Cennydd Bowles plädierte in seinem Vortrag dafür das Web nicht mehr nur aus der Sicht der unterschiedlichen Geräte zu betrachten. Beim Web geht es nicht darum, ob eine Anwendung nun für das „Desktop-Web“ oder um das „Mobile Web“ entwickelt wird. Das Web ist der Kern eines Ökosystems und die Geräte sind „nur“ die Zugänge dazu. Diese Sichtweise bezeichnet er als „The Wider Web“.
Die Herausforderungen des Wider Web sieht er in folgenden Punkten:
* Nutzungskontext, der sich von statischen Desktopszenarien bis hinzu mobilen Szenarien erstreckt,
* Viele unterschiedliche Bildschirmgrößen,
* Unterschiedliche Ausrichtung (Hochformat, Querformat),
* Wachsende Pixeldichte bzw. Auflösungen,
* Die Größe des verwendbaren Bildschirmplatzes ist nicht mehr vorhersagbar,
* Mehr Eingabemethoden, die von Maus und Tastatur über Touchflächen bis Gestenerkennung reichen,
* Die verfügbaren Bandbreiten variieren sehr stark, bis hin zu Offline-Zuständen,
* Man muss in Ökosystemen und Nutzungskontexten denken, anstatt einzelne Geräte isoliert zu betrachten. (Cross-device experiences)
Die wichtigste Änderung für Designer sieht er darin, dass diese zukünftig stärker modulare und flexible UI Konzepte erarbeiten, anstatt in den alten seitenbasierten Denk- und Arbeitsweisen zu verharren. Beispielsweise sollten Designs nicht auf Basis von absoluten Pixeln, sondern relative Proportionsangaben erstellen werden. Die Zeiten von statischen seitenbasierten Bedienoberflächen neigen sich dem Ende zu. Außerdem sollten Designentwürfe nicht mehr nur in statischen Bildern dargestellt werden, sondern müssen mit interaktiven Prototypen visualisiert werden.

To me to most critical approach is the prototype.

Er hat natürlich mehrfach auf die Wichtigkeit von User Research hingewiesen, aber auch anschaulich herausgearbeitet, dass UCD-Methoden, wie z.B. Usability Testing, noch nicht auf diese Herausforderungen ausgelegt sind und ebenso überdacht werden sollten. Beispielsweise setzt das Usability Testing immer eine fixe Nutzungsumgebung voraus, was nicht mehr so ganz zu dieser neuen Sichtweise passt.

Siehe auch

IA Konferenz 2011

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.