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Genie: Input Retargeting on the Web through Command Reverse Engineering #chi2017

Die Interaktion in vielen komplexen Webanwendungen basiert auf Maus und Tastatur. Vorallem Webanwendungen in denen viel JavaScript für die Interaktion eingesetzt wird, wie z.B. Online-Games, übersteigen oft die Möglichkeiten herkömmlicher Accessibility-APIs. Diese Webseiten sind damit nicht barrierefrei, d.h. nicht für alle Menschen gleich zugänglich. In diesem Beitrag stellte Amanda Sweamgin (University of Washington) ein assistives Werkzeug namens Genie vor, welches dieses Problem lösen soll.

Genie analysiert die Webseite auf Aktionen, Events und Eingabefunktionen im Programmcode. Die gefundenen Code-Objekte werden dann von Genie so „umgelenkt“, dass sie über alternative Eingabemethoden angesprochen und zugänglich gemacht werden können. So ist es beispielsweise möglich über Genie für komplexe Webanwendungen zusätzlich zu Keyboard und Maus alternative Eingabemethoden, wie z.B. Sprache, anzubieten.

UX Stammtisch Franken: Barrierefreiheit

Im letzten Jahr wurden weitere wichtige gesetzliche Grundlagen für barrierefreie digitale Angebote geschaffen. Die Bundesregierung modernisierte das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die EU verabschiedete eine neuen Richtlinie für die Barrierefreiheit von Webseiten und mobilen Applikationen für öffentliche Stellen. Das Thema Barrierefreiheit scheint nun Schritt für Schritt den Stellenwert zu bekommen, der für eine barrierearme bzw. barrierefreie digitale Welt notwendig ist.

Aus diesem Grund haben wir den ersten UX Stammtisch Franken des Jahres dazu genutzt, einen gemeinsamen Blick darauf zu werfen, wie es in Franken aktuell um das Thema Barrierfreiheit in Franken bestellt ist.

Zum Auftakt berichtete Christian Müller (Accenture Digital) aus seiner umfangreichen praktischen Erfahrung bei der Umsetzung von barrierefreien digitalen Angeboten. Dabei ging es ihm nicht um die Vorstellung gesetzlichen Rahmenbedingungen, Verordnungen und Richtlinien, wie z.B.

  • Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)
  • EN 301 549 „Accessibility requirements suitable for public procurement of ICT products and services in Europe“
  • EU-Richtlinie 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen
  • Web Content Accessibility Guidelines – WCAG
  • Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung – BITV 2.0
  • Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts (VergRModG)

Im Kern seines Vortrags ging es ihm darum, für eine breitere Sichtweise auf Barrierefreiheit zu werben. Barrieren gibt es nämlich nicht nur für die 80 Millionen Europäer mit Behinderungen. Auch Menschen mit temporären Einschränkungen, wie z.B. ein Gipsarm, zu hohe Sonneneinstrahlung auf dem Handy-Display, zu geringe Sprachkenntnisse oder ein zu schwacher Beamer in einem zu hellen Raum, erleben in ihrem Alltag Barrieren.

„Barrierefrei ist etwas, wenn es für alle Nutzer gleich zugänglich ist.“

Weiterhin erfordert die zunehmende Digitalisierung eine bessere Berücksichtigung von Anforderungen an die Barrierefreiheit. Die Vermischung von physischen Objekte und digitalen Dienste bietet viele neue Möglichkeiten neue Zielgruppen mit Einschränkungen besser in die digitale Welt zu integrieren.

„Die digitale und analoge Welt wächst immer mehr zusammen und sollte als Ganzes barrierefrei sein.“

Durch die Digitalisierung und die Berücksichtigung von Anforderungen an die Barrierefreiheit können sich Unternehmen völlig neue Zielgruppen erschließen, die heute Einschränkungen haben, die eine Verwendung des Angebotes der Unternehmen verhindern. Beispielsweise könnten autonome Fahrzeuge Blinden völlig neue Freiheitsgrade in Sachen Mobilität ermöglichen, wenn die Fahrzeuge von Anfang an barrierefrei gestaltet würden.

