Ich beschäftige mich gerade damit, wie erfolgreiches Produktdesign heute in großen Technologie-Unternehmen organisatorisch implementiert ist und bin dabei auf eine schicke Präsentation von David Sherwin und Justin Maguire zum Thema "Work in Progress: Thoughts on Design Leadership" gestoßen:
Siehe auch
Amazon bietet ja nun neben Büchern und Haushaltsgeräten auch Lebensmittel an. In der Presse hieß es, dass dem Service von Experten ein hohes Potential eingeräumt wird.

Source: amazon.de
Nun war es dieses Wochenende eh so heiß, dass ich eigentlich keine Lust darauf hatte in den Supermarkt zu fahren. Also kam diese Nachricht genau zur richtigen Zeit und brachte mich darauf meinen Wocheneinkauf mal bei Amazon zu versuchen.
Ich muss dazu sagen, dass ich kein Neuling in Sachen Online-Lebensmittelkauf bin. Meine erste Erfahrungen waren aber ehrlich gesagt nicht so toll. Beispielsweise wurden anstatt der 10 bestellten Tomaten 10kg geliefert und der Kurier bestand auf die Abnahme der Ware.
Nun gut - Amazon investiert genug in die Usability des Shops, sodass dieser Fehler wahrscheinlich nicht nochmal passiert. Also Einkaufsliste raus und zu Amazon Wocheneinkauf tätigen. Leider wollte es nicht so recht klappen:
- Es gab nicht alles bzw. es ist schwer bestimmte Sachen zu finden z.B. Orangensaft aus Direktsaft,
- Die Preise sind teilweise deutlich höher als im Supermarkt,
- Es ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und verwirrend, dass Druckerpatronen neben Säften in den Suchergebnissen auftauchen, außerdem leitet die Suchfunktion einen immer wieder mal zu Suchergebnissen für alle Kategorien. Sprich man sucht nach "Äpfeln" und findet das Buch "Vier Äpfel" von David Wagner in dem ein Mann einkaufen geht. Wie sinnig :-)
- Der Warenkorb wird wegen der vielen Einzelartikel schnell sehr unübersichtlich, so dass es schwer fällt den Überblick zu behalten,
- Das Shopsystem ist nicht wirklich auf Lebensmittel ausgerichtet: Beispiel: "Hüftsteak, Zustand: neu" - Hoffe nicht, dass es auch "Hüftsteak, Zustand: gebraucht" gibt.

Source: amazon.de
- Der Einkauf im Supermarkt ist auch eine Inspirationsquelle fürs Wochenend-Menü. Beispielsweise werfe ich gern mal die Kochpläne über Bord, wenn es frische Pfifferlinge o.ä. gibt. Leider fehlt dass beim Shoppen auf Amazon total. Man wird doch sehr gezielt geführt und die Empfehlungen passen für den Lebensmittelbereich überhaupt nicht.
Am Ende bin ich dann doch in den Supermarkt gefahren und habe mich mit meinem Einkaufswagen durch die Massen gekämpft.
Mein Fazit: Der Lebensmitteleinkauf wird bei Amazon in seiner aktuellen Form genauso ein Schattendasein führen wie bei anderen Online-Shops. Es macht einfach keinen Spass. Der einzige Nutzen ist, dass man sich nicht durch überfüllte Gänge quetschen und an langen Kassenschlangen anstellen muss. Dieser Nutzen wird allerdings schnell durch den Verlust an Inspiration und z.T. deutlich höheren Preisen zunichte gemacht. Es bleibt wohl vorerst dabei, dass Online-Lebensmittel-Handel sich nur für Spezialitäten und besondere Lebensmittel eignet.
