World Usability Congress – UX Engineering, UX Strategy & UX for AI #day3 #wuc

Meine inhaltlichen Highlights des letzten Tag des World Usability Congress waren:

How to sell UX inside your company – Johannes Lehner

UX in Unternehmen zu etablieren, ist eine sehr große Herausforderung. Insbesondere dann, wenn man als UX-Einzelkämpfer:in im Unternehmen arbeitet.

Damit das gelingen kann, müssen UX Professionals über folgende Fähigkeiten verfügen: Profession, Geduld und Leidenschaft.

  1. Profession: Fachkenntnisse zu UX-Methoden und UX-Prozessen
  2. Geduld: Es dauert sehr lange, um UX zu integrieren. Ohne Geduld ensteht zu schnell Frust.
  3. Leidenschaft: Um die zu erwartenden Hindernisse bewältigen zu können, braucht es viel Begeisterung und Leidenschaft für UX.

Ein weiterer Punkt ist, nicht zu warten bis man aufgefordert wird. Veränderung braucht begeisterte Menschen, die proaktiv Veränderung angehen und Impulse dafür setzen. Das hat aber auch negative Nebeneffekte. Um diese in Grenzen zu halten, rät Johannes …

  • … nimm es nicht persönlich und versuche immer den sachlichen Anteil in Kritik und Feedback zu sehen.
  • … erwarte nicht soviel, denn es wird viele Anläufe und Versuche brauchen.
  • … tu Dein Bestes und nicht mehr. Versuche soviel zu erreichen, wie Du mit Deinen Fähigkeiten erreichen kannst.

Veränderung braucht viel Zeit, deshalb ist es wichtig die richtige Geschwindigkeit für die eigene Arbeit zu finden. UX Professionals sind Marathon-Läufer. Veränderungen lassen sich nicht erzwingen und Stufen im UX-Reifegrad lassen sich nicht überspringen. Die Veränderung gelingt Schritt für Schritt. Hauptsache die Richtung stimmt.

Und, man benötigt ein gutes Stakeholder-Management. Es gilt Unterstützer:innen zu finden und sich mit Kolleg:innen zusammen zu tun. Dabei hilft es miteinander zu reden, sich gegenseitig zu respektieren und die jeweiligen Ziele zu verstehen.

Außerdem hilft es als UX Professional sehr transparent zu arbeiten. Dass heißt die Ergebnisse sowie deren Entstehungsprozess offen zur Verfügung zu stellen und zu erklären.

Politics of Enterprise UX: Managing team conflicts and getting stakeholder buy-in – Bansi Mehta

Viele UX Professionals würden ja lieber einen Bogen um Unternehmenspolitik machen. Aber das ist nicht möglich:

“Every workplace is political.”

Bei Politik geht es darum, Vereinbarungen zum Zusammenleben der Menschen in Gruppen, Städten, Ländern oder Unternehmen zu treffen. In der Unternehmenspolitik geht es insbesondere darum die Interessen der verschiedenen Stakeholder in einem Thema zu vereinen. Bansi folgt dabei folgendem Prozess

  1. Stakeholder identifizieren: Wer ist beteiligt, ist betroffen, kann unterstützen, hat Budget oder Ressourcen, wird das Thema beobachten, wird sich beschweren oder ist betroffen vom Ergebnis?
  2. Stakeholder verstehen und mit ihnen eine Verbindung aufbauen: Stakeholder-Interviews, um deren Rolle, Hintergrund, Persönlichkeit, Ziele und deren Wahrnehmung von Anwender:innen bzw. Markt zu verstehen
  3. Stakeholder-Map erstellen: Stakeholder nach Einfluss und Interesse auf einer Karte einordnen
  4. Stakeholder-Profile: Erkenntnisse zu den einzelnen Stakeholders zusammenstellen in einem Profil zusammenfassen, Übersicht über generelle Position der Stakeholder erstellen.
  5. Kommunikationsplan erstellen: Wie werden welche Stakeholder informiert und/oder einbezogen? Welche Werkzeuge und Kanäle sind sinnvoll?
  6. Stakeholder einbeziehen: Mache es für Deine Stakeholder interessant. Lerne auf welchen Kanälen Du Deine Stakeholder am besten erreichst. Mach es Deinen Stakeholdern leicht, sich zu beteiligen und biete verschiedene Möglichkeiten an.
  7. Kräfte verstehen: Lerne, wer für was verantwortlich ist und wo sich Verantwortlichkeiten überlappen.
  8. Verbindungen pflegen: Nutze ein Netzwerk von Peers und Infokanälen um stets zu wissen, was im Unternehmen los ist. Kläre Konflikte aktiv