In seiner beruflichen Praxis erlebt Christian Müller heute noch zu wenige Unternehmen, die ihre Produkte und Angebote barrierefrei gestalten. Manche Unternehmen argumentieren beispielsweise:

  • „Barrierefreiheit ist zu komplex.“ oder „Die Kosten für barrierefreie Produkte sind zu hoch.“ oder „Das bekommen wir zeitlich nicht mehr in den Projektplan.“: Einige Unternehmen wissen nicht, was sie tun müssen. Es existiert ein gefährliches Halbwissen über Barrierefreiheit. Auch UX Designer wissen zu oft wenig darüber, wie sich schicke Webseiten gestalten lassen, die barrierefrei sind.
  • „Das ist nicht unsere Zielgruppe.“: Unternehmen ist nicht bewusst, dass Menschen mit Einschränkungen ihre Zielgruppe sein könnten.
  • „Was haben wir davon, wenn wir das machen?“: Barrierefreiheit wird in Europa meist sehr stark unter monetären Return-on-Investment-Überlegungen betrachtet.
  • „Wir müssen das nicht machen.“: Unternehmen fühlen sich gesetzlich nicht verpflichtet etwas zu für barrierefreie Produkte zu tun und sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht bewusst.

Aber es gibt auch gute Beispiele, wie z.B. Adobe, Smartphone-Hersteller wie Apple, blindsquare oder taptasee.

Für die Implementierung von Barrierefreiheit in den Entwicklungsprozess empfiehlt Christian Müller nach folgendem Muster vorzugehen:

  • Ziel festlegen: z.B. WCAG Konform sein … wichtig dabei: realistische und erreichbare Ziele setzen
  • Status Quo erheben
  • Roadmap für die Erreichung des Ziels definieren: Kleine Schritte machen
  • Aufbau einer Community of Practice im Unternehmen
  • Anforderungen für Zielgruppen mit Einschränkungen in das Requirement Engineering integrieren
  • Während der Entwicklung mit Design Reviews und Code Reviews die Berücksichtigung der Anforderungen an Barrierefreiheit sicherstellen
  • Nutzer mit Einschränkungen über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg einbeziehen

Darüberhinaus empfiehlt er allen, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigen wollen, einen Blick auf den Kurs „Web Accessibility“ von UDACITY (Google) zu werfen.

Nach dem Impulsvortrag von Christian diskutierten die über 40 Teilnehmer des UX Stammtisch Franken folgende Fragestellungen:

Christian, wie wird man zum Experten für Barrierfreiheit?

Da es aktuell noch keine richtige Ausbildung für Barrierfreiheitsexperten oder eine Zertifizierung gibt, ist hierbei sehr viel Eigeninitiative erforderlich. Die Disziplinen Usability bzw. User Experience bieten gute Ausgangskenntnisse dafür.

Welche Bedeutung hat das Thema in der täglichen Arbeit?

Einige Teilnehmer berichten davon, dass sie in ihrer täglichen Arbeit auf die Barrierfreiheit von Farben (Kontraste) und Schriften (Lesbarkeit, Skalierung) oder Tastaturbedienbarkeit Wert legen. Sie erachten dies als notwendig, da dadurch Einschränkungen adressiert werden können, wie z.B. Fehlsichtigkeiten oder eine schlechte Feinmotorik in den Händen, die mit zunehmenden Alter häufiger vorkommen.

Einige berichten davon, dass Barrierfreiheit in ihren Projekten gar keine Bedeutung hat. Barrierefreiheit lässt sich in der Praxis schlecht verkaufen. Es fehlen Business Cases, welche die Kosten und Aufwände für ROI-getriebene Manager rechtfertigen. Einzelne Teilnehmer haben in Projekten erlebt, dass Barrierefreiheit dann an Bedeutung gewinnt, wenn Führungskräfte des Unternehmens selbst von Einschränkungen betroffen sind.

Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass das Thema Barrierfreiheit erst richtig an Bedeutung gewinnen wird, wenn der Gesetzgeber entsprechende Vorgaben macht.

„Barrierefreies Design wirkt oft klobig und nicht so ansprechend.“

Barrierefreiheit wird oft im Gegensatz zu einem ansprechenden visuellen oder interaktiven Design gesehen. Dabei müssen nicht alle Dinge, die Barrierefreiheit fördern, im Produkt sichtbar sein. (Einstellbare Farbschemata, technische Zugänglichkeit für Screenreader, alternative Bedienoberflächen) Grundsätzlich wird es als Herausforderung gesehen, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen im Sinne von „Design für alle“ abzuwägen und in eine gute Produktgestaltung zu überführen.

Barrierfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Barrierefreiheit kann nach Ansicht der Teilnehmer zum Wettbewerbsvorteil werden. Wenn ein Unternehmen in einem Markt arbeitet, in dem nur sehr wenige Unternehmen die Anforderungen an Barrierefreiheit berücksichtigen, kann ein barrierefreies Angebot neue Zielgruppen erschließen. Wenn es gelingt Barrierefreiheit wie User Experience nicht nur als reine Pflicht, sondern als Wettbewerbsvorteil zu platzieren, kann es sich genauso in Unternehmen verankern lassen, wie die Disziplin User Experience selbst.

„Eine gute UX ist nicht einfach zu kopieren. Das ist auch ja mittlerweile auch in der Vorstandsetage angekommen.“

UX Designer sind in der Pflicht

Vielen UX Designer fehlen nach Ansicht der Teilnehmer aktuell noch das Wissen, die praktischen Erfahrungen und die Empathie für Barrierefreiheit. Eine Teilnehmerin brachte es so auf den Punkt:

„Ich habe noch nicht das Gefühl, dass der Kampf um gute Usability/UX zu Ende geführt ist und das Barrierefreiheit deshalb durch UX Designer nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt.“

Einige Teilnehmer, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit Barrierfreiheit beschäftigen, berichteten davon, dass sich Barrierefreiheit und der Human-Centered-Design-Prozess eigentlich gut verbinden lassen. Dazu müssen allerdings die entsprechenden Testtools in „Greifweite“ und Kenntnisse verfügbar sein. Außerdem muss ein einfacher Zugang zur Zielgruppe geschaffen werden. Apropos „Zielgruppe“: Die teilweise fehlende Berücksichtigung von Barrierefreiheit in der Praxis der UX Designer könnte auch daran liegen, dass UX Designer lernen, dass die User Experience umso besser gestaltet werden kann, je spitzer die Zielgruppe ist … also mit Zielgruppen gearbeitet wird, die möglichst homogen sind. Die Berücksichtigung von zusätzlichen Anforderungen könnte in diesem Sinne als Gefahr für ein erfolgreiches Endergebnis gesehen werden.

„UX Designer müssen lernen Barrierefreiheit in ihrer normalen Arbeit zu berücksichtigen, ohne dabei den Fokus zu weit aufzumachen.“

Es sollte für UX Designer zum Berufsethos gehören, sich mit Barrierfreiheit zu beschäftigen und es bei ihrer tägliche Arbeit zu berücksichtigen. Ein Anfang könnte sein, nicht nur glückliche Super-Personas bei der Entwicklung zu berücksichtigen, sondern realistische Durchschnittspersonas mit den typischen Einschränkungen.

Und jetzt?

In unserer Gesellschaft steht ein ideales Menschenbild im Mittelpunkt – schön, sportlich, leistungsfähig. Einschränkungen werden zu oft einfach ausgeblendet. Aber können wir es uns leisten, Menschen von einer Erwerbstätigkeit auszuschließen, nur weil die Arbeitsmittel der digitalen Welt nicht barrierefrei sind?

