Guy Barker (Senior Software Development Engineer Microsoft) sprach in seinem Vortrag über die Entwicklung von barrierefreien Metro-Style Apps mit HTML5.
Eine Studie von Forrester Research aus dem Jahr 2004 zeigte, dass in den USA 17% der Anwender körperliche Beeinträchtigungen, 40% leichte Beeinträchtigungen (z.B. Fehlsichtigkeiten) und 43% keine Beeinträchtigungen haben. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit von barrierefreien Applikationen deutlich.
Die Industrie-Standards HTML5 und Accessible Rich Internet App (ARIA) bilden eine gute Grundlage für barrierefreie Metro-Style Anwendungen. Mit Hilfe von ARIA können herkömmliche User Interfaces um Informationen für Barrierefreiheit ergänzt werden, z.B. Informationen für Screenreader. Beispielsweise können mit Hilfe von ARIA-Tags zusätzliche Benennungen zu Controls hinzugefügt werden, die es für einen Screenreader-Nutzer einfacher machen durch die Anwendung zu navigieren. Auf diese Informationen kann über das UI Automation API zugegriffen werden.
Die neuen Windows Controls aus dem Windows 8 SDK und Templates für Metro-Style Apps in Visual Studio 11 bringen bereits eine grundlegende Unterstützung für Barrierefreiheit u.a. über ARIA mit, z.B. Unterstützung von Sprachausgabe, Tastatursteuerung und Hochkontrast-Darstellung. Diese Basis kann und sollte bei der Entwicklung um anwendungsspezifische ARIA-Informationen, z.B. zusätzliche Namen für Controls, ergänzt werden.
Für Metro-Style Apps ist die Berücksichtigung von Barrierefreiheit besonders wichtig, da die visuelle Gestaltung drauf abzielt nur die wesentlichen Informationen auf der Oberfläche anzuzeigen und die Gestaltung viel stärker visuell orientiert ist. Das führt dazu, dass beispielsweise Labels zu Eingabefeldern weggelassen werden, wenn sich deren Nutzen visuell erschließen lässt. Dies kann es für Screenreader-Nutzer nahezu unmöglich machen sich vollständig durch eine Anwendung zu navigieren und diese zu verstehen.
Interessante Punkte am Rande:
* Das Win8 Onscreen-Keyboard unterstützt nicht nur einen Klick-Modus, sondern auch einen Hover-Modus mit dem es möglich ist auf einfache Art und Weise die richtige Taste zu finden.
* Mit Hilfe von @media queries können spezielle Bilder für die unterschiedlichen Hochkontrast-Darstellungen des Betriebssystems bereitgestellt werden.
* Das Windows 8 SDK bringt Testwerkzeuge für Barrierefreiheit mit, z.B. UI Accessibility Checker.
* Barrierefreie Anwendungen können im Windows Store explizit gekennzeichnet werden. Über den Windows Store können Entwickler darüber hinaus eine Verbindung zur Barrierefreiheit-Community aufbauen.
Mein Fazit: Trotz der grundlegenden Unterstützung von barrierefreien Anwendung durch Windows 8 ist es notwendig das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung explizit zu berücksichtigen. Für eine gute Umsetzung der Anforderungen an Barrierfreiheit ist es notwendig den Programmcode zu erweitern.

Siehe auch

Video zum Vortrag
build windows
WAI ARIA

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.