BITKOM Fachausschuss Usability & User Experience: Wer braucht schon UX? (Vormittag)

Trotz des Bahnstreiks habe ich es zur heutigen Sitzung des BITKOM Fachausschuss Usability & User Experience nach Berlin geschafft. Bei bestem Wetter wurde dort das Streitgespräch zur Frage „Wer braucht schon User Experience“ fortgesetzt.

Do you understand me? Supernatural and innovative interactions (Sascha Wolter, Deutsche Telekom)

Den Auftakt machte dieses Mal Sascha Wolter. Er führte die Teilnehmer auf einer inspirierenden Reise durch Aspekte und Gedanken zu User Experience und dem Internet der Dinge. Ich habe mal versucht ein paar davon einzufangen:

Das WARUM: Die Deutsche Telekom führt mit Kunden gemeinsam Value Innovation Workshops durch, um Probleme zu analysieren und Lösungen dafür zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang zeigte er sehr anschaulich anhand von zahlreichen Beispielen, dass es wichtig ist, zuerst die Frage nach dem WARUM zu stellen. Es wird in Technologie-Projekten zu oft danach gefragt WIE sich etwas umsetzen lässt und zu wenig WARUM das irgendjemand brauchen sollte. Am Ende ist es jedoch die Kenntnis über das WARUM, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes entscheidet.

UX ist Change Management: Die größte Herausforderung von UX ist es die Komfortzonen und das Verhalten der Menschen zu verändern. Er sprach damit einen der wesentlichen Punkte für die Einführung von User Experience in Unternehmen an. UX bedeutet für uns als UX Professionals aber nicht nur unsere Umgebung verändern zu wollen sondern auch uns selbst.

1:1 Interaktion wird zur 1:n Interaktion: Das Bedienkonzept für das Internet der Dinge ändert sich grundlegend, da wir nicht mehr nur mit einer Maschine sondern mit vielen vernetzten Maschinen bzw. Systemen interagieren. Das stellt UX Designer allein durch die schiere Menge an Geräten vor ganz neue Herausforderung. Als Richtwert geht er von einer Faustformel von zukünftig 3 Geräte pro elektrifizierten Quadratmeter aus. 

„Alles was vernetzt werden kann, wird vernetzt werden, weil Geld eher mit Services als Hardware verdient wird.“ – Sascha Wolter

Emphatie: Die vernetzte Welt des Internet der Dinge wirft zahlreiche Fragestellungen auf, die mit der weitverbreiteten Sichtweise, dass sich die Antworten über Algorithmen finden lassen, nicht beantwortet werden können. Ein Beispiel: Schon heute ist die Diagnose von Krankheiten auf Basis der vielen Sensoren, Geräte und Algorithmen zuverlässiger als die menschliche Diagnose. Was aber, wenn das System zum Schluss kommt, dass der Anwender eine Krankheit hat, die nicht heilbar ist? In dieser Situation ist eine rationale Entscheidung nur ein Teil um über das weitere Vorgehen zu entscheiden und den Anwender zu informieren. In solchen Situationen ist Emphatie ein wesentlicher Bestandteil für eine Entscheidung und die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

„Ich glaube, dass Smart Homes erst dann erfolgreich werden, wenn sie empathisch sind.“ – Sascha Wolter

Unglücklicherweise lässt sich Saschas Reise mit den vielen schönen Beispielen durch UX und das Internet der Dinge schriftlich nicht wirklich gut einfangen. Ich kann Euch daher nur ans Herz legen jede Möglichkeit zu nutzen, um Sascha Wolter live zu erleben. Es lohnt sich.

smart X – UX on mobiles, wearables and other smart devices (Anja Weitemeyer, eResult)

Danach schlug Anja Weitemeyer den Bogen zwischen den Bedürfnissen der Nutzer und mobilen Geräten. Sie stellte in ihrem Vortrag die Erkenntnisse mehrere Studien aus dem mobilen Bereich vor. Eine Studie befasst sich mit der Analyse der Navigation auf mobilen Webseiten. Dabei wurden folgende Erkenntnisse gewonnen:

  • Mobile Anwender haben hohe Erwartungen an mobile Webseiten: „Ich will alles haben, aber es muss schnell und übersichtlich sein.“ Man muss damit rechnen, dass Anwender mobile Endgeräte als primäre Geräte für ihre Bedarfe nutzen.
  • Das „Hamburger“-Icon, welches häufig zur Kennzeichnung der Hauptnavigation eingesetzt wird, wurde von den Teilnehmer dieser Studie nicht erkannt. Buttons mit dem Wort „Menü“ hingegen schon.
  • Die Suchfunktion wird auch im mobilen Kontext erwartet und wird unter Umständen sogar als primärer Einstieg genutzt.
  • In mobilen Usability-Tests sollten Testpersonen möglichst auf ihren eigenen Geräten testen und in der Nutzung ihrer Geräte nicht eingeschränkt werden, z.B. durch aufgesteckte Kameras.

Außerdem stellte sie eine Studie vor, in der das Nutzungsverhalten mit dem Fitnesstracker Fitbit mit WordPress-Tagebüchern analysiert wurden. Hier waren die wesentlichen Erkenntnisse:

  • Den Testpersonen fehlte das Display für die Kontrolle des aktuellen Fitnessfortschritt.
  • Die Dateneingabe wurde als zu umständlich eingestuft. Beispielsweise konnte das Gerät nicht erkennen, welcher Aktivität sich der Nutzer gerade befindet. Dafür war eine Eingabe über die App erforderlich.
  • Viele komplexere Randfunktionen, wie z.B. Schlaftracking, wurde von vielen Testpersonen nicht genutzt. Die Meisten konzentrierten sich auf die Kernfunktionen.
  • Die Tagebuchstudie ist als Methode gut geeignet, um Nutzungserfahrungen zu sammeln.

Wie es weiter ging erfahrt Ihr im Beitrag: BITKOM Fachausschuss Usability & User Experience: Wer braucht schon UX? (Nachmittag)