„Wenn wir eine Webseite bauen würden, die für Frauen nicht zugänglich wäre, dann wäre aber die Hölle los wie Seuche. Frauen waren auch lange benachteiligt und es hat über 100 Jahre gedauert um das zu ändern. Haben wir den gleichen Kampf jetzt noch mal vor uns?“

bldwin – Build accessible Metro style apps using XAML

Alnur Usmail (Program Manager for Metro style apps Microsoft) hat in einem sehr kurzen Impulsvortrag über die Gestaltung von barrierefreien Anwendungen mit XAML gesprochen.
XAML und die entsprechenden Templates in VS2011 bieten für bestimmte Szenarien (z.B. Hochkontrast-Darstellung) standardmäßig eine Unterstützung für barrierefreien Anwendungen. Die Unterstützung basiert auf dem UI Automation Framework. Der Einbau von zusätzlichen Informationen für Unterstützungswerkzeuge, z.B. Screenreader, erfolgt über AutomationPeers und AutomationProperties. Aus meiner Nicht-Technikersicht scheint diese Lösung deutlich aufwendiger zu sein als in HTML5.
Wie ich auch schon im Beitrag zu barrierefreien HTML5-Anwendungen geschrieben habe, können barrierefreie Anwendungen im Windows Store gekennzeichnet werden, so dass sie leichter gefunden werden. Der UI Accessibility Checker (AccChecker) kann auch in XAML verwendet werden um typische Barrierefreiheits-Fehler zu entdecken.
Auch hier ist mein Fazit, dass bei der Entwicklung von XAML-Anwendungen die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Anfang an berücksichtigt werden müssen, die Erweiterungen am Programmcode erforderlich sind.

Siehe auch

Video zum Vortrag
build windows

bldwin – Reaching more customers with accessible Metro style apps using HTML5

Guy Barker (Senior Software Development Engineer Microsoft) sprach in seinem Vortrag über die Entwicklung von barrierefreien Metro-Style Apps mit HTML5.
Eine Studie von Forrester Research aus dem Jahr 2004 zeigte, dass in den USA 17% der Anwender körperliche Beeinträchtigungen, 40% leichte Beeinträchtigungen (z.B. Fehlsichtigkeiten) und 43% keine Beeinträchtigungen haben. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit von barrierefreien Applikationen deutlich.
Die Industrie-Standards HTML5 und Accessible Rich Internet App (ARIA) bilden eine gute Grundlage für barrierefreie Metro-Style Anwendungen. Mit Hilfe von ARIA können herkömmliche User Interfaces um Informationen für Barrierefreiheit ergänzt werden, z.B. Informationen für Screenreader. Beispielsweise können mit Hilfe von ARIA-Tags zusätzliche Benennungen zu Controls hinzugefügt werden, die es für einen Screenreader-Nutzer einfacher machen durch die Anwendung zu navigieren. Auf diese Informationen kann über das UI Automation API zugegriffen werden.
Die neuen Windows Controls aus dem Windows 8 SDK und Templates für Metro-Style Apps in Visual Studio 11 bringen bereits eine grundlegende Unterstützung für Barrierefreiheit u.a. über ARIA mit, z.B. Unterstützung von Sprachausgabe, Tastatursteuerung und Hochkontrast-Darstellung. Diese Basis kann und sollte bei der Entwicklung um anwendungsspezifische ARIA-Informationen, z.B. zusätzliche Namen für Controls, ergänzt werden.
Für Metro-Style Apps ist die Berücksichtigung von Barrierefreiheit besonders wichtig, da die visuelle Gestaltung drauf abzielt nur die wesentlichen Informationen auf der Oberfläche anzuzeigen und die Gestaltung viel stärker visuell orientiert ist. Das führt dazu, dass beispielsweise Labels zu Eingabefeldern weggelassen werden, wenn sich deren Nutzen visuell erschließen lässt. Dies kann es für Screenreader-Nutzer nahezu unmöglich machen sich vollständig durch eine Anwendung zu navigieren und diese zu verstehen.
Interessante Punkte am Rande:
* Das Win8 Onscreen-Keyboard unterstützt nicht nur einen Klick-Modus, sondern auch einen Hover-Modus mit dem es möglich ist auf einfache Art und Weise die richtige Taste zu finden.
* Mit Hilfe von @media queries können spezielle Bilder für die unterschiedlichen Hochkontrast-Darstellungen des Betriebssystems bereitgestellt werden.
* Das Windows 8 SDK bringt Testwerkzeuge für Barrierefreiheit mit, z.B. UI Accessibility Checker.
* Barrierefreie Anwendungen können im Windows Store explizit gekennzeichnet werden. Über den Windows Store können Entwickler darüber hinaus eine Verbindung zur Barrierefreiheit-Community aufbauen.
Mein Fazit: Trotz der grundlegenden Unterstützung von barrierefreien Anwendung durch Windows 8 ist es notwendig das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung explizit zu berücksichtigen. Für eine gute Umsetzung der Anforderungen an Barrierfreiheit ist es notwendig den Programmcode zu erweitern.

