Für mich war die IA eine sehr schöne und persönliche Konferenz. Es war nicht immer alles perfekt, aber insgesamt war meine „Conference Experience“ großartig. Viele interessante Kollegen, viele spannende Beiträge und wenig Distanz bzw. Berührungsängste zwischen den Teilnehmern.
Mir ist auf der Konferenz eine zentrale Frage aufgefallen, die mich stark an meine Anfangsjahre im Umfeld der User Experience erinnert hat. Das Berufsfeld der Informationsarchitektur bzw. Konzeption befindet sich in einer Art Findungsphase. IAs bzw. Konzeptioner versuchen einen eigenen Platz zu finden und diesen zu etablieren. In mehreren Diskussionen und Beiträgen wurde die Frage nach der konkreten Rolle und Bedeutung von Informationsarchitektur gestellt. Insbesondere ging es dabei um einen definierten Standpunkt bzw. Stellenwert gegenüber Design und Entwicklung zu finden.
Ein bisschen erinnert mich diese Diskussion an die, die vor einigen Jahren in der Software- bzw. Produktentwicklung stattgefunden hat. Damals kämpfte das Berufsfeld Usability um einen festen Platz.
Mich wundert es ein wenig, dass so eine Diskussion nun erneut entbrennt. Im Prinzip bestellen viele Disziplinen das Feld der User Experience. Der Anwender soll ein positives Erlebnis mitnehmen können und das Produkt, der Services, die Kampagne, usw. soll die gesetzten Businessziele erfüllen. Alle beackern das gleiche Feld, nur die Farbe der Traktoren unterscheidet sich.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Grund für das Aufkommen dieser Diskussion auch in der Branche begründet ist. Informationsarchitekten bzw. Konzeptioner finden sich oft in der Marken- und Unternehmenskommunikation und müssen sich dort gegen einen fast übermächtigen Kreations-Bereich behaupten.
Für die Gestaltung einer guten User Experience sind viele Disziplinen notwendig. Dabei ist es aus meiner Sicht völlig unerheblich, ob die jeweiligen Disziplinen in einem Projekt in einer Person vereint oder über mehrere verteilt sind und wie nun genau die einzelnen Rollen benannt sind. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die verschiedenen Sichtweisen (IA, Usability, visuelles Design, Marke, Entwicklung,…) beim User Experience Design Berücksichtigung finden.


Disziplinen des User Experience Design

Es geht um ein effektives Miteinander der Disziplinen und nicht um die Frage welche Disziplin nun den höheren Stellenwert hat.
„It is amazing what you can accomplish if you do not care who gets the credit.“ (Harry S. Truman zitierte einen Spruch auf dem Schreibtisch von Ronald Reagan)

Siehe auch

IA Konferenz 2009

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.