erhalt des Vorbereitungspaketes an und besprechen offene Fragen.

Discovery
Die eigentliche Discovery findet dann in Einzelinterviews am Arbeitsplatz statt. Interviewer und Proband gehen gemeinsam die Notizen durch. Der Proband zeigt und erläutert seine Antworten anhand der echten Abläufe und Artefakte in seiner Arbeitsumgebung. Auf diese Weise kann der Interviewer sehr gut beobachten und verstehen, was gemeint ist. Die beiden Einzelinterviews pro Unternehmen helfen dabei subjektive Problemstellungen von tatsächlichen Problemen im Arbeitsalltag zu unterscheiden. Die Beobachtungen schreiben bzw. skizzieren die Interviewer in ein unstrukturiertes Protokoll. Dabei stehen die Fragen Was? und Warum? im Mittelpunkt. Für die Interviews haben wir folgende Materialien im Gepäck: Notizblöcke mit einzelnen Fragen pro Seite, Datenschutzerklärungen und ein Bogen für die Abrechnung der Aufwandsentschädigung.

Bewertung
Zur Bewertung werden die gesammelte Erkenntnisse durch alle Interviewer konsolidiert, geclustert und bewertet. Wir gehen dabei so vor, dass wir in den ersten 20-30 min auf Basis der Interviews Design Challenges formulieren, z.B. „Wie können wir Sachbearbeitern in Unternehmen dabei helfen die Anwesenheitszeiten von Mitarbeitern zu erfassen und abzurechnen.“. Danach stellen wir uns in weiteren 20 min die Design Challenges gegenseitig vor und clustern sie. In den letzten 10 min werden die Design Challenges nach der Frage „Bei welcher ungelösten Design Challenge wären unsere Kunden sehr begeistert, wenn wir sie lösen würden.“ bewertet. Jeder Teilnehmer hat dafür 1 Klebepunkt im Wert von 3 Punkten, 1 Klebepunkt im Wert von 2 Punkten und 1 Klebepunkt im Wert von 1 Punkt. Am Ende steht eine Design Challenge, die wir mittels Schatzsucherwoche oder Design Sprint erlebbar und entscheidbar machen können.

Wir haben auf diese Weise sehr interessante und vielversprechende Innovationspotentiale aufdecken können. Ich kann Euch daher nur empfehlen die #bodier discovery selbst mal zu probieren. Wenn Ihr das tut, würden mich Eure Erfahrungen sehr interessieren.

DevCamp.create am 09.03. in Würzburg für UX Designer

Am 09. März 2018 findet in Würzburg das DevCamp.create statt. Das DevCamp.create ist ein BarCamp, welches sich dieses Mal insbesondere an UX Designer wendet:

Wenn sich die Entwicklergemeinde zum Developer Camp 2018 trifft, bleiben Design- und UX-Themen meist auf der Strecke. Das werden wir ändern!

DevCamp.create ist ein Barcamp von kreativen Köpfen für kreative Köpfe, die komplexe Projekte in einem kreativen Umfeld umsetzen und dabei die Usability, User Experience und das Design in den Mittelpunkt stellen wollen.

Wenn Du Dich zur Gruppe der Usability-Interessierten/-Professionals, UX-Nerds, UX-/UI-Designer, Design Thinker, Konzepter oder Designer und Kreative im Allgemeinen zählst, bist Du hier genau richtig.

Folgende Themen schwirren uns im Kopf herum: Jobs to be done, How to handle Personas, Usability meets DIN-Norm, Breaking UX, UX meets AI, etc. Deinen kreativen Einfällen sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Du selbst etwas beitragen willst, hast Du mit diesem Google Docs die Möglichkeit, Deine Sessionvorschläge und -wünsche mit der Welt zu teilen.

Mehr zum DevCamp findest Du hier:

https://create.developercamp.io/

Trends und Themen für UX in 2018

Es ist Januar 2018 und für mich wieder eine gute Gelegenheit zu überlegen, welche Trends und Themen mich in den kommenden 12 Monaten rund um User Experience, Product Design und Design Management beschäftigen werden.

Design Leadership

In Managementkreisen ist es mittlerweile eine Binsenweisheit, dass Product Design eines der wesentlichen Differenzierungsmerkmale und Erfolgskriterien für digitale Produkte ist. Product Design vermittelt zwischen geschäftlichen Zielen, Technologien und den Lebenswelten der Kunden. Es ist eine der Disziplinen, die einen zentralen Einfluss auf das Erlebnis der Kunden mit den Produkten und Diensten eines Unternehmens haben.

