Bitkom AK Usability & User Experience: Digitalisierungsstrategien im Spannungsfeld Business, Technik und Mensch #uux #bitkom

Das Gute an der neuen digitalen Meetingkultur ist, dass man viel einfacher an überregionalen Treffen teilnehmen kann. Deswegen kann ich heute auch wieder über das spannende Themen “Digitalisierungsstrategien im Spannungsfeld Business, Technik und Menschen” vom Bitkom AK Usability & User Experience berichten.

Meine Erkenntnisse aus der Veranstaltung sind:

Digitale Transformation meistern – Der Mensch im Technikwunderland

Jan Groenefeld (Ergosign) beobachtet, dass in Deutschland Menschen ein gestörtes Verhältnis zu bzw. eine diffuse Angst vor Technologie haben. Dabei sind moderne Technologien vor allem im industriellen Umfeld eine wesentliche Grundlage für eine lebenswerte Zukunft. Neue Technologie bringen aber nicht nur Vorteile. Sie verändern Nutzungsszenarien und die Anforderungen an die Fähigkeiten von Mitarbeiter:innen. Sie gehen daher meist mit erheblichen Einführungsaufwänden einher, wenn Technologien nicht menschzentriert gedacht sind.

Bis zum Jahr 2025 werden 75 Mrd. vernetzte Geräte in die Industrie Einzug gehalten haben. Damit die Integration dieser unzähligen Geräte erfolgreich gelingt, müssen diese nützlich, verwendbar, realisierbar, nachhaltig und profitabel sein. Die Geräte müssen sich in das Ökosystem und in den Kontext, in dem Menschen arbeiten, nahtlos einbetten. Sie dürfen keine Inseln bilden.

Neue Technologien sollten aus menschlicher Sicht eingeführt werden. Der bewährte Human-Centered Designprozess (HCD) kann hier hilfreich sein. Dieser kann allerdings im industriellen Umfeld Anpassungen an der Unternehmensorganisation mit sich bringen. HCD funktioniert in den Unternehmensorganisationen am besten, die auf kollaborative, iterative und kollaborative Zusammenarbeit ausgelegt sind. Er empfiehlt sich bei der Umsetzung an den Grundsätzen der ethischen Gestaltung zu orientieren.

Unternehmen sollten bei der Integration von neuen Technologien in den Journeys der Anwender:innen – also den kompletten Arbeitsprozess aus Sicht der Menschen – denken. (Stichworte: Service Design, User Journeys)

Außerdem sieht er den MVP-Ansatz aus dem Lean Startup-Gedankengut als ein wesentliches Werkzeug, damit eine menschzentrierte Integration in der Industrie gelingen kann.

Pragmatismus vs. Strategie: Wie kurzfristig dürfen wir denken, bis das Kartenhaus zusammenfällt

Martina Buettner-Leibovici (USU Solutions) sprach über Strategien im Mittelstand. Strategien sollten sich um um große Ziele, wie z.B. Unternehmensziele, Führungsziele und gewünschtes Marktverhalten drehen. Das Problem mit Strategien ist häufig, dass die Umsetzung und die Menschen, um die es geht, darin keinen Platz haben. Strategien, denen diese Teile fehlen, führen meist nicht zum Erfolg.

Pragmatismus hat einen festen Platz im deutschen Mittelstand. Pragmatisches Handeln richtet sich reaktiv nach der aktuellen Situation. Es ist vernunftbasiertes und sachliches Handeln. Es fehlt darin meist an Vision. Große Ziele lassen sich mit einem pragmatischen Vorgehen allein in der Regel nicht erreichen.

Strategien sollten das Zielbild, unternehmerische Zielgrößen, die nötigen Mittel, den Weg und die Menschen, auf die die Strategie wirkt, beschreiben. Strategien sollten auf den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen basieren. Martina empfiehlt Strategien genauso in einem menschenzentrierten Prozess zu entwickeln, wie Produkte. Die Umsetzung von Strategien sollte sich die iterativen Mechanismen der agilen Entwicklung zu nutze machen. In den kleinen Schritten der iterativen Umsetzung hat pragmatisches Handeln dann wieder einen Platz.

Mein Fazit: Die Faustregel ist, Strategie im Großen und Pragmatismus im Kleinen.

Nutzerzentrierung: Kostentreiber oder Digitalisierungshelfer

Klaas Klaassen (adesso) sprach in seinem Beitrag über den ROI von Nutzerzentrierung. Nutzerzentrierung hat strategische Bedeutung und beschleunigt die Produktoptimierung. Durch Nutzerzentrierung steigt die Effizienz in der Entwicklung. Die schnelle und frühe Rückmeldung zu Prototypen hilft Aufwände für den komplexen Umbau in späten Projektphasen zu vermeiden. UX hilft daher Kosten zu vermeiden und kann Kosten sparen.

Den ROI von Nutzerzentrierung kann man seinen Erfahrungen nach nicht messen oder in Euro ausdrücken. Er empfiehlt über Design System, Agilität und potentielle Rentabilität zu argumentieren. Design Systeme schaffen konsistente Oberflächen und sind eine Grundlage für ein konsistentes Nutzungserlebnisse. Durch Wiederverwendung steigern sie die Geschwindigkeit der Entwicklungsprozesse und durch Skalierbarkeit den Geschäftswert.

In seinen Projekten beobachtet er einen Machtkampf zwischen Strategie und Nutzerzentrierung. Manchmal gewinnt das Bisherige und manchmal schwenken Unternehmen in der Strategie auf Kundennutzen um. Entscheidend dafür ist allerdings nicht der ROI, sondern die konkreten Ergebnisse, die aus der kundenzentrierten Entwicklung entstehen.

Fazit

In den Diskussionen zu den Beiträgen ist mir eine diffuse Vermischung von Human Centered Design, User Experience Design und Service Design aufgefallen. Das ist eine unnütze Konkurrenz der Begriffe. Alle Begriffe adressieren die Gestaltung menschlicher Erlebnisse. Dabei beschreiben die Begriffe ähnliche Vorgehensweise und ähnliche Methoden aus der Sicht unterschiedlicher Branchen (UX-Dienstleister vs. produkt-/serviceentwickelnde Unternehmen). Wir tun uns als UX Professionals keinen Gefallen, wenn wir unsere Stakeholder immer wieder mit neuen Begriffen für die gleiche Sache verwirren.

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