Holger Deist aus dem UX Team für Research, Standards & Methods der SAP hat den Gestaltungs- bzw. Entwicklungsprozess für eine Software zur Steuerung von Prozessen in Unternehmen und Organisationen vorgestellt.
Im Wesentlichen entsprach das Vorgehen dabei dem klassischen SAP UCD-Ansatz „Plan – Research – Design – Adapt – Measure“. Neu war, dass die Beschreibungen von Use Cases, User Object Models und Informationarchitektur in visueller Form gemacht wurden.


Quelle: SAP Design Guild

Use Cases definieren – nach dem Begriffserständnis der SAP – die Abfolge einzelner Interaktionsschritte, die zum Erreichen eines bestimmten Zieles im System nötig sind. Die Gesamtheit aller Use Cases definiert den Funktionsumfang des Produktes. Sie beschreiben das „Was“ und nicht das „Wie“.
Neben Informationen zu den Anwendern, Zielen, Vorbedingungen und Auslöser enthalten die neue Form der Use Cases auch Task Flows bzw. Aktivitätsdiagramme. Diese Task Flows zeigen in einer UML-ähnlichen Sprache die einzelnen Schritte auf. Zusätzlich wurden darin die Stellen markiert, die aus Anwendersicht problematisch sind. Interessant ist, dass bewusst auf den Einsatz von UML verzichtet wird, um Missverständnisse aufgrund von Unklarheiten bei der zu verwendenden Notation zu vermeiden. Für die Visualisierung wurde Microsoft Visio verwendet.
Das User Object Model der SAP bietet einen konsolidierten Blick auf alle Objekte des Systems. Bildet die Struktur der Objekte (Attribute, Aktionen) aus Endbenutzersicht mit dessen Terminologie ab. Man kann sich das in etwa wie eine Tabelle vorstellen in der pro Spalte ein Objekt beschrieben wird.
Das beschriebene Projekt ist eines der ersten, die auf die grafische Visualisierung von Abläufen setzt. In den meisten anderen Projekten werden Use Cases und User Object Models textuell beschrieben.
Aus der Sicht von Holger Deist ergibt die grafische Visualisierung im Vergleich zur textlichen Beschreibung mehrere Vorteile:
* Visuelle Darstellungen sind schneller zu erfassen als lange textliche Beschreibungen,
* Sie helfen dabei ganzheitliche Konzept für komplexe Systeme aufzubauen,
* Ermöglichen den Aufbau einer modulare und skalierbare Architektur und
* Vermeidet Insellösungen
Als Fazit hat er noch mal die Wichtigkeit eines anwenderorientierten Gestaltungs- und Entwicklungsprozesses hervorgehoben.

Siehe auch

IA Konferenz 2009
SAP Design Guild

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.