Dazu passt, dass ich in den vergangenen Monaten aus vielen produktentwickelnden Unternehmen gehört habe, dass diese ihre interne Gestaltungskompetenzen durch die Einstellung von (UX-)Designern, die UX-Ausbildung von Mitarbeitern und den Aufbau von internen Designteams bzw. Designorganisationen gestärkt haben. Einige Unternehmen haben Designstrategien und Zukunftsvision erarbeitet, um ihren Mitarbeitern Orientierung zu geben und ihren Kunden ihre Zukunftsfähigkeit zu beweisen. Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Es bleiben also auch die kommenden Monate rosige Zeiten für UX-Designer.

Aber auch rosige Zeiten bringen ihre Herausforderungen. Ich gehe davon aus, dass der Wettbewerbsdruck durch die digitale Transformation und die geringeren Markteintrittsbarrieren für Startups in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird. Es genügt nicht, dass Unternehmen die nötige Gestaltungskompetenzen besitzen. Ich gehe davon aus, dass die Kompetenz und Exzellenz mit der Product Design in Unternehmen geführt wird, eine zentrale Stellung einnehmen wird. Während die Gestaltungskompetenz die Grundlage bildet, dass Unternehmen überhaupt gute Produkte gestalten können, ist exzellentes Design Management die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen zielgerichtet, wiederholbar und effizient erfolgreiche Produkte gestalten können.

Die Professionalität im Design Management ist außerdem der Schlüssel dazu, dass über Product Design und Design Thinking nachhaltig neue Dienste und Produkte entstehen können, die Unternehmen dabei helfen in der 3. industriellen Revolution zu bestehen.

Künstliche Intelligenz

Stichwort – 3. industrielle Revolution. In den letzten Monaten haben zahlreiche intelligente Systeme das Licht der Welt erblickt und ihren Siegeszug angetreten. In erster Linie war das im privaten Bereich durch Alexa & Co. zu beobachten. Ich gehe davon aus, dass diese Systeme in 2018 auch Einzug in den geschäftlichen Bereich halten werden. Ob wir in 2018 auf breiter Front bereits unsere Kalender und Termine über Alexa & Co. organisieren lassen können oder im Kundenservice immer mehr mit Bots kommunizieren werden, wage ich aktuell noch nicht zu bewerten. Aber die ersten Schritte in diese Richtung waren bereits Ende 2017 zu sehen. (Siehe „Alexa for Business – Empower your organization with Alexa“)

Für UX-Designer ist es daher definitiv an der Zeit sich mit der Gestaltung von intelligenten Systemen, wie Bots und Automaten, zu beschäftigen. Dabei ist nicht nur wichtig, Wissen zur Gestaltung von Conversational User Interfaces … also Chatbots und Sprachassistenten … aufzubauen. Auch intelligente Systeme ohne ein kommunikatives Interface werden Teil der User Experience. Schon heute ist beispielsweise in der Heimautomation zu beobachten, dass Systeme, die aufgrund bestimmter Verhaltensweisen, Muster oder Regeln ihrer Besitzer – und damit ohne direkte Interaktion mit ihnen – funktionieren, einen großen Teil des Gesamterlebnisses ausmachen. UX-Designer sollten sich damit auseinandersetzen, wie es gelingen kann aus den automatisierten Aktionen intelligenter Systeme, den sprachlichen Interaktionen und den klassischen Interaktionen über Bildschirm-Interfaces ein ganzheitliches Produkterlebnis zu gestalten. Dabei wird ein wesentlicher Aspekt darin bestehen, wie die Markenbotschaften eines Unternehmens nicht nur in die visuell-interaktive Produktgestaltung übertragen werden, sondern wie diese in einen Charakter für das Gesamtsystem übersetzt werden können.