Habe gerade gesehen, dass das Programm für den German UPA Track auf der diesjährigen Mensch und Computer veröffentlicht wurde. Bei den spannenden Sessions muss ich nochmal in mich gehen, ob ich nicht doch nach Duisburg fahre. Hier eine Auswahl:
- Funktionalität, Usability und schönes Design -Herausforderungen bei der Wahl der richtigen Client Technology
- Agile UX. Wege zur agilen nutzerzentrierten Entwicklung - eine Einführung
- Technik natürlich nutzen - NUI-Design in der Praxis
- Technologie, die verbindet? Die bedürfniszentrierte Gestaltung von Kommunikationstechnologien für Liebende (und andere, die sich gerne mögen)
- User Centered Product Innovation. Methoden zur Bewertung von innovativen Produktideen aus Nutzersicht
- Interkulturelle Usablility
- User-Centered-Design Kenngrößen und Return on Investment
- Konfliktmanagement für UX Professionals
- User Experience bei Statusmeldungen, Schwerpunkt Mobile Design
- Branchenreport Usability 2010
- Wegwerfen oder recyceln? User Interface Prototyping vor einer neuen Herausforderung
- UX evaluieren. Methoden zur formativen und summativen Evaluation der UX
- Enterprise 2.0 - Die Chance für Design Innovation
Wer fährt von Euch auf die diesjährige Mensch und Computer? Freue mich über Kommentare.
Gestern Abend habe ich einen spannenden Vortrag über Schwarmkreativität von Peter A. Gloor vom MIT Center for Collective Intelligence gehört. Der Vortrag drehte sich um die Frage, wie in Unternehmen Innovatoren bzw. Schwarmkreative identifiziert werden können.
Aus Sicht von Peter Gloor zeichnen sich Innovatoren dadurch aus, dass sie nicht nur kreativ sind, sondern auch einen Schwarm von ihren Ideen überzeugen können. Um dies zu verdeutlichen bemühte er die Metapher des Bienenstocks - sprich, wer erfolgreich Innovationen voranbringen will, muss den Schwänzeltanz beherrschen. Schwarmkreative Menschen zeichnen sich nach seiner Meinung dadurch aus, dass sie gut vernetzt sind (Degree of Connectivity), schnell auf Anfragen reagieren (Degree of Interactivity) und möglichst viel veröffentlichen (Degree of sharing). Einen besonderes Augenmerk hat er in seinem Vortrag immer wieder auf das Teilen und Veröffentlichen gelegt. Dabei gilt:
"Don't be a star, be a galaxy."
Damit ist gemeint, dass sich Innovatoren nicht zum Mittelpunkt der Kommunikation um eine Idee machen sollten, sondern eher als Teil eines Kommunikationsnetzwerkes fungieren sollten.
Eine wichtige Erkenntnis ist aus seiner Sicht, dass sich Innovationsprozesse nicht direkt steuern lassen. Es ist ein bisschen wie Ballonfahren. Man wartet bis der Wind gut steht, steigt auf und lässt sich vom Wind treiben. Mit ein bisschen Glück findet man dann eine innovative Idee.
"In order to gain control, give up control."
Für das sogenannte Cool Hunting, sprich die Suche nach schwarmkreativen Menschen, hat Peter Gloor mit seinen MIT Kollegen ein Software-Tool entwickelt. Mit diesem können auf Basis von digitalen sozialen Netzwerken bzw. Systemen, wie z.B. Email, XING und Facebook, sogenannte COINs (Collaborative Innovation Networks) identifiziert werden. COINs sind so eine Art Keimzelle der Innovationen in deren Zentrum der Innovator steht.
Zum Abschluss seines Vortrages hat er noch ein paar ganz interessante Ergebnisse aus Studien mit diesem Analysetool vorgestellt:
- Anhand der Leidenschaft mit der Diskussionen über einen Film in Internetforen geführt werden, lässt sich vorhersagen, wie viel Geld der Film einspielen wird. Dabei ist es unerheblich, ob der Film geliebt oder gehasst wird, beides führt zum Erfolg. Ein Anzeichen für Misserfolg ist es, wenn über einen Film weder positiv noch negativ gesprochen wird.
