Janaki Kumar (SAP), Irene Au (Khosla Ventures), Margaret Stewart (Facebook), Todd Lefelt (Huge) und Katie Dill (airbnb) diskutierten wie sich das Führen von Designteams in den letzten Jahren verändert hat und vor welche Herausforderungen Designer und Design Leader heute gestellt werden.

Designteams können heute nicht mehr aus reinen Spezialisten bestehen. Heute sind eher Designer gefragt, die sowohl ihr Handwerk beherrschen, als auch über grundlegende Kenntnisse und eine Verständnis zu angrenzenden Disziplinen verfügen, beispielsweise über Technologien oder Business-Strategien. (T-shaped skills) Designer von heute sind der Erfahrung der Referenten nach mutiger und fragen häufiger nach dem Warum von Entscheidungen, Zuständen und Prozessen. Das ist für die Qualität der Arbeitsergebnisse sehr gut. Gleichzeitig ist es aber auch für klassische Organisationen mit hierarchischen Organisationsstrukturen eine Herausforderung.

Im Gegensatz zu den Zeiten, als Designer in der Produktentwicklung noch als Exoten galten, gibt es heute bekannte Karrierepfade für Designer und zahlreiche leuchtende Beispiele für erfolgreiche Designkarrieren in Unternehmen. Designer von heute kennen diese und wollen diese auch nutzen.

Design needs to know business. Designers have to have empathy for business.

Früher war die Tätigkeit von Designern auf das visuelle Design fokussiert. Heute sind sie Partner bzw. Teammitglieder die Hand in Hand mit anderen Disziplinen an der Erarbeitung von Problemlösungen und Strategien arbeiten. Da dies in der Ausbildung von Designern aktuell häufig zu kurz kommt, ist es die Aufgabe von Design Leadern für die entsprechende Ausbildung zu sorgen. Dabei sollte insbesondere auf die Fähigkeiten zur Entwicklung von Strategien Wert gelegt werden. Designer von heute müssen sich viel mehr um geschäftliche Ziele kümmern und dafür Sorge tragen, dass zu deren Erreichung die Anwendersicht nicht zu kurz kommt. Damit das gelingen kann, müssen sie auch in der fachlichen Domäne ausgebildet werden. Allerdings gilt es dabei einen Kompromiss einzugehen, denn je tiefer das fachliche Verständnis und die Kenntnisse in der Fachdomäne sind, um so schwerer fällt es eine frische unvoreingenommene Sichtweise ins Entwicklungsteam zu bringen. Daher sollte bei der Teamaufstellung darauf geachtet werden, dass neben Domänenexperten auch Domänennovizen zum Team gehören.

Everyone today is working more like a startup.

Eine wesentliche Aufgabe von Design Leadern besteht aktuell darin die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Disziplinen zu fördern. Die Disziplin Design muss nach Ansicht der Referenten integraler und integrierender Bestandteil der Produktentwicklung sein. Es bedarf eines gegenseitigen Verständnis und Empathie zwischen Entwicklern und Designern.

Share with people the value of research.

Designer sollten sich neben ihrer kreativen Arbeit um die Kommunikation von Anwenderwissen und die Schaffung von Empathie für Anwender kümmern. Dazu sollten sie auch die Ergebnisse ihrer Arbeit zielgruppenorientierter gestalten. An die Stelle von Berichten und Präsentationen sollten kreative Formate treten, welche Diskussion und Austausch fördern.

Designmethoden und Designprozesse sollten daher auch eher als Vorschlag denn als Dogma gesehen werden. Es gibt nicht den einen richtigen Prozess oder die eine richtige Methode. Methoden und Prozess müssen zum Team passen und auch deren Bedürfnisse adressieren. Ein dogmatisches Festhalten an einem starren Prozess ist nicht erfolgsversprechend … auch dann nicht, wenn es sich um sogenannte Industriestandards handelt.

Bei der Rekrutierung von Designern empfiehlt die Runde neben Designfähigkeiten auch auf eine anwenderorientiere Denkweise zu achten. Letzteres wird als eine wesentliche Eigenschaft für Designer gesehen, da sie über die Gestaltung von Bildschrimen hinaus denken und das gesamte Erlebnis der Anwender im Blick haben sollten.

Zum Abschluß noch eine kleine Erkenntnisse am Rande: Das Designteam von Airbnb hat aktuell 60 Mitarbeiter.


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.