Digital transformation or human-centric organization culture – Kerstin Röse

Kerstin stellte das UX Camp vor, mit dem Siemens seine Menschzentrierung verbessern will. Das UX Camp ist eine Art Community of Practice. Darüber werden Aktivitäten, Wissen, Strategie, Methoden, Räumen und Ressourcen organisiert. Es ist eine Organisationseinheit die und ein Ort zum Lernen sowie für die kreative Arbeit. Die Mitarbeitenden sollen dort das Handwerkszeug für Menschzentrierung kennenlernen und danach in das Unternehmen tragen.

Das UX Camp folgt den Prinzipien: Customer first, Speed Up Creations, Foster Simplicity, Analyse Holistically, UX Focused, Assure Traceability.

Das UX Camp organisiert verschiedene Formate, wie Designsprints, Lunch & Learn (jeden Mittwoch online) und Topic of the month (4-Wochen lang verschiedene Vorträge, Diskussionsrunden und mehr zu Digital UX), um Menschen zu verbinden und Wissen zu vermitteln. Über diese Formate werden Informationen und siemensspezifische Arbeitsmittel für die UX-Arbeit zur Verfügung gestellt.

Außerdem gab Kerstin einen kleinen Einblick in die strategischen Elemente mit denen sie bei Siemens die Etablierung von UX vorantreibt:

Control and Happiness: In Life and on Screen – Jennifer Romano

Das Gefühl von Glück entsteht durch wahrgenommene Kontrolle, wahrgenommenen Fortschritt, Verbindungen zu anderen Menschen und Bedeutung.

“A lack of perception of control can lead to destructive behavior.”

Die gefühlte Kontrolle hat einen großen Einfluss auf die mentale Gesundheit von Menschen. Sie beeinflusst die Wahrnehmung von Produkten. Das Gefühl von Kontrolle lässt sich z.B. über folgende Aspekte positiv beeinflussen:

  • Einfachheit, Verlässlichkeit und Effizienz von Produkten
  • Gute Erklärungen von dem, das zu tun ist oder gerade passiert
  • Absicherungen, wie das Rückgängigmachen, Wiederherstellen oder Wiederholen von Aktionen

Folgende Aspekte wirken beispielsweise negativ auf die gefühlte Kontrolle:

  • Hohe informationsdichte
  • Fachsprache

Design Leadership 3.0 – CXO – Russ Wilson

Russ schloß den World Usability Congress mit seinen Best Practices für Design und UX-Führungskräfte:

  • Verrate Deine Werte nicht und arbeite nicht gegen Deine Werte.
  • Stelle Menschen ein, die etwas viel besser können als Du. Fokussiere Dein Arbeit auf ein oder zwei Dinge. Vertraue bei allen anderen Dingen darauf, dass Deine Mitarbeitenden es besser lösen als Du.
  • Finde heraus, was DU beeinflussen kannst und konzentriere Dich darauf. Akzeptiere das, was Du nicht kontrollieren und beeinflussen kannst.
  • Wenn Du in einer Führungsposition bist, dann gibt es keine Ausreden mehr. Es ist Deine Verantwortung. Punkt.
  • Schaffe zuerst die Grundlagen und sorge dafür, dass die grundlegenden Dinge richtig funktionieren. Die Kür kommt erst danach.
  • Lerne Nein zu sagen.
  • Überrasche Deine Stakeholder nicht. (ACBD – Always consult before deciding)
  • Jammere nicht, sondern suche stets nach Lösungen
  • Kontrolliere Deine Gefühle in der Interaktion mit Anderen.
  • Finde immer einen Weg. Es zählt nur die Umsetzung.
  • Ein “Sitz am Tisch der großen Entscheidungen” (C-Level) ist nicht nötig. Ein direkter Kommunikationskanal ins C-Level-Management ist nützlicher.

Zusammengefasst zeichnen sich erfolgreiche Führungskräfte durch folgende Eigenschaften aus:

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