- Je größer ein Kommunikationsnetz eines Startup-Gründers ist (insbesondere zum Mitbewerb), umso höher ist die Erfolgschance des Unternehmens.
- In Bezug auf Teamarbeit fand er heraus, dass ein Produktionsteam nicht kreativ sein kann und ein Kreativteam nicht produktiv. Grund: Produktionsteams brauchen Hierarchie um gut zu funktionieren. Für Kreativität sind hierarchische Organisationen nicht förderlich.
- Je mehr in einem Unternehmen oder Projekt über die Hierarchiestufen hinweg kommuniziert wurde, um so erfolgreicher ist es.
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Daniel Meyer (Leiter Marktforschung Google Nord und Zentraleuropa) hat über Ansätze gesprochen, wie sich ein ein gutes Verständnis zum Nutzerverhalten im Web und dessen Auswirkungen, z.B. auf das Kaufverhalten, ermitteln lässt. Dies kann nach seiner Aussage nur schwer über Befragungen ermittelt werden, da sich die meisten Nutzer kaum erinnern, was sie in letzter Zeit im Web gesehen oder genau gemacht haben.
Um an Erkenntnisse zu kommen, inwieweit sich beispielsweise Werbeeinblendungen auf youtube tatsächlich auf das Kaufverhalten auswirken, hat Google LEOtrace (ein Werkzeug zur Erhebung von qualitativen Nutzerfeedback und quantitativen Nutzerverhaltensdaten) im Web Efficiency Panel der GfK eingesetzt. Dabei wurde das Nutzerverhalten an den Rechnern der Testpersonen sowie das Feedback der Testpersonen mit LEOtrace aufgezeichnet. Zusätzlich meldeten die Teilnehmer des Panels regelmäßig welche Einkäufe sie getätigt haben.
Aus der Kombination von Verhaltens- und Befragungsdaten konnten dann dann interessante Erkenntnisse abgeleitet werden. Einige davon sind auf der Webseite Full-value-of-search.de veröffentlicht.
In Kürze wird Google eine Studie namens "GoSmart" veröffentlichen, welche gemeinsam mit OTTO, TNS und Trendbüro durchgeführt und in der das gleiche Verfahren auf das mobile Internet übertragen wurde.
Siehe auch
Holger Pabst hat in seinem Vortrag über die Entwicklung des neuen zentralen Designs für die Volkswagen Websites gesprochen.

Source: volkswagen.it
Ziel war es ein neues Design zu entwickeln, das "einfacher", "lokaler" und "emotionaler" als das bisherige wahrgenommen wird. Das neue Design geht weg vom bisher eher an Papierlayout orientiertem Design hin zu interaktiven Applikationen. Die Informationsarchitektur wurde von einem eher hierarchischem Organigram hin zu einem flachen Netzwerk weiterentwickelt, damit die Bedürfnisse der Besucher noch besser erfüllt werden können. Dabei ware ein kontinuierlicher Usability-Prozess integraler Bestandteil der Konzept- und Design-Entwicklung.
Spannend fand ich die folgenden drei Dinge:
- Das neue Design ist so angelegt, dass Inhalte und Design konsequent getrennt sind. Inhalte werden dabei über ein datengetriebenes Publishingverfahren an mehreren Stellen automatisch wiederverwendet. Daraus ergeben sich natürlich ganz neue Herausforderungen an die gestalterische Umsetzung, da bei der Gestaltung nicht vollständig klar ist, in welchem Umfeld die Inhalte später auftauchen.
- Das neue Design wurde mit insgesamt 470 Testpersonen aus 9 Ländern im Rahmen von Usability Test getestet.
- Cover Flow ist keine gute Gestaltungsmetapher für das Durchblättern von Autos, da Anwender die Modelle nicht genug unterscheiden können.
Das neue Design ist bereits auf der Webseite von Volkswagen in Italien einsehbar.