Siehe auch

Video zum Vortrag
build windows
WAI ARIA

UPA2010: Barrierefreiheit betriebswirtschaftliche Anwendungen

Annett Hardt und Martin Schrepp (SAP) haben von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit in Business-Software, insbesondere SAPs CRM Lösung, berichtet.
Bei der Umsetzung der Regelungen und Empfehlungen für Barrierefreiheit (z.B. W3C) hat sich gezeigt, dass die aktuellen Richtlinien, welche sich meist auf Webseiten beziehen, nicht einfach auf Business-Software übertragen werden können. Im Gegensatz zu vielen Webseiten gibt es bei Business-Software klare und wichtige Effizienzziele, die in den aktuellen Richtlinien nicht ausreichend berücksichtigt werden. Beispielsweise gelten demnach Lösungen als barrierefrei, bei denen Funktionen erst nach mehr als 100x Tab-Taste-Drücken erreichbar sind. Dies ist für Business-Software selbstverständlich nicht akzeptabel.
Zentraler Ansatzpunkt für eine effiziente Bedienung ist die Tastatur. Die effiziente Tastaturbedienbarkeit spielt schon seit langem bei der Entwicklung von Business-Software eine zentrale Rolle. Dies sollte nach Ansicht von Annett Hardt und Martin Schrepp auch auf die Umsetzung von barrierefreien Lösungen übertragen werden.
SAP setzt bei der effizienten und barrierefreien Tastaturbedienung auf eine Mischung von Short-Cuts und Tab-Taste. Über die Short-Cuts lassen sich bestimmte Bereiche (z.B. Kopfbereich, einzelne Punkte in der Navigationsleiste, Einzelbereiche in Eingabemasken) fokussieren und in diesen dann mit der Tab-Taste zu dem einzelnen Control weiternavigieren. Da es sehr schwierig ist Shortcuts zu finden, die noch nicht belegt sind, arbeitet SAP mit personalisierbaren Shortcuts und besonderen Kombinationen (CTRL+ Taste, SHIFT+Taste, ALT+Taste, ESC+Taste). Um die effiziente Bedienung sicherzustellen wird die Tastaturbedienung für typische und wichtige Nutzungsszenarien über GOMS Analysen gemessen.
SAP berücksichtigt bei der Barrierefreiheit folgende Nuztergruppen:
* Nutzer mit eingeschränkter Sehfähigkeit
* Farbenblinde Anwender
* Blinde Anwender
* Motorisch behinderte Anwender
* Anwender mit kognitiven Behinderungen
Als größte Herausforderung haben Annett Hardt und Martin Schrepp die komplexen Controls von Business-Software benannt. Hier war es notwendig eigene Controls zu entwickeln, die einen speziellen Screen-Reader Modus unterstützen. Bei diesem werden u.a. spezielle Tooltipps für den Screen Reader eingebaut.
Weiterhin ist es sinnvoll über unterschiedliche Stylesheets, verschiedene Fehlsichtigkeiten zu berücksichtigen sowie über Personalisierungsfunktionen die Informationsdichte für bestimmte Anwendergruppen zur reduzieren.
Für die Umsetzung von barrierefreien Lösungen haben sie folgende Empfehlungen erarbeitet:
* Barrierefreiheit sollte von Beginn an in Projekten berücksichtigt werden. Wenn man es vergisst müssen Screens nachträglich aufwändig angepasst werden, sind evtl. Änderungen zentraler Architektur-Konzepte notwendig oder es sind die für die Barrierefreiheit entwickelte Interaktionslemente inkonsistent zur herkömmlichen Interaktion.
* Barrierefreiheit sollte Teil der UI Spezifikation sein.
* In der Entwicklungsphase sollte kontinuierlich auf Barrierefreiheit getestet werden.
* Da Richtlinien zur Barrierefreiheit auch grundlegende Usability-Anforderungen enthalten, trägt die Einhaltung dieser zur gesamten Usability bei Business-Software bei.

Siehe auch

UPA International Conference 2010
SAP Design Guild: HÜRDEN ÜBERWINDEN

Johansson über Barrierefreiheit


(Screenshot: 456bereastreet.com)

Roger Johansson hat unter 456bereastreet.com eine Serie von drei Artikeln zur Evaluation der Barrierefreiheit von Internetseiten veröffentlicht. In diesen geht er auf den Evaluationsprozess, nützliche Werkzeuge, Barrierefreiheits-Kriterien ein und gibt Hinweise zum Prüfen von Kriterien, die schwierig zu testen sind.
„In more and more countries across the world it is becoming required for government and other public service websites to be based on standards and follow accessibility guidelines. That in turn is making it necessary for the people involved in building and maintaining these sites to be able to build accessible websites and evaluate website accessibility.
Many people, web developers as well as website owners, are new to website accessibility and find it difficult to evaluate. This three-part article series is intended to make it easier for non-experts to perform a basic accessibility check. I hope it will be helpful enough to make at least a few websites more accessible.“

Internetverweis

Evaluating Website Accessibility Part 1, Background and Preparation

Sonderpreis Barrierefreiheit (DMMA 2005)


Source: baden-wuerttemberg.de

Das Landesportal www.baden-wuerttemberg.de wurde am Dienstagabend (28. Juni 2005) in Berlin mit dem Deutschen Multimedia Award (DMMA) 2005 für das beste barrierefreie Internetangebot ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung im Rahmen des Deutschen Multimedia Kongresses (DMMK) konnte Regierungssprecher Christoph Dahl die Auszeichnung entgegennehmen.
(…)
Beim Wettbewerb um den DMMA-Sonderpreis Barrierefreiheit musste sich das Landesportal einem vierstufigen, umfangreichen Prüfverfahren stellen, das von der unabhängigen Initiative BIK (Barrierefrei Informieren und Kommunizieren) aus Hamburg durchgeführt wurde. Von den Testern wurden über 50 Kriterien zur Bewertung herangezogen. Im Finale der 11 als „sehr gut zugänglich“ bewerteten Internetangebote belegte das Landesportal Baden-Württemberg den ersten Platz. An zweiter Stelle folgte die Internetseite der Tagesschau.

… und das trotz grauer Schrift auf grauem Hintergrund, zu geringen Zeilenabständen und zu vielen Zeichen pro Zeile bei kleinen Schriftgrößen.

Internetverweis

Landesportal erhält Deutschen Multimedia Award