Uwe Kemker (Head of Design Vorwerk) hat in seinem Beitrag über die Entwicklung der Vorwerk Design- und Markensprache sowie die Einflüsse der modernen UX/UI Technologien auf zukünftige Entwicklungen gesprochen. Vorwerk ist ein traditionsreiches und großes Familienunternehmen für Kosmetik und Haushaltsgeräte (z.B. Thermomix) welches seit 1930 auf Direktvertrieb setzt. 


2011 wurde der Auftritt der Marke Vorwerk vom Kommunikationsdesign über das Produktdesign bis hin zum Environment Design neu gestaltet, um ein breiteres „digitales“ Publikum zu erreichen. Die Erneuerung war notwendig, weil der sehr prägnante vorherige Markenauftritt die Innovationen des Unternehmens verdeckte. Kunden sahen in Tests vor der Markteinführung brandneue Produkte im alten Gewand und nahmen sie trotz der Neuartigkeit als ein Produkt wahr, was sie bereits besitzen. 

„Design ist lernen. Design ist Kontinuität, Wandel und die Nähe zum Menschen.“

Im Designprozess bei Vorwerk fungiert das 6 Personen starke Designteam in Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern als die Anwälte der Kunden und vertreten deren Interessen gegenüber Technikern, Einkäufern, Controllern, usw.. Er sieht es als Aufgabe der Designer an, nicht zu früh Abstriche von ihren Vorstellungen zu machen, sondern ihre Position zu vertreten … auch wenn die Dinge mal nicht machbar scheinen. Gutes Design braucht fordernde Gestalter, welche das Unternehmen und die Entwicklungsteams in die richtige Richtung führen. Es geht dabei aber nicht nur rein um die visuelle Gestaltung von Kommunikationsmitteln und Produkten. Für Vorwerk steht die Schaffung von echten Kundennutzen im Mittelpunkt. Dazu ist es für Designer wichtig das Unternehmen und sein Gechäftsmodell zu verstehen.

Designer können durch ihre Fähigkeiten nicht nur Kundennutzen, sondern auch neue Umsatzmöglichkeiten schaffen. So war es u.a. die Beobachtung des früheren Zusammenspiels von Kochbuch und Thermomix, welche Wesentlich zum Erfolg des aktuellen Thermomix betrug. Da Kochbuch und Thermomix in der Praxis häufig nicht nebeneinander stehen, mussten sich Anwender beim vorherigen Thermomix mehrere Einstellungen aus dem Kochbuch merken, um sie beim Kochen mit dem Gerät verwenden zu können. Und wie das mit dem Kurzzeitgedächtnis so ist, wurden dabei Einstellungen vergessen und mussten mehrfach nachgeschaut werden. Das aktuelle Gerät beseitigt dieses Problem. Neben Beobachtung im Ideationprozess setzt Vorwerk natürlich auch auf Human-Centered-Design-Praktiken. So wurde der Thermomix beispielsweise vor der Veröffentlichung mit 5.000 Nutzern getestet.

Kategorien: Dies und Das

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.