Markus Weber (centigrade) gab in seinem Beitrag Tipps für die erfolgreiche Platzierung von User Research-Maßnahmen in Projekten. Nach seiner praktischen Erfahrung begegnen einem User Researcher immer noch Projekte, bei denen User Research-Aktivitäten mit Todschlag-Argumenten wie „Keine Zeit“, „Kein Geld“, „Kein Bedarf“ abgelehnt werden.

Überzeugungsarbeit ist Teil der Arbeit eines User Researcher.

Um diesen Todschlag-Argumenten erfolgreich begegnen zu können, sollten sich User Researcher neben ihren fachlichen Tätigkeiten auch der Überzeugungsarbeit widmen. Sie benötigen die praktischen Argumente um zu überzeugen. Sie benötigen eine Strategie und Taktiken für die Platzierung von User Research. User Researcher sollten reaktiv und proaktiv an die Platzierung von User Research-Aktivitäten herangehen.

Er griff dann 3 typische Todschlag-Argumente heraus und erläuterte seine Herangehensweise:

„Wir fangen auf der grünen Wiese an, da geht noch kein User Research.“

Dieses Argument ist bevorzugt in Innovationsprojekten zu finden. Hier sollten User Researcher Fehlkonzepte und Vorurteile zu User Research geraderücken. Meist haben die Projektmitglieder Vorurteile, wie z.B. dass User Research für Innovationen zu schwerfällig ist oder sich die Projektmitglieder nicht vorstellen können, wie das ablaufen kann. Hier bieten sich Projekt-Kickoff-Meetings an. In diesen sollten User Researcher proaktiv Zeit beanspruchen und diese für die Argumentation / Diskussion ihrer Disziplin nutzen.

„Wir wissen schon genau, was unsere Anwender wollen.“

Diesem Argument ist rein argumentativ nur schwer zu begegnen. Hier gilt es eine günstige Gelegenheit zu suchen. Diese kann zum Beispiel sein, wenn das Team dann doch kein gemeinsames Bild über die Anwender hat und dies in Diskussionen sichtbar wird. Durch das Aufdecken solcher Widersprüche und das Anbieten einer Lösungsmöglichkeit können User Researcher hier unter Umständen doch Research-Maßnahmen platzieren.

„Wir brauchen unsere Ressourcen viel dringender für die Entwicklung.“

Meist steckt hinter diesem Argument, dass den Stakeholdern Erfahrungen zum Wert von User Research fehlen. Hier kann es helfen, Fragestellungen zu Anwendern aus dem Projekt einfach proaktiv aufzugreifen und über schnelle sowie kostengünstige Guerilla Usability Methoden zu beantworten. Auf diese Weise können User Researcher zeigen, was sie zur Entwicklung an Wert beitragen können und dass User Research nicht viele Ressourcen in Anspruch nehmen muss.

Er empfiehlt, dass sich User Researcher als aktive Mitgestalter von Projekten verstehen sollten. Weiterhin sollten User Researcher ihre eigene Arbeit stets kritisch evaluieren und hinterfragen, um sich selbst und ständig zu verbessern.

„Ihr seid die Langzeit-Anwender eures User Research Vorgehens. Entwickelt es maßgeschneidert auf eure Anforderungen und Präferenzen.“


Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Design Management, User Experience und Design Thinking. Aktuell ist er als Head of UX bei DATEV für die User Experience der DATEV Produkte verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.