Eine UX-Community kann methodisch erstklassig arbeiten und sich mit voller Leidenschaft für gute Produkte einsetzen und trotzdem daran scheitern, die UX-Reife im Unternehmen weiterzuentwickeln. Vielleicht kennst Du das aus eigener Erfahrung. Trotz sauberer UX-Methoden, fundierter User Research, guter Designarbeit und tollem Teamklima bewegt sich die UX-Reife über Jahre kaum. Kleine Fortschritte hier und da, aber den großen Schritt nach vorn? Fehlanzeige.

Der erste Reflex in so einer Lage ist meist noch mehr in methodische Exzellenz zu investieren:
- “Wir müssen noch besser werden.”
- “Unsere Argumente müssen noch überzeugender sein.”
- “Wir müssen den Wert von UX besser vermitteln.”
Die Maßnahmen münden dann in noch einer UX-Methode, noch einem UX-Workshop, noch einem Intranetbeitrag oder noch einem Vortrag im Management. Ich habe lange selbst so gedacht. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass das gar nicht der entscheidende Punkt ist.
Denn UX-Reife wächst nicht gleichmäßig. Sie entwickelt sich nicht Schritt für Schritt, Jahr für Jahr ein bisschen weiter. Sie entwickelt sich lange fast gar nicht und springt dann plötzlich. Und wenn man genau hinschaut, passieren diese Sprünge nicht zufällig. Sie passieren immer dann, wenn zwei Dinge zusammenkommen:
- ein Moment, in dem sich in der Organisation ein “Veränderungsfenster” öffnet, z.B. durch eine Krise, eine neue Chefin oder ein Technologiewandel, und
- eine UX-Community, die auf genau diesen Moment vorbereitet ist.
Und damit sind wir beim eigentlichen Grund, warum so viele gute Initiativen ins Leere laufen. Viele UX-Communities sind innerlich stark, aber nach innen gerichtet. Sie sind damit beschäftigt, zu beweisen, dass UX wichtig ist. Sie dokumentieren UX-Methoden, erklären UX-Prozesse und warten darauf, dass die Organisation ihre Bedeutung endlich anerkennt.
Wenn dann das Fenster für Veränderung dann plötzlich aufgeht, sind sie nicht bereit. Es fehlen die Verbindungen zu den Menschen, die im entscheidenden Moment entscheiden. Es fehlt die Sprache, die im Management wirklich ankommt. Es fehlt die passende Geschichte für genau diesen Moment. Das Fenster schließt sich wieder und alle fragen sich, warum es mal wieder nicht geklappt hat.
Eine vorbereitete UX-Community macht es anders. Sie wirkt nach außen. Sie kennt die Themen des Unternehmens, ist mit den richtigen Leuten vernetzt und hat mehr als nur den einen Satz „UX ist wichtig” parat. Sie passt ihre Botschaft an den jeweiligen Moment an. Und wenn das Fenster aufgeht, ist sie da.
Wenn UX-Reifesprünge kein Zufall sind, kann man sich darauf vorbereiten. Genau dieser Frage, wie UX-Führungskräfte solche Sprünge bewusst ermöglichen, bin ich in letzter Zeit intensiv nachgegangen. Und ich glaube, ich habe eine ziemlich brauchbare Antwort gefunden. (Siehe “Warum UX-Reife manchmal springt und manchmal einfach nicht”)
Über genau diese Frage und die mögliche Antwort würde ich mich gern persönlich austauschen. Beim UX Festival werde ich versuchen, eine Session im Barcamp unterzubringen. Ob das klappt, entscheidet sich vor Ort. Und falls es mit der Session nichts wird: Ich bin da und rede gern darüber. In den Pausen, am Abend, zwischendurch. Sprich mich einfach an.