UPA2010: Determining Readability

Angela Colter hat in ihrem Vortrag Methoden für das Testen von Texten auf Lesbarkeit und Verständlichkeit vorgestellt und ein wenig über ihre Erfahrungen mit diesen berichtet.

Find out what users understand, not what they say they understand.

Cued response

Eine einfache Methode für die Prüfung der Verständlichkeit eines Textes ist das inhaltliche Paraphrasieren. Dabei lesen Testpersonen den Text und geben ihn anschliessend mit eigenen Worten wieder.

Cloze Procedure

Um herauszufinden, ob der Text für die Zielgruppe verständlich ist, empfiehlt sie die sogenannte Cloze Procedure bzw. Lückentext. Dabei wird jedes 5. Wort aus dem Text entfernt. Die Testpersonen füllen dann die Lücken aus und anhand der exakten Treffer lässt sich dann ermitteln, wie gut der Text passt. Dabei bedeuten 60% exakte Treffer, dass es ca. 90% der Zielgruppe geschafft hätten den Text zu verstehen. 40-60% exakte Treffer bedeuten, dass 75% den Text verstehen würden. Darunter ist der Text zu schwierig und sollte neu geschrieben werden.
Zu dieser Methode gab es eine kleine Übung bei der ich mich wie früher im Englisch-Unterricht gefühlt habe – Lückentext ausfüllen, juhu. 🙂 Die Übung hat sehr schön eine wichtige Erfahrung von Angela Colter verdeutlicht. Die Einschätzung über derartige Lückentexte funktioniert nur dann gut, wenn die Sprache des Textes die native Sprache der Testperson ist.

Readability Formulas

Ziel der Lesbarkeitsformeln ist die Einschätzung der Komplexität eines Textes. Das Verfahren wird insbesondere dafür verwendet um einzuschätzen für welche Klassenstufe ein Schultext geeignet ist. Dazu wird auf Basis der Anzahl von Worten, Sätzen, Silben und Absätzen der Schwierigkeitsgrad berechnet.
Die Aussagekraft dieser Lesbarkeitsformeln wird in Fachkreisen recht kontrovers disktuiert.

“Improving comprehension by writing to a readability formula is like lighting a match under a thermomenter to warm up a room.” Georg Klare

Schon beim Ausprobieren in der Session gab es Schwierigkeiten beim Zählen von Silben und Wörtern. Daher ist auch die Empfehlungen von Angela Colter, Lesbarkeitsformeln nicht allein zur Bewertung von Texten zu verwenden, sondern nur als Unterstützung. Insbesondere weil wichtige Aspekte, wie z.B. Verständlichkeit von Texten bei dieser Art der Bewertung nicht berücksichtigt werden.
Um Fehler bei der Anwendung solcher Lesbarkeitsformeln zu vermeiden, empfiehlt sie den Einsatz von speziellen Berechnungstools, z.B. Readability Studio. Dabei ist zu beachten, dass der Text für die Auswertung entsprechend vorbereitet werden muss, damit diese Tools richtig messen. Beispielsweise müssen unsichtbare Umbruchszeichen entfernt werden.

REALM (Rapid Estimate of Adult Literacy in Medicine)

Ziel dieser Methode ist die Abschätzung der Lesefähigkeit einer Person. Dabei werden der Testperson mehrere Begriffe vorgelegt, die sie aussprechen soll. Anhand der Anzahl der richtig ausgesprochenen Worte wird dann die Lesefähigkeit abgeschätzt. Dabei bedeutet:
* über 60% richtig ausgesprochene Worte = Lese- und Schreibfähigkeit sind o.k.
* 60-45% = Lese- und Schreibfähigkeit entsprechen der Klassenstufe 7-8
* 44-19% = Klasenstufe 4-6
* 0-18% = Klassenstufe 3 und darunter

Interessantes am Rande

Am Rande hat sie die Ergebnisse einer internationalen Studie zu Lese- und Schreifbfähigkeiten von Erwachsenen aus dem Jahr 1998 zitiert. Demnach können 44% der Erwachsenen in den USA können schlecht lesen, 42% der Erwachsenen in Deutschland und 25% der Erwachsenen in Schweden. (1998 International adult literacy survey OECD)
Die Folien sind übrigens bei Slideshare verfügbar.

Siehe auch

UPA International Conference 2010
Angela Colter über Readability
Slideshare: Determining Readability

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