Im vergangenen Jahr ging ich noch davon aus, dass die große Herausforderung bei der Gestaltung von intelligenten Systemen darin liegen wird, das Vertrauen der Anwender zu gewinnen. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es erfahrenen UX-Designern mit Leichtigkeit gelingen wird, Vertrauen in künstliche Intelligenz zu erwecken. Ich gehe sogar davon aus, dass es am Ende so sein wird, dass Menschen zu schnell zu großes Vertrauen in solche Systeme entwickeln werden. Wir werden uns bei der Gestaltung von intelligenten Systemen auch mit den negativen Effekten der Automatisierung, wie Automation complacency, Automation bias und De-Skilling befassen müssen. Automation complacency bedeutet, dass erste erfolgreiche Arbeitsleistungen von Automaten darin münden, dass Anwender zu schnell damit zufrieden sind und Aufgaben ohne Nachkontrolle und Monitoring an Automaten delegieren. Automation bias bedeutet, dass Automaten von Menschen verzerrt wahrgenommen werden. Anwender entwickeln zu schnell blindes Vertrauen und hinterfragen bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr kritisch. De-Skilling bedeutet, dass Anwender die Tätigkeiten verlernnen, die automatisiert wurden und dann im Ernstfall nicht mehr erkennen können, dass etwas schief läuft bzw. nicht mehr schnell genug eingreifen können. (Siehe „Computers, Automation and the Human Future #chi2017“ #uxblog)

Data Science für UX

Ich glaube, dass die Analyse und Auswertung von Daten – neudeutsch Data Science – in den kommenden Monaten zunehmend Teil des Handwerkszeugs von UX-Designern werden sollte. Data Science ist die Wissenschaft, die sich mit der Extraktion von Wissen aus Daten beschäftigt. Data Scientists bedienen sich dazu Methoden aus Informatik, Mathematik, Statistik, maschinellem Lernen und Mustererkennung. Die Methoden und Fähigkeiten der Data Scientists sind unerlässlich für die Entwicklung von intelligenten Systemen. Ich glaube, dass die Entwickler der Zukunft zu großen Teilen Data Scientists sein werden. Es versteht sich daher von selbst, dass ich eine gute Zusammenarbeit zwischen UX Design und Data Science für die Gestaltung intelligenter Systeme für sehr erstrebenswert halte. Dazu gehört auch, dass UX-Designer sich grundlegende Kenntnisse in Data Science aneignen.

Darüberhinaus wird die Datenschutz-Grundverordnung ab Mai 2018 einige Veränderungen für den geschäftlichen Umgang mit persönlichen Daten mit sich bringen. (Siehe Datenschutz-Grundverordnung) Die Regeln des Datenschutzes werden sich dadurch nicht gravierend ändern, allerdings die Konsequenz mit der sie angewendet werden.

Ich halte diese Erneuerung allerdings nur für einen ersten Schritt zur Regulierung des Umgangs mit pers. Daten. Das Teilen von persönlichen Daten bildet die unbedingte Grundlage für nahezu alle digitalen Dienste. Viele Menschen sind auch bereit Informationen zu teilen, wenn sie dafür etwas bekommen, was sie haben wollen. Dabei ist allerdings den wenigsten bekannt, was mit den Daten im Detail passiert. Die Nutzungsbedingungen digitaler Dienste erklären nicht verständlich, was mit genau mit persönlichen Daten passiert und was dies für Konsequenzen für die Anwender haben kann. Dies liegt zum Teil daran, dass die Anbieter noch nicht im Detail wissen, was sie alles mit den Daten anfangen können und was dies für Konsequenzen im Detail haben könnte. Sie verwenden daher sehr weit gefasst Formulierungen. Teilweise ist es aber auch sehr komplex Formulierungen zu finden, die sowohl den rechtlichen Bestimmungen und geschäftlichen Interessen als auch der Aufnahmefähigkeit der Anwender gerecht werden. Am Ende bleibt für die Anwender nur die Wahl zwischen „Zustimmen, ohne genau zu wissen, was es bedeutet.“ oder „Ablehnen und auf den Dienst verzichten“. Eine Verhandlung zwischen den Interessen digitaler Dienste und deren Anwender um die Währung „persönliche Daten“ ist heute nahezu unmöglich.

Es wird eine große Herausforderung einen Weg zu finden, Produkte und Dienste so zu gestalten, dass die Anwender wieder Kontrolle über ihre persönlichen Daten erlangen und einfach steuern können, wem sie welche Informationen für was geben. Ich erwarte daher, dass es zunehmend Aufgabe des UX Designs werden wird, sich damit zu beschäftigen, wie die Nutzung und den Fluss von persönlichen Daten in digitalen Ökosystemen für Anwender sichtbar, verständlich, steuerbar und ggf. verhandelbar gemacht werden kann.