Nick Marsh (Wonderbly) berichtete über seine Erfahrungen bei der Führung von Design in einem Unternehmen, welches seinen Fokus in etwas mehr von einem Jahr zwangsweise von Wachstum auf Profit verlagern musste.

Wonderbly ist ein Unternehmen, welches sein Geld mit personalisierten Kinderbüchern verdient. Die Kunden personalisieren die Bücher online. Das Buch wird dann on demand gedruckt und versandt. Diese Idee erfreut sich großer Beliebtheit. Das führte zu einem enormen Wachstum. Der Umsatz wuchs dank von Investoren innerhalb von 2 Jahren von nahezu 0 auf knapp 20 Mio Pfund.

Nach einem weiteren Jahr verlangsamte sich das Wachstum. Das führte dazu, dass die Ausgaben die Einnahmen deutlich überstiegen. Eine grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens war notwendig. Das Unternehmen entschied sich dafür die Kosten zu reduzieren und den Schwerpunkt auf Profitabilität zu legen.

Die Organisation war zu dem Zeitpunkt nach den Funktionen eCommerce, Marketing, Product Development, Software Engineering und Finances geschnitten war. Produktmanagement, Produktentwicklung und Kommunikationsdesign waren in getrennten Teams organisiert.

Die Reorganisation folgte den Zielen die Auslieferung von mehr Produkten um 30% zu steigern, die Zusammenarbeit deutlich zu verbessern und das Ganze zu 25% geringeren Kosten.

Die Anzahl der Mitarbeiter für Produktentwicklung wurden erhöht, die Anzahl der Designer und User Research wurden drastisch reduziert. User Research wurde sogar auf 0 Mitarbeiter heruntergefahren. Das Ergebnis war, das die neuen Produkte reihenweise floppten. Glücklicherweise konnten auf Basis der User Research-Erkenntnisse aus der Vergangenheit zwei Bücher entwickelt werden, welche ein Markterfolg wurden und Wonderbly so zur Profitabilität verhalfen.

Durch die Reorganisation wurden weniger Projekte, aber dafür mehr bedeutsame Projekte durchgeführt. Da es weniger Personen gab und diesen die Ernsthaftigkeit der Situation klar war, stieg die Produktivität. Die Belegschaft konzentrierte sich auf die Auslieferung. Die Fokussierung auf Geld verdienen, schränkte aber auch die Kreativität ein.

Never stopping shipping means no time for anything but shipping. No money means everything is about money.

Mein Fazit

Ich bin mir nicht sicher, was die Botschaft dieser Geschichte ist. Ist die Botschaft, dass man profitabel wird, wenn man alle Designer und User Reseracher entlässt? Ich glaube nicht. Es war ein Plädoyer für die Fokussierung auf die Auslieferung von Produkten. Für die Konzentration auf echte Arbeit, die Gewinn produziert.

Die Reduktion von Design und User Research hat im Falle von Wonderbly kurzzeitig funktioniert, da gute Vorarbeit in Form von User Research-Erkenntnissen und Design Systemen geleistet wurden. Mittelfristig ist es aber ein Fehler, wie Nick sagte, da es zum Stillstand führt.

Kategorien: Designorganisation

Ulf Schubert

Ulf ist Experte für Customer/User Experience, Design Management und Touchpoint Management. Er ist bei DATEV als Senior Head of UX & Touchpoint Experience für das Produktdesign der DATEV Produkte und die Customer Experience an allen Kunden-Kontaktpunkten der DATEV verantwortlich. Davor hat er mit seiner Agentur openeyes bzw. später bei SirValUse Unternehmen, wie z.B. eBay, Microsoft, OTTO, Axel Springer und MINI, zu User Experience, Innovation und Design beraten. Er engagiert sich über Bitkom und German UPA für besseres Digital Design in Deutschland. Er teilt seine Erfahrungen über Vorträge auf Konferenzen und Trainings. Er ist einer der Gründer und Organisatoren des UX Stammtisch Franken.