(Dis)Respectful Technologies: Wie Technik soziale Normen im Arbeits- und Privatleben aushebelt und was sich dagegen tun lässt #muc17

Veröffentlicht von Ulf Schubert am

Sarah Diefenbach (LMU München) setzte sich in ihrem Beitrag damit auseinander, wie Technologien ihre Nutzer dazu verleiten sich unhöflich zu verhalten und wie man diesen Effekt bei der Gestaltung adressieren kann.

Beispielsweise erwarten Menschen eine gewisse Aufmerksamkeit vom ihrem Gesprächspartner. Die Technik und die Gestaltung der User Interfaces von Smartphones hingegen forciert einen Antwort-Reflex, unabhängig davon welche negativen Auswirkungen eine sofortige Antwort auf das Gespräch hat. Diverse Studien zeigen, dass mittlerweile allein die Anwesenheit eines Smartphone auf dem Esstisch bereits die Gesprächssituation negativ verändert. Das Smartphone signalisiert allen Gesprächspartnern, dass das Gespräch zu jedem Zeitpunkt unterbrochen werden kann.

Durch die Verfügbarkeit von Technologien verändern sich unsere sozialen Normen. Beispielsweise haben sich anerkannte Tabu-Zonen für die Nutzung von Smartphones entwickelt, also Orte oder Situationen, in denen es als unhöflich gilt das Smartphone zu nutzen. Ein anderes Beispiel dafür ist, wie sich die Art und Weise verändert hat, wie Verabredungen für persönlichen Treffen getroffen werden.

UX Designern empfiehlt sie für die Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen, die höfliches Verhalten unterstützen:

  • Der Einfluss von Technologien auf das soziale Miteinander sollte anerkannt und als wichtiger Einflussfaktor auf soziale Interaktionen verstanden werden.
  • Technologie formt soziale Interaktionen und kann soziale Normen unterstützen oder ihnen entgegenwirken.
  • Bei der Gestaltung von User Interfaces sollte sowohl die Sicht des Nutzers, als auch die Sicht von Gruppen berücksichtigt werden, in welchen der Nutzer das User Interface nutzen könnte.
  • Soziale (zwischenmenschliche) Interaktion sollte als wichtiger Aspekt des UX Designs betrachtet werden, denn was vom Einzelnen als hilfreich für die Gruppe oder Andere eingeschätzt wird (z.B. Schnelle Recherche zu einem Thema auf dem Smartphone während eines Gesprächs), kann von der Gruppe als störend oder als Desintresse eingestuft werden.

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für bessere digitale Produktgestaltung in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings.